– The Shape of Water gewinnt Bester Film, Beste Regie, Beste Musik und Bestes Produktionsdesign – damit ist sowohl der Fluch bezüglich des Screen-Actor-Ensemble gebrochen als auch nach dreizehn Jahren ein Sieger gekürt, dessen zentrale Figur von einer Frau gespielt wird.
– Beste Nachricht des Abends: Jordan Peele & Roger A. Deakins sind Oscar-Gewinner!
– Three Billboard Outside Ebbing, Missouri gewinnt „nur“ Hauptdarstellerin & Nebendarsteller.
– James Ivory ist der älteste Gewinner eines (nicht Ehren-)Oscars.
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Oscar-Tippschein 2017/18
Bester Film
In einem gewöhnlichen Jahr sind die Zeichen klar gesetzt. Im Normalfall gibt es einen klaren Favoriten und einen, vielleicht zwei Verfolger. Doch glaubt man den Oscarbloggern, dann ist 2017 kein gewöhnliches Filmjahr. Demzufolge geistern selbst Stunden vor der Verleihung fünf Titel durch das Internet, die ernsthaft gewinnen könnten: Lady Bird, Get Out, Dunkirk, The Shape of Water und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri.
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The Shape of Water
Pan’s Laybrinth ist meines Erachtens einer der besten Filme, über die ich mich je aufgeregt habe. Auf der einen Seite erzählt er diese wundervolle Mixtur aus harter Realität und verträumter Parabel, wunderschön gefilmt, herrlich geschrieben und mit einem Ende, das mich emotional fertig macht. Auf der anderen Seite zeigt Regisseur Guillermo Del Toro in einer Szene, wie der Antagonist einem unschuldigen Mann die Nase zertrümmert – mit all seinen blutigen Details. Selten habe ich mich so sehr über eine Szene beschwert, weil sie aufgrund ihrer überzogenen Gewaltdarstellung nicht passt.
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Dunkirk
Wenn es um englischsprachige Filme geht, dann gibt es drei große Bewertungsgruppen: das Publikum, die Kritiker und die Industrie. Das erste sind die Kinogänger und IMDB-Besucher, zwischen denen sich schnell Fanblöcke bilden. Das zweite sind die Schreiber und Pseudo-Intellektuellen (wozu auch ich gehöre ;), deren Meinung aufgrund ihres Erfahrungsschatzes und ihrem Zwang, alles zu Tode analysieren zu wollen, geprägt ist. Und das dritte sind die Filmschaffenden persönlich, zu denen auch die Oscar-Jury gehört.
Das Faszinierende an dieser Struktur: Selten stimmen die Meinungen überein. Und es ist sehr auffällig, dass der Lieblingsfilm eines bestimmten Regisseurs bei den einen oft der am meisten „verhasste“ bei den anderen ist.
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Call Me by Your Name
Nennt mir mal ein paar wirklich grandiose Liebes- oder Beziehungsfilme der letzten fünfzehn Jahre. Also bitte nichts, was eher den Teenie in uns begeistert und vornehmlich MTV Movie Awards abräumt. Spontan kommen mir Brokeback Mountain, Carol und Moonlight in den Sinn.
Und ja: Ich bin nach wie vor Stock-Hetereo…
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Darkest Hour (Die dunkelste Stunde)
Es gibt viele gute Filme – doch was zeichnet eigentlich einen sehr guten oder gar hervorragenden aus? Also einen ernsthaften Kanditen für einen „Best Picture“-Preis, egal ob er von der Academy of Motion Picture Arts and Science, den Golden Globes oder einer seriösen Zeitung vergeben wird?
Meist sind es verschiedene Aspekte, die sich zu einer großen Einheit bilden. Das Drehbuch sollte stimmig sowie interessant sein, die Kamera tolle Bilder einfangen und der Regisseur alles bis ins kleinste Detail im Überblick haben. Doch manchmal reicht eine besondere Größe aus, um gesondert aufzufallen…
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The Post (Die Verlegerin)
Die Oscar-Verleihung ist derzeit schwer zu deuten. Trotz Golden Globe, trotz BAFTA, trotz Gildenpreise kommt es besonders in der Kategorie Best Picture zu einer Überraschung nach der anderen. Mit ein Grund hierfür ist das veränderte Umfeld: Sowohl die Academy als auch die Filmschaffenden haben sich geändert. Meilensteine wie Mad Max: Fury Road, Get Out oder Moonlight werden nominiert, was vor zehn oder gar zwanzig Jahren bei den jeweiligen Thematiken undenkbar gewesen wäre.
Was hingegen fast ausgestorben ist, dass ist der klassische Oscar-Film: ein sicheres Auszeichnungs-Sprungbrett für Schauspieler, ein sachlich-glattes Drehbuch, dezent überzogene Dramatik und eine Regie ohne Schnörkeleien. Und weil das inzwischen so selten geworden ist, darf man ruhig mal die wenigen, noch lebenden Ausnahmen lobend hervorheben.
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Get Out
Am 25. März 1991 kündigte Billy Crystal während der 63sten Oscar-Verleihung Jodie Foster und Anthony Hopkins an, um einen Preis zu verleihen. Dabei bemerkte Crystal, dass beide wohl nächstes Jahr für ihre Leistung in Das Schweigen der Lämmer nominiert werden würden – was sich nicht nur bewahrheitete, sondern auch in zwei Siegen plus einem Best-Picture-Durchmarsch resultierte.
Der Grund, warum Billy Crystal diese kühne Vorhersage treffen konnte: Das Schweigen der Lämmer lief bereits im Februar in den Kinos, also einen Monat vor der besagten Oscar-Verleihung, die eigentlich das Jahr zuvor auszeichnet. Dabei haben Filme mit einem so frühen Release-Termin kaum eine Chance auf eine Nominierung. Nehmen wir noch den Umstand hinzu, dass Das Schweigen der Lämmer im Kern ein Horrorfilm ist, und die Anomalie ist perfekt.
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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Amerika ist gespalten. Die Fronten zwischen Demokraten und Republikanern sind derart festgefahren, weshalb man aus Prinzip und nicht aus Überzeugung denkt. Man wählt lieber einen sexistischen Rassist anstatt den Konkurrenten der anderen Partei. Soweit der Stand der Dinge in den USA.
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Lady Bird
Und wenn einem Indie-Regisseur nichts besseres einfällt, dann macht er einen Coming-of-Age-Film. Was gibt es schon einfacheres und zugleich persönlicheres, als sein eigenes Leben zu verfilmen? Das Problem an der Idee ist der Trugschluss, dass das eigene Schicksal komprimiert auf unter zwei Stunden interessant sein könnte. Deshalb sind solche Werke auch nicht für jedermann geeignet. Es braucht schon ein sehr besonderes Talent, um mit solch einem generischen Konzept einen wirklich beeindruckend Film zu schaffen.