Oscar-Prognose 2025/2026

Es ist an der Zeit – und ich möchte gleich klar stellen: In fast dreißig Jahren, in denen ich die Oscars akribisch verfolge, möglichst viele Filme vor der Verleihung sehe und meinen Senf bezüglich der potenziellen Gewinner abgebe, habe ich selten solch ein knappes Rennen erlebt wie diesmal. Zudem hatte ich diesmal das Glück und habe den letzten der insgesamt 50 nominierten Filme bereits gut eine Woche vor der Verleihung sehen können. Obwohl es teilweise echt schwer war, an einige der Exoten heran zu kommen – aber zum Glück haben immer mehr der „kleineren“ Werke ein Herz und ermöglichen Oscar-Fanatikern wie mir, sie dann doch irgendwie und auf legalem Wege zu sehen.

Es ist an der Zeit – und ich möchte gleich klar stellen: In fast dreißig Jahren, in denen ich die Oscars akribisch verfolge, möglichst viele Filme vor der Verleihung sehe und meinen Senf bezüglich der potenziellen Gewinner abgebe, habe ich selten solch ein knappes Rennen erlebt wie diesmal. Zudem hatte ich diesmal das Glück und habe den letzten der insgesamt 50 nominierten Filme bereits gut eine Woche vor der Verleihung sehen können. Obwohl es teilweise echt schwer war, an einige der Exoten heran zu kommen – aber zum Glück haben immer mehr der „kleineren“ Werke ein Herz und ermöglichen Oscar-Fanatikern wie mir, sie dann doch irgendwie und auf legalem Wege zu sehen.

=========
Best Picture
=========

Zehn Filme sind in der Kategorie „Best Picture“ nominiert. Sieben von ihnen haben 0,0% Chancen auf einen Sieg, nämlich Bugonia, F1, Frankenstein, Marty Supreme, The Secret Agent, Sentimental Value und Train Dreams. Deren Produzenten dürfen sich ganz entspannt zurück lehnen und die Show genießen. Doch der Vollständigkeit halber erwähne ich kurz Story, Inhalt und warum diese Filme überhaupt für mehrere Oscars nominiert sind.

Bugonia ist der neueste Wahnsinn von Yorgos Lanthimos, der dank solch irrer Werke wie The Lobster, The Favourite und Poor Things kein Unbekannter der Academy ist. Diesmal hat sich der gebürtige Grieche an einem Remake eines südkoreanischen Filmes namens Save the Green Planet versucht.

Der Verschwörungstheoretiker Teddy Gatz entführt gemeinsam mit seinem Cousin die Vorstandsvorsitzende eines Pharmakonzerns. Gatz ist nämlich davon überzeugt, dass Michelle Fuller in Wahrheit eine Außerirdische sei und die Unterjochung der Menschheit im Sinn habe.

Empfehlen kann ich sowohl das Original als auch dieses Remake. Ersteres ist natürlich origineller und gebührt alles Lob für die kaputte Grundidee. Letzteres ist jedoch eindeutig besser inszeniert und lebt vor allem von der Oscar-nominierten Emma Stone als Fuller sowie Jesse Plemons als Gatz. Und Lanthimos selbst stellt sicher, dass das schon im Original recht fiese Ende in seiner Version noch eine ganze Ecke schonungsloser rüber kommt.

F1 ist genau das, was der Titel ausdrückt: ein Film rund um die Formel 1. Gedreht von Joseph Kosinski, der bereits vor zwei Jahren mit dem ungewöhnlich guten Top Gun Maverick überraschte, schafft er mit F1 gleichermaßen die Gratwanderung aus 1980er Jahre Coolness und moderner Inszenierung. Der Plot mag arg simpel und abgedroschen sein, doch wenn selbst die größten Kritiker dem Film einen soliden Unterhaltungswert bescheinigen, dann scheint er schlichtweg etwas richtig zu machen. Und Rennsport-Fans werden es sehr zu schätzen wissen, dass neben den fiktiven Rennfahrern, gespielt von Brad Pitt und Damson Idris, zahlreiche reale Formel-1-Stars wie Lewis Hamilton, Max Verstappen oder Lando Norris in Erscheinung treten.

Ein weiterer Film, der auf dem Papier nicht gerade nach „Best-Picture-Oscar-Nominee“ klingt, ist Frankenstein – also zumindest bis man Guillermo Del Toro als Regisseurname entdeckt. Und für mich persönlich ist diese zig-tausendste Verfilmung von Mary Shelleys Roman eine kleine Offenbarung, weil mich erstmals Del Toros Hang zur rohen Gewaltdarstellung weder abgeschreckt noch aufgeregt hat.

Nein, im Gegenteil: Diesmal passt sein Tonfall wie die Faust aufs Auge. Und allein für die Art, wie er Frankensteins „Monster“ in Szene setzt und ohne übertriebene Moralkeule klar macht, dass es NICHT das Böse dieser Geschichte ist, gebührt Guillermo Del Toro allergrößtes Lob. Mal abgesehen von der erneut verboten schönen Kulisse, die sich vorrangig auf Ausstattung, Kostüme und Make-Up bezieht und weswegen dieser Film keinesfalls ohne Oscars nach Hause gehen wird.

Zu den beliebtesten und zugleich unbekanntesten Filmen des Jahres gehört eindeutig Marty Supreme: ein ungewöhnliches und sehr lose adaptiertes Biopic des amerikanischen Tischtennisspielers Marty Reisman, der hier Marty Mauser genannt wird und von Timothée Chalamet gespielt wird.

Marty ist jung, ein echter Charmeur und steckt voller Ambitionen, schlägt sich mehr abenteuerlich als recht durchs Leben. Er stiehlt, hat Affären mit verheirateten Frauen und lehnt zunächst ein dubioses Angebot eines reichen Geschäftsmannes ab, demnach er in einem Showkampf gegen einen berühmten japanischen Tischtennisspielers bewusst verlieren soll – nur um später es dann doch ernsthaft in Erwägung zu ziehen und sich dafür sogar den Hintern versohlen lässt.

Die Story von Marty Supreme ist vollgepackt mit Haupt- und Nebensträngen, was mich entfernt an Paul Thomas Andersons Licorice Pizza erinnert. Der Film ist hervorragend gedreht, was man vor allem an den packenden Tischtennisduellen sieht. Auch ist der Plot gut durchdacht, nur persönlich hatte ich Probleme, in irgendeiner Form mit Marty mitzufühlen – mit Ausnahme des sehr emotionalen Endes vielleicht. Aber dazwischen hat mich der Film etwas verloren – weshalb er sich für mich trotz seiner klaren Stärken distanziert angefühlt hat.

Ähnlich erging es mir bei The Secret Agent, dem ersten von zwei Internationalen Filmen, die auch für Best Picture nominiert sind. Der brasilianische Polit-Thriller erzählt die fiktive Geschichte von Armando Solimoes, der sich mitten während der Militärdiktatur der 1970er Jahre einer regimekritischen Gruppe anschließt und in diesem Zuge sogar eine neue Identität annehmen muss. Trotzdem sind ihm seine poltischen Gegner auf den Fersen und haben nur eines im Ziel, nämlich seine Liquidation.

Zwischendurch erfährt man Armandos Sohn, der nach dem Tod seiner Mutter bei seinen Großeltern lebt, und einem abgerissenen Menschenbein, das im Bauch eines getöteten Hais gefunden wurde und nun von der korrupten Polizei auf andere Weise entsorgt werden soll.

The Secret Agent ist über weite Strecken ein bodenständiger Film, der an andere Polit- oder Mafia-Thriller wie das im letzten Jahr und ebenfalls aus brasilien stammende Für immer hier erinnert. Doch ähnlich wie Marty Supreme hatte ich Probleme, mit den Protagonisten oder der Story im allgemeinen zu fühlen – was in meinen Augen auch hier an den ständig dazwischen geschobenen Nebenschauplätzen liegt.

Was ich jedoch sehr stark fand: Das Ende, mit seinem mutigen Zeitsprung und der gewagten Idee, den zu erwartenden Showdown NICHT zu zeigen und stattdessen nur rückblickend davon zu erzählen. Was ihn im Kopf umso lebendiger erscheinen lässt.

Der andere Internationale Film heißt Sentimental Value und stammt aus Norwegen, genauer gesagt dem Regisseur von Der Schlimmste Mensch der Welt. Wer dieses kleine Meisterwerk im übrigen nicht kennt: Der Schlimmste Mensch der Welt ist vielleicht die beste Anti-Rom-Com aller Zeiten und einer der besten Filme des Jahres 2021.

Mit Sentimental Value geht Regisseur Joachim Trier einen etwas anderen Weg und erzählt eine auf den ersten Blick gewöhnliche Familienstudie. Im Mittelpunkt stehen die Schauspielerin Nora Borg, ihre verheiratete Schwester Agnes und deren Vater Gustav, ein versierter, alter Regisseur. Gustav hat sich bereits vor geraumer Zeit scheiden lassen und seiner Familie sowie ganz Norwegen den Rücken gekehrt, um sich seiner Karriere zu widmen. Nun kehrt er zurück, nachdem seine ehemalige Frau sowie Nora und Agnes Mutter verstorben ist und das gemeinsame Hause hinterlässt.

Während die beiden Töchter nach wie vor gezeichnet von der frühen Trennung ihres Vaters sind und ein inniges Verhältnis zu ihm ablehnen, versucht Gustav an seinem Lebensabend nochmal einen großen Film zu drehen und dabei den Selbstmord seiner Mutter zu verarbeiten. Alle drei werden zwangsläufig mit der gemeinsamen Vergangenheit konfrontiert und müssen sich im Laufe des Filmes entscheiden, inwiefern sie wieder miteinander leben oder gar arbeiten möchten.

Auch bei Sentimental Value passt das Wort „bodenständig“, nur dass mich hier kein Nebenplot und kein radikaler Tonfallwechsel verwirrt. Stattdessen sehe ich drei fantastische, zurecht Oscar-nominierte Schauspieler, die von der ebenfalls grandiosen und ebenfalls nominierten Elle Fanning als gewichter Nebencharakter unterstützt wird. Joachim Triers Film wirkt zu 95% wie ein Bühnenstück und bricht in den verbleibenden 5% gekonnt seine eigenen Mauern, ohne dabei zu abenteuerlich zu werden. Dieses Kunststück mag ihm bei Der Schlimmste Mensch der Welt noch etwas besser gelingen – aber Sentimental Value ist nicht qualitativ nicht weit davon entfernt und somit eine echte Empfehlung für alle, die auch Filme ohne ausschweifende Kulissen oder verspielte Special-Effects mögen.

Und dann bleibt noch Train Dreams, der in meinen Augen verträumteste aller Best-Picture-Kandidaten und bei dem ich mich wirklich sehr gefreut habe, dass er den Sprung in die Top Ten der Academy geschafft hat.

Robert Grainier ist ein einfacher Holzfäller, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine Frau kennen lernt und mit ihre eine Tochter zeugt. Aufgrund seiner Arbeit und ständiger Geldnot, musst Robert häufiger für längere Zeit auswärts arbeiten und seine Familie alleine lassen. Eines Tages kommt es zur Katastrophe und sein Haus wird Opfer eines flächendeckenden Waldbrands. Ohne genau zu wissen, was mit seiner Frau und seiner Tochter passiert ist und ob beiden überhaupt überlebt haben, versucht er irgendwie weiter zu machen und dem sich schnell wandelnden Zeitgeist zu folgen.

Diese recht schlichte Geschichte wird von einem sehr gut strukturierten Drehbuch und einer meisterhaften Kameraarbeit getragen, die zurecht Oscar nominiert ist. Train Dreams ist genau die Art von Film, bei dem ihr die ganze Zeit mit dem Protagonisten fühlt und bangt und hofft und träumt. Es ist schlichtweg ein Film zum Verlieben und einer, der das Herz wahrlich am rechten Fleck trägt. Und hoffentlich für Regisseur sowie Autor Clint Bentley ein Sprungbrett für weitere solch schöner Filme ist, so dass er irgendwann auch dafür ausgezeichnet werden kann.

Das waren nun die sieben Best-Picture-Werke, über deren Nominierung die meisten Cineasten froh und dankbar sind – aber die für den finalen Sieg keine ernsthafte Rolle spielen.

Bleiben ergo noch drei weitere, von denen einer… und zwar Hamnet… nun… ich würde sagen eine 1%-Chance auf den Preis für Best Picture hat. Allein basierend auf den Gewinn bei den Golden Globe für das Beste Drama, einen 100%-sicheren Sieg für Jessie Buckley als beste Hauptdarstellerin und für die Thematik an sich, denn die Academy liebt nach wie vor hoch emotionale Filme.

Schließlich versucht der Film die Dramatik zu erörtern, wie William Shakespeare und seine Frau zu Lebzeiten mit dem Verlust ihres einzigen Sohnes klar gekommen sind. Eine Überlieferung diesbezüglich gibt es nicht – und Hamnet wählt einen äußerst gewagten wie mutigen Weg, der ihn zum umstrittensten Best-Picture-Kandidaten des Jahres macht. Kein Witz: Man liebt ihn oder man hasst ihn – je nachdem, ob man sich aufgrund von Max Richters Musik emotional manipuliert oder einfach nur den Tränen nahe fühlt.

Doch natürlich tippe ich nicht wirklich auf Hamnet sondern auf One Battle After Another… oder… Sinners. Und zwischen den beiden Filmen wird es verflixt knapp.

One Battle After Another ist ein wilder Ritt rund um eine linksextreme Organisation, die vornehmlich illegalen sowie an der Grenze eingesperrten Einwanderern zur Flucht verhilft. Dies geht so lange gut, bis sich mit Perfidia Beverly Hills eine der zentralen Mitgliedern abkapselt, ihre Freunde verrät und die Flucht nach Mexiko antritt.

Sechzehn Jahre später lebt ihr ehemaliger Lebensgefährte Pat Calhoun mitsamt der vermeintlich gemeinsamen Tochter Willa in ständiger Angst, von den Behörden und vor allem von dem ruchlosen Colonel Lockjaw geschnappt zu werden. Der hat schließlich bereits zahlreiche Mitglieder der Organisation persönlich liquidiert und strebt eine Mitgliedschaft in einem rechtsextremen Geheimzirkel an. Das Problem: Gerüchten zufolge habe er eine Affäre mit einer schwarzen Frau gehabt und ein Kind mit ihr – eben besagte Willa. Und Lockjaw möchte tunlichst verhindern, dass aus diesem Gerücht eine Wahrheit wird und sich seine Träume in Luft auflösen.

One Battle After Another ist ein Potpourri aus allen möglichen dramatischen wie komödiantischen Stilmitteln und einer der besten Filme, die der legendäre Paul Thomas Anderson jemals gedreht hat. Er hat bereits jetzt so viele Preise gewonnen wie kein Film jemals zuvor. Darunter gehören der BAFTA (insgeheim als britischer Oscar bezeichnet), den Golden Globe für die Beste Komödie, den Producer Guild Award, den Director Guild Award und Auszeichnungen der vier größten amerikanischen Kritikervereinigungen, ergo dem National Board of Review, dem New York Film Critics Circle, der Los Angeles Film Critics Association und den National Society of Film Critics.

Gerade letzteres ist äußerst selten und war bislang den Filmklassikern Schindler’s Liste, L.A. Confidential sowie The Social Network vorbehalten.

Somit ist One Battle After Another sowohl bei den Kritikern als auch in der Filmindustrie außergewöhnlich beliebt, was man anhand der vielen Gildenpreise sieht. Hinzu kommt der Fakt, dass Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson bislang keinen einzigen Oscar gewinnen konnte – und das obwohl er sehr geschätzt wird unter seinen Kollegen. Dies ist auch das wichtigste Narrativ für One Battle After Another: Das P.T.A. endlich seinen „Moment“ erhält, ähnlich wie Christopher Nolan zwei Jahre zuvor mit Oppenheimer.

Alles wäre somit in trockenen Tüchern… wenn da nicht der andere große Juggernaut wäre: Sinners.

Anfang der 1930er Jahre kehren die Zwillinge Smoke und Stack zurück in ihre Heimatstadt Clarksdale. Mit Kisten voller Geld, was sie mutmaßlich durch dubiose Mittel ergaunert haben, wollen die beiden einen Juke Joint eröffnen (gleichbedeutend mit einer Kneipe von und für Afroamerikaner, in der sowohl Alkohol, Musik als auch Glücksspiel angeboten wird).

Doch am Abend der Eröffnung droht eine unerwartete Gefahr: ansässige Bewohner, die sich als Vampire entpuppen und die Eröffnungsfeier zur Rekrutierung weiterer Blutsauger nutzen wollen.
Hört sich dieser Plot noch etwas arg fantastisch und weit hergeholt an, so sucht die Inszenierung ihres Gleichen. Regisseur Ryan Coogler hat weit mehr als einen plumpen Vampirfilm gedreht und erschlägt uns mit atemberaubenden Bildern, nie zuvor gesehene Szenen und einer vorbildlichen Art der Gewaltdarstellung, die absolut schonungslos ist ohne unnötig zu schockieren oder zu dramatisieren.

Nun hat ausgerechet dieser Film, der zum Großteil aus schwarzen Darstellern besteht und Vampire als ein zentrales Plotelement nutzt, bereits jetzt einen sagenhaften Rekord erreicht: den für die meisten Oscar-Nominierungen.

Vor zwei Monaten lag dieser Rekord bei vierzehn Nominierungen. One Battle After Another sitzt mit seinen dreizehn nur knapp darunter und somit auch in dieser Hinsicht in der allerbesten Siegposition.

Sinners wurde bereits im Vorfeld als möglicher Rekordbrecher gehandelt, auch weil es erstmals einen Oscar für das Beste Casting gibt und somit eine Nominierungskategorie mehr zur Wahl steht. Allerdings vergessen hier die meisten Oscar-Watcher, dass vor ein paar Jahren eine der Ton-Kategorien gestrichen wurde und somit die mögliche Gesamtanzahl im Grunde die gleiche wie vor zwanzig, dreißig, vierzig Jahren ist.

Und selbst wenn dem nicht so wäre: Sinners hat sechzehn Nominierungen ergattert und somit ZWEI mehr als All About Eve, Titanic sowie LaLa Land! Genau genommen ist der Film in praktisch jeder Kategorie nominiert, worin er nominiert werden konnte – streng genommen fehlt nur eine Erwähnung für die Beste Hauptdarstellerin – und eine solche gibt es in Sinners schlichtweg nicht.

Des Weiteren mag Sinners viele wichtige Preise gegenüber One Battle After Another verloren haben – aber er hat auch einen ganz großen gewonnen, nämlich den für das Beste Ensemble bei den Actors Awards. Hatte man dies im Vorfeld noch irgendwie erwartet, so überraschte Michael B. Jordan als Sieger in der Kategorie des Besten Hauptdarstellers – wozu ich später noch etwas mehr sagen werde.

Nun wäre es nicht das erste Mal, dass ein Film diesen Preis für das Schauspielensemble gewinnt und am Ende dann doch bei den Oscars Best Picture verliert – siehe The Help, siehe Conclave, siehe The Trial of the Chicago 7. Die anderen Gildenpreise, allen voran jene von den Regisseuren und den Produzenten, sind viel „zuverlässigere“ Vorboten eines möglichen Oscar-Sieges.

Aber mir ist bei sämtlichen Preisverleihungen, egal ob den Globes, dem Critics Choice Award, dem BAFTA oder eben dem Actor Award, etwas viel prägnanteres aufgefallen: Während jeder Sieg für One Battle After Another mit viel Respekt und Applaus begleitet wurde, tobte der Saal auch nur bei der Erwähnung von Sinners. Und als zuerst Michael B Jordan und danach des Ensemble bei den Actor Awards gewann, da kam mir bei all dem Jubel nur eines in den Sinn: „Genauso hörte sich das an, als Parasite gewann… als CODA gewann… als Everything Everywhere All At Once gewann.“ Und die danach allesamt Best Picture bei den Oscars holten.

Die Academy hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert und ist demographisch deutlich jünger, diverser und internationaler. Aber zwei wesentliche Aspekte sind gleich geblieben: Der Anteil der Schauspieler ist nach wie vor der größte unter den insgesamt etwas über 10.000 Mitgliedern. Und am Ende siegt im Grunde der Film, der genau im richtigen Moment seinen „Peak“ (zu gut Deutsch Höhepunkt) erreicht.

Statistisch gesehen wird es so oder so eine Anomalie, einfach weil beide Filme derart stark sind. Alle Oscar-Watcher sind sich auch in einem Punkt sicher: Wäre nur einer der beiden Filme im Rennen, dann wäre er der 1000%-ige Gewinner in den Kategorien Film, Regie und Drehbuch.

Was es nicht einfacher macht, ist das relativ komplizierte Wahlsystem: Demnach soll jedes Academy-Mitglied nicht einfach seinen Lieblingsfilm deklarieren sondern alle zehn in einem Ranking auflisten. Am Ende gewinnt praktisch derjenige, der im Vergleich zu allen anderen Konkurrenten am weitesten oben platziert ist – ein System, das umstrittene Filme deutlich mehr abstraft als jene, die von allen gleichermaßen gemocht werden.

So mancher argumentiert, dass allein deshalb Sinners das Nachsehen hat – denn am Ende des Tages reden wir von einer wilden Mischung aus amerikanischer Geschichte, aufwändig inszenierten Musikszenen und eben Vampiren.

Aber auf der anderen Seite vergessen viele blinde Fans von One Battle After Another, dass auch ihr Liebling einen starken Gegenwind von all jenen erhält, die den ganzen Hype dahinter nicht verstehen. Oder (so leid es mir tut) ein grundlegendes Problem mit der angeblichen Wokeness von Hollywood haben. Oder der (ebenfalls traurigen) Tatsache, dass One Battle After Another einer der ganz seltenen Best-Picture-Gewinner wäre, die an der Kinokasse zu wenig Geld im Vergleich zum erstaunlich hohen Produktionsbudget eingespielt haben.

Für mich persönlich ist es eine ähnliche Situation wie sechs Jahre zuvor mit Parasite gegen 1917. Während ich vielleicht der größte Sam-Mendes-Fan aller Zeiten bin und auch 1917 sehr stark finde, wollte ich partout nicht, dass Bong Joon-Ho und Parasite verlieren. Und nun würde ich es auf der einen Seite Paul Thomas Anderson so sehr wünschen, dass er endlich seinen vermaledeiten Oscar gewinnt – und auf der anderen Seite hat mich Ryan Coogler sowohl mit dem Drehbuch als auch der Regie von Sinners derart verzaubert, weshalb ich bei jedem Sieg für diesen Film das Haus vor Freude zusammenschreie. Auch wenn ich beispielsweise Michael B Jordan selbst gar nicht als Hauptdarsteller auszeichnen würde – ist mir egal, solange Sinners so viel erhält wie nur irgendmöglich.

Mein Herz ist also fest gesetzt… aber was sage ich nun voraus? Ganz einfach: Ich mache es exakt genauso wie damals bei Parasite versus 1917 und wähle bewusst NICHT, was ich mir wünsche. Somit werde ich letztlich entweder korrekt den Sieger vorher gesagt haben… oder mein Wunsch wird tatsächlich in Erfüllung gehen.

Langer Rede, kurzer Sinn: One Battle After Another bekommt von mir ein 50%-ige Siegchance und Sinners eine 49%-ige. Rien ne va plus, nichts geht mehr.

Frontrunner: One Battle After Another (50%)
Spoiler: Sinners (49%)

My Ranking:

01.Sinners
02.Hamnet
03.One Battle after Another
04.Train Dreams
05.Sentimental Value
06.Frankenstein
07.Marty Supreme
08.Bugonia
09.F1
10.The Secret Agent

==========
Best Director
==========

Noch nie hat ein schwarzer Regisseur oder eine schwarze Regisseurin den Oscar für die beste Regie erhalten – obwohl mit 12 Years A Slave und Moonlight bereits zwei Filme von jeweils einem schwarzen Regisseur „Best Picture“ gewonnen haben. Sollte Sinners es tatsächlich schaffen und One Battle After Another in der letzten Minute überholen, dann könnte es der dritte Film sein – denn leider hat Ryan Coogler so gut wie keine Chance in dieser Kategorie gegen Paul Thomas Anderson.

Wobei ich mich vorrangig auf die bereits von ihm gewonnenen Preise stürze, allen voran den BAFTA, den Golden Globe und den Director Guild Award. Das Argument, Paul Thomas Anderson sei überfällig und würde allein deshalb diesen Oscar gewinnen, zählt für mich nur bedingt. Weil er WIRD definitiv den Preis für das Beste Adaptierte Drehbuch erhalten und so oder so mit einer goldenen Statuette nach Hause gehen.

Ergo ist da eine winzig kleine Chance für Coogler, eben allein wegen des am Anfang von mir erwähnten Defizits: noch nie hat ein schwarzer Regisseur diesen Preis bei den Oscars gewonnen… und wird es nicht langsam mal Zeit? Aber hier spricht vielleicht auch nur mein persönliches Empfinden, das Cooglers Leistung in Sinners ganz klar über der von Paul Thomas Anderson stellt.

Frontunner: Paul Thomas Anderson (One Battle After Another) (80%)
Spoiler: Ryan Coogler (Sinners) (20%)

My Ranking:

1.Ryan Coogler (Sinners)
2.Paul Thomas Anderson (One Battle After Another)
3.Chloe Zhao (Hamnet)
4.Joachim Trier (Sentimental Value)
5.Josh Safdie (Marty Supreme)

=========
Best Actress
=========

Ja, gut, äh… wenn Jessie Buckley diesen Oscar an IRGENDWEN verlieren sollte, dann können wir alle Prognosen von sämtlichen Oscar-Fans getrost in die Tonne kippen. Einfach weil wir zwischendurch in ein anderes Universum geswitcht sind.

Ansonsten ein kurzer Kommentar über jene Darstellerin, die überraschend nicht nominiert ist: Chase Infiniti war eigentlich hier als nahezu gesetzt, im Hype rund um One Battle After Another und nachdem sie für alle anderen relevanten Preise berücksichtigt wurde. Aber ihr Fehlen ist eventuell ein weiterer, kleiner Indikator dafür, dass One Battle im Gegensatz zu Sinners dann doch kein Garant für alle Oscars dieser Welt sein könnte.

Frontrunner: Jessie Buckley (Hamnet) (100%)
Spoiler: –

My Ranking:

1.Jessie Buckley (Hamnet)
2.Rose Byrne (If I Had Legs I’d Kick You)
3.Kate Hudson (Song Sung Blue)
4.Emma Stone (Bugonia)
5.Renate Reinsve (Sentimental Value)

========
Best Actor
========

Lange Zeit galt Timothée Chalamet als unangefochtener Frontrunner für den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Schließlich hat er letztes Jahr vermutlich nur knapp gegen Adrian Brody verloren und die meisten Cineasten sehen seine Leistung in Marty Supreme als seine bisherige Glanzleistung.

Nur… warum gewinnt er dann nicht genau wie Buckley einen Preis nach dem anderen? Bei den Golden Globes und dem Critics Choice Award verlief doch noch alles nach Plan – aber danach verliert er in England den BAFTA gegen den völlig unbekannten Robert Aramayo, dessen Film I Swear noch gar nicht den USA veröffentlicht wurde und deshalb gar nicht für einen Oscar nominiert werden konnte.

Und als Nächstes stolpert Chalament bei den Actor Awards – dem eigentlich besten Vorboten für den Oscar. Stattdessen siegte hier wie bereits erwähnt Michael B. Jordan für Sinners– und der Jubel vor Ort sprach Bände.

Jeder hat es Michael B. Jordan gegönnt und gleichwohl er zuvor praktisch keinen anderen Preis ergattern konnte, wird er plötzlich von nahezu jedem Oscar-Watcher als der Frontrunner bei den Oscars bezeichnet.

Ich gehe da nicht ganz mit… denn in meinen Augen hat Chalamet den Actor Award deshalb „überraschend“ verloren, weil er den gleichen Preis im Jahr zuvor „überraschend“ gewonnen hat.

Ein weiteres Argument der Pro-Jordan-Argumentation: Chalamets Auftreten sei alles andere als Academy-freundlich. Er sei zu überheblich, zu siegessicher und nicht zuletzt auch noch zu jung für einen Oscar als Bester Hauptdarsteller. Hier könnte in der Tat etwas dran sein, aber dann müssten sich alle Chalamet-Gegner gesammelt hinter einen anderen Kandidaten stellen – und ob das wirklich für Michael B. Jordan reicht, der wie gesagt keinen anderen relevanten Preis zuvor gewonnen hat?

Ich weiß nicht… zudem mit Wagner Moura für The Secret Agent noch ein echtes Dark Horse im Rennen ist, das für den Actor Award gar nicht erst nominiert gewesen ist und sich dafür bei den Golden Globes durchsetzte.

All dieses hin und her zusammengenommen bleibe ich bei Timothée Chalamet… gleichwohl mit Bauchschmerzen. Aber am Ende des Tages ist seine Rolle derart dominant und seine Leistung entscheidend für den Erfolg von Marty Supreme gewesen. Zudem Chalamet sichtlich viel dafür gearbeitet hat und ich ihm den Oscar allein für seine sensationell gut aussehende Tischtennis-Manövers geben würde.

Frontrunner: Timothée Chalamet (Marty Supreme) (40%)
Spoiler: Michael B. Jordan (Sinners) (30%)

My Ranking:

1.Timothée Chalamet (Marty Supreme)
2.Leonardo DiCaprio (One Battle After Another)
3.Ethan Hawke (Blue Moon)
4.Michael B. Jordan (Sinners)
5.Wagner Moura (The Secret Agent)
==================
Best Supporting Actress
==================

Dieses Rennen ist so aus dem Ruder gelaufen, weshalb ich mir sicher bin: Sollte ich irgendwo falsch tippen, dann hier.

Also: Rein auf dem Papier hat Amy Madigon für Weapons die besten Karten. Sie hat den Critics Choice Award und vor allem den Actor Award gewonnen. Zudem ist sie eine ältere Veteranin, die noch nie einen Oscar erhalten hat. Ihre Rolle in Weapons wird ganz klar am meisten in Erinnerung bleiben – nur leider ist es eine Rolle für einen Horrorfilm und zudem die einzige Nominierung, die der Film erhalten hat.

Selbst der Filmklassiker Rosemary’s Baby, wofür die legendäre Ruth Gordon einen Oscar erhielt, war zumindest noch für das Beste Drehbuch nominiert. Und, zudem, Amy Madigan in allen Ehren: Sie ist KEINE Ruth Gordon.

Auf der anderen Seite hat Madigans versammelte Konkurrenz jeweils einen dicken Pferdefuß am Bein:

– Teyana Taylor verschwindet nach gut einer halben Stunde und ward abseits eines Monologs aus dem Off nicht mehr gesehen oder gehört.
– Inga Ibsdotter Lilleaas und Elle Fanning spielen im selben Film mit und könnten sich gegenseitig die Simmen wegnehmen. Und während Lilleaas von den meisten Cineasten als bessere Schauspielerin bezeichnet wird, ist Fanning deutlich bekannter unter ihren Kollegen.
– Bleibt noch Wunmi Mosaku, die immerhin den BAFTA als Beste Nebendarstellerin ergattert hat. Vielleicht nur deshalb, weil sie selbst Britin ist – aber ihre Rolle ist alles andere als typisch britisch oder auch nur europäisch. Ihr Pferdefuß ist eher, dass sie eine durchweg gute Leistung vollbringt, ohne jedoch mit einer besonderen Highlight-Szene zu glänzen, die allen im Gedächtnis bleibt.

Am Ende tippe ich trotzdem knapp auf Mosaku, weil Sinners bei den Schauspielern doch sehr beliebt ist und sie sich wie der beste gemeinsame Nenner anfühlt. Aber hoffen tue ich in diesem speziellen Fall auf Amy Madigan – nicht zuletzt, weil ihr Film Weapons in meinen Augen zu Unrecht keine weitere Oscar-Nominierung erhalten hat.

Frontrunner: Wunmi Mosaku (Sinners) (30%)
Spoiler: Amy Madigan (Weapons) (25%)

My Ranking:

1.Amy Madigan (Weapons)
2.Teyana Taylor (One Battle After Another)
3.Inga Ibsdotter Lilleaas (Sentimental Value)
4.Wunmi Mosaku (Sinners)
5.Elle Fanning (Sentimental Value)

================
Best Supporting Actor
================

Als ich Sean Penn in One Battle After Another gesehen habe, da dachte ich mir: Der gewinnt hier seinen dritten Oscar. Punkt. Denn seine Rolle reiht sich ein in die anderer Bösewichter-Sieger wie Javier Bardem für No Country for Old Men, Christoph Waltz für Inglourious Basterds oder Heath Ledger für The Dark Knight.

Aber dann hat Sean Penn erstmal nichts gewonnen – sprich: Er ging sowohl bei den Golden Globes als auch dem Critics Choice Award leer aus, während sein Kollege Benicio Del Toro erstaunlich viele Kritikerpreise sammelte. Es sah demnach aus, als ob ich mit meinem ursprünglichen Instinkt Unrecht gehabt hätte – und plötzlich, zack-zack, heimst Penn im Doppelpack den BAFTA und den Actor Award sein. Was umso wichtiger ist, weil das genau die beiden Preise sind, in denen es bei den Wählern eine Schnittmenge mit der Academy und somit den Oscars gibt.

Was gegen Penn spricht: Es wäre eben sein dritter Oscar – und gleichwohl diese Barriere in letzter Zeit doch erstaunlich viele Schauspieler geknackt haben (siehe Daniel Day-Lewis, siehe Frances McDormand, siehe Meryl Streep), so ist Penn nicht gerade der Beliebteste unter seiner Zunft. Den BAFTA könnte er deshalb gewonnen haben, weil das dort sein erster Preis auf britischem Territorium gewesen ist. Seine Abwesenheit bei all den Preisverleihungen rückt ihn auch nicht gerade in ein gutes Licht und am Endes des Tages wird es ihm auch am meisten egal sein, ob er gewinnt oder nicht.

Die Frage wäre nur: Wer gewinnt dann? Und ja, ich tippe als Spoiler auf einen Außenseitersieg für Delroy Lindo für Sinners. Seine Nominierung war eine enorm positive Überraschung, die sehr groß und sehr stark gefeiert wurde – speziell nachdem er überall sonst übergangen wurde.

Und vergesst mir nicht Stellan Skarsgard, der eigentlich das Narrativ des „überfällig für einen Oscar“ intus haben müsste. Nur… warum hat er dann nur den Golden Globe gewonnen und ansonsten nichts weiter?

Frontrunner: Sean Penn (One Battle After Another) (40%)
Spoiler: Delroy Lindo (Sinners) (25%)

My Ranking:

1.Sean Penn (One Battle After Another)
2.Stellan Skarsgard (Sentimental Value)
3.Delroy Lindo (Sinners)
4.Jacob Elordi (Frankenstein)
5.Benicio Del Toro (One Battle After Another)

==================
Best Original Screenplay
==================

Egal wie das Best-Picture-Rennen ausgehen wird: Ryan Coogler wird nicht leer ausgehen. Er wird in jedem Fall diesen Drehbuch-Preis bekommen. Obwohl Sentimental Value, Marty Supreme und It Was Just an Accident nicht zu verachten sind, so ist dies hier die sicherste Chance, dass Coogler am Ende mehr ist als einfach nur ein Academy-Award-Nominee.

Frontrunner: Sinners (100%)
Spoiler: –

My Ranking:

1.Sinners
2.Marty Supreme
3.Sentimental Value
4.It Was Just an Accident
5.Blue Moon

==================
Best Adapted Screenplay
==================

Siehe Originaldrehbuch: Der Oscar für das Beste Adaptierte Drehbuch ist Paul Thomas Anderson nicht zu nehmen. Somit sollten sowohl er als auch Coogler gemeinsam als Gewinner vom Platz gehen. Die Frage ist nur: Wer bekommt darüber hinaus wie viele Oscars?

Frontrunner: One Battle After Another (100%)
Spoiler: –

My Ranking:

1.One Battle After Another
2.Hamnet
3.Train Dreams
4.Bugonia
5.Frankenstein

=============
Best Film Editing
=============

Kurz sah es danach aus, als ob F1 aufgrund seines Genres mit dem Besten Filmschnitt nach Hause geht. Aber zum Glück (!) haben die Gilden anders entschieden und lieber One Battle After Another (als Bester Filmschnitt für eine Komödie) und Sinners (als Bester Filmschnitt für ein Drama) prämiert.

Am Ende des Tages verdient One Battle diesen Oscar, zum einen weil der Film hervorragend sämtliche Zeitsprünge managt, zum zweiten trotz seiner Länge von über 2 ½ Stunden sich nirgends lang oder zäh gezogen anfühlt und zum dritten die abschließende Verfolgungsjagd nicht zuletzt aufgrund des Schnitts so gut funktioniert.

Sollte jedoch die Begeisterung bezüglich Sinners überhand nehmen, dann könnte es zu einer Überraschung kommen – ähnlich wie im Jahr zuvor mit Anora.

Frontrunner: One Battle After Another (80%)
Spoiler: Sinners (10%)

My Ranking:

1.One Battle After Another
2.F1
3.Sinners
4.Sentimental Value
5.Marty Superme

=========
Best Casting
=========

Zum ersten Mal gibt es einen Oscar für das Beste Casting und irgendwie sind sich alle einig, dass als erstes Sinners davon profitieren wird. Denn während One Battle After Another mehr große Hollywood-Stars vereint und die eher kleinen Rollen in den Hintergrund geraten, so fühlt sich das Ensemble von Sinners runder und kompletter an. Zudem ist das Casting von Miles Caton als Sammie Moore ein echter Glücksgriff.

Frontrunner: Sinners (70%)
Spoiler: One Battle After Another (30%)

My Ranking:

1.Sinners
2.One Battle after Another
3.Marty Supreme
4.Secret Agent, The
5.Hamnet

================
Best Cinematography
================

Hier schwimme ich bewusst gegen den Strom, nachdem One Battle After Another fast alle wichtigen Kamera-Preise gewonnen hat und somit der klare Frontrunner sein müsste. Jedoch ist die Academy weniger ein Fan von solch cleveren Kamera-Führung und mag mehr tolle, bunte Bilder – weshalb in der Vergangenheit beispielsweise Pan’s Labyrinth vor Children of Men, Hugo vor The Tree of Life oder La La Land vor Lion gewann.

Die Kamera in One Battle After Another ist sehr stark und besonders in der Verfolgungsjagd regelrecht innovativ eingesetzt. Aber auf der anderen Seite steht die beeindruckende Kulisse von Sinners, gepaart mit dem stetigen Wechsel des Bildformats.

Zum Schluss wäre ein Sieg für Sinners ein echtes Novum, weil der Oscar erstmals an eine Frau ginge. Allerdings befürchte ich, dass dieser Fakt kaum bekannt ist. Schließlich stehen auf dem Wahlzettel bei den meistern Kategorien nur der Filmname und nicht der/die Verantwortliche mit Namen – weshalb viele Academy-Mitglieder gar nicht wissen, dass die Sinners einer Kamerafrau hat.

Frontrunner: Sinners (40%)
Spoiler: One Battle After Another (35%)

My Ranking:

1.Sinners
2.Train Dreams
3.One Battle after Another
4.Frankenstein
5.Marty Supreme

=============
Best Production Design
=============

Merke: Ist ein Film von Guillermo del Toro im Rennen für mehrere Oscars, dann ist ihm der Preis für das Beste Produktionsdesign nicht zu nehmen. Das gilt freilich auch für das verboten schöne Frankenstein, gleichwohl auch hier Sinners oder gar Marty Supreme aufgrund seiner toll in Szene gestellten Sporthallen glänzen.

Frontrunner: Frankenstein (90%)
Spoiler: Sinners (5%)

My Ranking:

1.Frankenstein
2.Sinners
3.Marty Supreme
4.Hamnet
5.One Battle After Another

================
Best Costume Design
================

Ein weiterer Oscar für Frankenstein, aber kein absolut sicherer. Schließlich ist die Kostümdesignerin von Sinners beileibe keine Unbekannte und konnte bereits für zwei Filme von Ryan Coogler gewinnen, nämlich für die beiden Black-Panther-Teile.

Frontrunner: Frankenstein (80%)
Spoiler: Sinners (15%)

My Ranking:

1.Sinners
2.Hamnet
3.Frankenstein
4.Marty Supreme
5.Avatar: Fire and Ash

=====================
Best Makeup and Hairstyling
=====================

Dieser Oscar ist wiederum fest in Frankensteins Händen – alleine für das Makeup von Frankensteins Monster, das sich stark von allen vorhergehenden Verfilmungen unterscheidet und die Kunst einer Kreatur schafft, die gleichzeitig entstellt und schön wirkt.

Ansonsten haben die Makeup-Künstler unter der Academy eine sehr originelle Auswahl getroffen und drei Filme nominiert, die ansonsten komplett unberücksichtigt gewesen wären. Und ich besonders für die Erwähnung von The Ugly Stepsister dankbar bin.

Frontrunner: Frankenstein (90%)
Spoiler: The Smashing Machine (5%)

My Ranking:

1.Frankenstein
2.The Ugly Stepsister
3.The Smashing Machine
4.Sinners
5.Kokuho

==============
Best Original Score
==============

So langsam wird die Dominanz von Ludwig Göransson unheimlich, aber was soll man denn sonst machen, wenn der Junge sich dreimal innerhalb von acht Jahren derart steigert und übertrifft? Der Schwede sollte jedenfalls nach Black Panther und Oppenheimer hier locker seinen dritten Oscar einstreichen.

Minimale Außenseiterchancen sehe ich nur bei Max Richters Hamnet – einfach um ihn im Nachhinein für das fantastische On The Nature of Daylight zu ehren, das natürlich auch in Chloe Zhaos emotionalem Meisterwerk zum Einsatz kommt.

Frontrunner: Sinners (80%)
Spoiler: Hamnet (15%)

My Ranking:

1.Sinners
2.Hamnet
3.One Battle after Another
4.Frankenstein
5.Bugonia

==============
Best Original Song
==============

Mark my words: Wenn dieser Preis weder an Golden noch I Lied To You geht, dann schalte ich ab. Beide Songs stehen mit einem himmelweitem Abstand über den drei anderen – gleichwohl das auf Klassik getrimmte Sweet Dreams of Joy viel Stil hat und überraschend gut funktioniert.

Unter normalen Umständen sollte der Oscar an Golden gehen, schlichtweg weil der Song ähnlich phänomenal sowie kultig ist wie Let It Go aus Frozen. Für I Lied To You spricht wiederum, dass dieser Song der zentrale Angelpunkt der besten Szene des ganzen Filmes ist. Allerdings funktioniert diese mehr aufgrund von Ryan Cooglers abartig mutiger Regie und weniger wegen der Qualität des Songs an sich.

Frontrunner: Golden (KPop Demon Hunters) (60%)
Spoiler: I Lied To You (Sinners) (40%)

My Ranking:

1.Golden (KPop Demon Hunters)
2.I Lied To You (Sinners)
3.Sweet Dreams Of Joy (Viva Verdi!)
4.Train Dreams (Train Dreams)
5.Dear Me (Diane Warren: Relentless)

========
Best Sound
========

Joseph Kosinskis letzter Film, nämlich Top Gun Maverick, gewann vor drei Jahren nur den Oscar für den Besten Sound – und weil F1 von einem ähnlichen Kaliber ist plus herrlich laute Motorensounds hervorzaubert, sollte es erneut klappen.

Aber passt auf Sirât auf: Ähnlich wie The Zone of Interest könnte der Film in dieser Kategorie allein deshalb gewinnen, weil bereits die Nominierung dieses fremdsprachige Underdogs für großes Hallo und viel Zuspruch sorgte.

Frontrunner: F1 (70%)
Spoiler: Sirât (20%)

My Ranking:

1.F1
2.Sirât
3.Sinners
4.One Battle after Another
5.Frankenstein

==============
Best Visual Effects
==============

Avatar: Fire and Ash wurde fast komplett von der Academy ignoriert – und trotzdem verdient der Film den Oscar für die besten Visuellen Effekte. Denn auch wenn so mancher inzwischen von der Story genervt ist: Fire and Ash zeigt mir erneut Bilder, die ich nie zuvor gesehen habe.

Minimale Außenseiterchancen gebe ich Sinners und F1, weil es noch nicht allzu lange her ist, dass in dieser Kategorie stets einer der Best-Picture-Kandidaten gewinnt. Also sofern überhaupt einer nominiert ist, versteht sich. Eine Regel, die eiskalt vor zehn gebrochen wurde und als mit Ex Machina der mit Abstand unwahrscheinlichste Sieger gegenüber solch Kalibern wie The Revenant, Mad Max Fury Road, The Martian oder Star Wars The Force Awakens gekürt wurde.

Frontrunner: Avatar: Fire and Ash (95%)
Spoiler: Sinners (5%)

My Ranking:

1.Avatar: Fire and Ash
2.The Lost Bus
3.Sinners
4.F1
5.Jurassic World Rebirth

===================
Best International Feature
===================

Früher gab es eine einfache Regel: Wenn einer der Kandidaten für „Best International Feature“ auch als „Best Picture“ nominiert ist, dann gewinnt er in jedem Fall diesen Oscar hier. Die einzige Ausnahme dieser Regel ist bislang Emilia Perez – und das obwohl der Film satte dreizehn Oscar-Nominierungen erhielt und zwischenzeitlich sogar als möglicher „Best-Picture“-Gewinner gehandelt wurde. Doch dann folgte ein beispielloser Backlash und eine der größten „Hate“-Kampagnen, die ich je bezüglich eines Oscar-Films gesehen habe.

In meinen Augen übrigens nicht ganz zu Unrecht, denn bis heute ist es für mich ein Rätsel, woher diese ursprüngliche „Liebe“ für Emilia Perez überhaupt rührte. Etwas was ich nur sehr selten über die Oscars sage.

Nun gab es noch einen weiteren Grund, warum Jacques Audiards umstrittenes Musical verloren hat: Erstmals überhaupt in der Geschichte der Academy Awards waren ZWEI Filme sowohl in der Kategorie „Best Picture“ als auch „Best International Feature“ nominiert. Ergo war es von vorneherein klar, dass die zu Anfangs erwähnte Regel gebrochen werden würde – und in der Tat siegte am Ende der andere Film, namentlich I’m Still Here.

Dieses Jahr scheint sich das Szenario zu wiederholen, denn erneut sind mit Sentimental Value und The Secret Agent gleich zwei Filme in eben diesen beiden Kategorien nominiert. Und während Sentimental Value mit neun Oscar-Nominierung deutlich besser dasteht, lauert wieder, genau wie im letzten Jahr, mit The Secret Agent ein Underdog aus Brasilien im Hintergrund. Der zudem bereits den Golden Globe und den Critics Choice Award als bester internationaler Film gewinnen konnte.

Trotzdem tippe ich diesmal auf den Film aus Norwegen und zwar aus drei Gründen. Zum einen hat Sentimental Value überraschend viele Oscar-Nominierungen und dies auch in Kategorien erhalten, in denen man es nicht erwartet hätte (allen voran vier Schauspieler-Preise, Beste Regie und Bester Filmschnitt). Zum zweiten leidet der Film von Joachim Trier bei weitem nicht unter dem gleichen Backlash wie Emilia Perez und eine ähnliche Hate-Kampagne ist nirgends in Sicht.

Zu guter Letzt wäre da die Thematik, denn Sentimental Value dreht sich rund um einen alternden Regisseur und sein zerrüttetes Verhältnis zu seinen beiden Töchtern – von denen eine sich mal als Schauspielerin versuchte und letztlich lieber eine Familie gründete und die andere mit Panikattacken auf der Theaterbühne zu kämpfen hat. All das sind Themen, mit denen Academy-Mitglieder viel stärker fühlen und sich damit assoziieren können.

Zu den anderen drei nominierten Filmen: Während das mutige Sirât und das großartig gedrehte The Voice of Hind Rajab einfach glücklich sein dürfen, mit dabei sein zu dürfen, hat It Was Just an Accident starke Außenseiterchancen auf den Oscar. Der Film stammt von einem iranischen Regisseur namens Jafar Panahi, der regelmäßig Regime-kritische Filme dreht und dafür mehrfach zu hohen Haftstraften verurteilt wurde.

Aus dem Grund ist sein neuestes Werk auch von einem der europäischen Vertriebe, genauer gesagt einem französischen, eingereicht worden. Und wenn die Academy ein Zeichen bezüglich des aktuellen Iran-Kriegs setzen möchte UND gleichzeitig Sentimental Value sowie The Secret Agent sich gegenseitig die Stimmen weg nehmen… nun… dann könnte es in dieser Kategorie zu einer kleinen Sensation kommen.

Frontrunner: Sentimental Value (Norwegen) (50%)
Spoiler: The Secret Agent (Brasilien) (45%)

My Ranking:

1.The Voice of Hind Rajab (Tunesien)
2.Sentimental Value (Norwegen)
3.It Was Just an Accident (Frankreich)
4.The Secret Agent (Brasilien)
5.Sirât (Spanien)

=================
Best Animated Feature
=================

Normalerweise sollte man nie gegen Disney oder Pixar wetten, aber in diesem Fall ist der Hype rund um Kpop Demon Hunters einfach nicht zu ignorieren. Zudem der noch größte Konkurrent in Form von Zootopia 2 das Makel der Fortsetzung bei sich trägt – und in der Kategorie Best Animated Feature ist dies gleichbedeutend mit einem Todesurteil, sofern du nicht Toy Story heißt…

Frontrunner: Kpop Demon Hunters (90%)
Spoiler: Zootopia 2 (10%)

My Ranking:

1.KPop Demon Hunters
2.Zootopia 2
3.Little Amélie or the Character of Rain
4.Arco
5.Elio

===================
Best Documentary Feature
===================

Fünf wirklich gute Dokumentationen, die allesamt andere Themen behandeln und auf sehr unterschiedliche Arten präsentieren – ein Garant für ein spannendes Rennen?

Nun, nicht wirklich – denn The Perfect Neighbor hat aufgrund seines fantastischen Schnitts und seiner brisanten Thematik, die besonders den aktuellen Zeitgeist der Amerikaner trifft, klar die Nase vorne. Es ist eine dieser Dokus, die in ihrer Machart als Spielfilm durchgehen könnten – also komplett ohne Erzähler auskommen und einzig die vor Ort aufgezeichneten Kameraaufnahmen sprechen lassen. So wird der nach wie vor herrschende Rassismus am besten entlarvt, der in diesem Falle zum Tode einer schwarzen Mutter führte und nur weil eine weiße Frau sich aufgrund ihrer paranoiden Vorurteile zu Unrecht bedroht gefühlt hat.

Persönlich würde ich es jedoch mehr The Alabama Solution gönnen, einer Ansammlung von Handy-Aufzeichnungen eines völlig verwahrlosten Gefängnisses inmitten von Alabama – und das in der Tat Zustande aufdeckt, die ich in der Größenordnung nicht erwartet hätte.

Oder wie wäre es mit dem cleveren Ein Nobody gegen Putin, wo ein russischer Lehrer zu Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs seinen Lehrplan umschmeisen und Propaganda-Videos für die russische Bevökerung drehen soll? Weil er darauf keine Lust hat, macht er Gute Miene zum Bösen Spiel – und ist mitsamt den Aufzeichnungen aus seiner Heimat geflohen, um gemeinsam mit David Borenstein einen Dokumentarfilm über die manipulativen Machenschaften der russischen Regierung zu schneiden.

Cutting through Rocks schildert den Sexismus im IRan, nachdem erstmals eine Frau als Stadträtin gewählt wurde – und der Widerstand gegen sie derart stark ansteigt, dass man sie beinahe zu einer Geschlechtsumwandlung zwingt. Weil es könne ja nicht sein, dass eine Frau derartige politische Macht und Ansichten vertritt.

Und Come See Me in the Good Light ist ein sehr persönlicher Film über einen verstorbenen, nonbinären Aktivisten und Poeten. Auf sehr emotionale Weise wird das letzte Lebensjahr von Andrea Gibson gezeigt, die Beziehung zu Megan Falley und einem allerletzten Auftritt. Für mich das Schlusslicht der fünf Dokumentarfilme – aber auch nur, weil die anderen vier Filme in meinen Augen weitreichendere Themen abdecken.

Frontrunner: The Perfect Neighbor (60%)
Spoiler: Ein Nobody gegen Putin (Mr. Nobody mod Putin) (35%)

My Ranking:

1.Alabama Solution, The
2.Ein Nobody gegen Putin (Mr. Nobody mod Putin)
3.Perfect Neighbor, The
4.Cutting through Rocks
5.Come See Me in the Good Light

==================
Best Documentary Short
==================

Das Erraten der Kurzfilm-Sieger ist eine der schwierigsten Aufgaben eines jeden Oscar-Watchers – und persönlich ist es auch immer etwas schwierig, deren Stärken herauszufiltern. Letztlich sind alle drei Kategorien eher als Sprungbretter für Filmschaffende zu verstehen, die bei Erfolg eine bessere Chance für ein Werk in Spielfilmlänge erhalten.

Dieses Jahr ist es ein wenig anders – und der Grund dafür lautet All the Empty Rooms. Dem ersten Kurzfilm überhaupt, bei dem ich ernsthaft in Erwägung gezogen habe, ihn auf Platz 1 meiner Liste ALLER Oscar-nominierten Filme des Jahres zu setzen.

Ihr könnt ihn euch auf Netflix anschauen, aber seid gewarnt: Er wird euch zerstören. Es geht um den Journalisten Steve Hartman und einen Fotografen Lou Bopp, die Familien von Opfern eines Amoklaufs besuchen – genau genommen von Schulmassakern. Jede Familie hat das Kinderzimmer ihres getöteten Kindes unberührt gelassen – und Hartman sowie Bopp machen nichts anderes, als dies zu dokumentieren und eine Bildcollage zu erstellen.

Darüber hinaus wird kurz mit den Eltern geredet, aber das hätte es fast schon nicht gebraucht. Die Idee und die Ausführung sind bereits für sich betrachtet fabelhaft und niederschmetternd zugleich. Und es ist die beste Würdigung, die man diesen armen, kleinen Menschen im Nachhinein noch zusprechen kann.

Ich werde jedenfalls sehr frustriert sein, wenn einer der anderen Kurzdokumentarfilme gewinnen sollte. Außenseiterchancen wird Armed Only with a Camera: The Life and Death of Brent Renaud zugesprochen, weil hier ein im Krieg verstorbener Fotograf gewürdigt sowie seine letzten Arbeiten gezeigt werden.

The Devil is Busy behandelt den Alltag einer Abtreibungsklinik und wie die Sicherheitsbeamten mit der Wut und der Aggression der Protestanten konfrontiert werden. Children No More: Were and Are Gone dokumentiert den stillen Protest von Menschen im Gazastreifen, die sich regelmäßig mit den Plakaten von im Krieg getöteten Kindern versammeln.

Und Perfectly a Strangeness? Nun… da geht es um drei Esel, die durch die Wüste marschieren und auf ein verlassenes Observatorium stoßen. Ohne Worte, ohne Story, ohne Hintergrund. Einfach nur seltsam.

Frontrunner: All the Empty Rooms (70%)
Spoiler: Armed Only with a Camera: The Life and Death of Brent Renaud (20%)

My Ranking:

1.All the Empty Rooms
2.Devil Is Busy, The
3.Armed Only with a Camera: The Life and Death of Brent Renaud
4.Children No More: Were and Are Gone
5.Perfectly a Strangeness

===============
Best Animated Short
===============

Während die Kurzdokumentarfilme allesamt sehr stark (oder zumindest sehr seltsam) sind, haben mich die animierten Kurzfilme eher enttäuscht. Vor allem verstehe ich nicht, wieso das fantastisch-liebenswerte Snow Bear übergangen und durch das ebenfalls süße, aber doch deutlich generischere Forevergreen ersetzt wurde.

Es spricht jedenfalls Bände, dass Forevergreen trotz meiner Vorbehalte meine Nummer 1 unter den fünf nominierten Filmen ist. Knapp dahinter lauert mit The Three Sisters der lustigste Beitrag, in dem drei auf einer einsamen Insel lebende Schwester einen gestrandeten Mann bei sich aufnehmen, der nacheinander den Damen den Kopf verdreht und am Ende als der Hallodri enttarnt wird, der er in Wahrheit ist.

The Girl Who Cried Pearls ist aufgrund der Stop-Motion-Technologie der aufwändigste Beitrag, der mich irgendwie verwirrt dastehen lässt. Denn je nach Tageslaune empfinde ich die Optik des Filmes als wunderschön oder als absolut grässlich. Das gleiche gilt für die Geschichte, die spannend anfängt und am Ende ins Nichts verläuft.

Retirement Plan lebt von seiner Idee und der einfachen wie effektiven Darstellung eines frisch gebackenen Rentners, der in den Plänen seines Lebensabends versinkt und am Ende etwas augenzwinkernd suggeriert, dass er wohl nicht alles davon umsetzen kann – aber Hauptsache als Geist seine Rivalin aus der sechsten Klasse erschrecken wird.

Und dazwischen hockt Butterfly, ein Biopic eines französisch-jüdischen Schwimmers, der zur Zeit des Holocaust lebte und seine Familie verlor. Allein die Thematik schreit gerade nach „Oscar Win“ und gleichwohl mir persönlich der Zeichenstil nicht sehr zusagt, so verstehe ich, warum viele den Film als wunderschön und tragisch zugleich sehen.

Es gibt nur ein Argument, das gegen einen Sieg von Butterfly spricht – und zwar eine in meinen Augen sehr seltsame, statistische Anomalie. Es wäre nämlich der erste Animierte Kurzfilm seit fast 40 Jahren, der mit nicht englischen Dialogen (oder in diesem Falle Monologen) auskommt. Und selbst diese eine letzte Ausnahme namens Der Mann, der Bäume pflanzte wurde nachträglich ins Englische synchronisiert.

Aber ganz ehrlich? Solche Statistiken schreien geradezu danach gebrochen zu werden. Und wenn die Academy es vor fünf sechs Jahren endlich geschafft hat, einen nicht-englisch-sprachigen Film als Best Picture zu küren… warum dann nicht auch endlich mal einen animierten Kurzfilm?

Frontrunner: Butterfly (35%)
Spoiler: Forevergreen (20%)

My Ranking:

1.Forevergreen
2.The Three Sisters
3.Butterfly
4.Girl Who Cried Pearls, The
5.Retirement Plan

=================
Best Live Action Short
=================

Die letzte Kategorie ist für mich die undurchsichtigste – erstens weil das Erraten des Kurzfilm-Siegers immer problematisch ist und zweitens Machart als auch Inhalt der fünf Kandidaten völlig unterschiedlich sind.

Mein persönlicher Favorit ist Jane Austen’s Period Drama: eine herrlich alberne Parodie rund um die kitschig-romantischen Romane von Jane Austen. Nur mit dem Twist, dass die Angebetete just in dem Moment, als ihr ersehnter Liebhaber ihr einen Antrag machen möchte, ihre Periode bekommt.

So mancher argumentiert, dass der Film eher einem Saturday-Night-Live-Sketch gleichen würde. Ich halte dagegen und behaupte, dass Jane Austen den Film sicherlich gefeiert hätte.

Auf Platz 2 steht der Film, der von vielen als Sieger getippt wird: Two People Exchanging Saliva. In einer Dystopie, in der Küssen streng verboten und mit einem harschen Tod bestraft wird, verlieben sich zwei Frauen ineinander und träumen von einer Liebe, die nicht sein darf.

In einem Punkt verstehe ich, warum Two People Exchanging Saliva als vermeintlicher Frontrunner für den Oscar gehandelt wird: Er fühlt sich wie die Kurzfassung eines Filmes an, von dem man am liebsten eine Langspielfassung sehen möchte. Er ist handwerklich wie produktionstechnisch der klar stärkste Beitrag, allen voran was Regie, Kamera und Schnitt anbelangt. Aber die doch sehr düstere und auch zynische Prämisse könnte all jene abschrecken, die leichte Kost bevorzugen… was bei der Academy nicht unüblich ist.

Das spielt wiederum A Friend of Dorothy in die Karten: In einer stereotypischen „junger Mann freundet sich mit alter Frau an“ Story lernt der junge JJ die Witwe Dorothy kennen und ist fasziniert von ihrer Sammlung voller Theaterstücke. Trotz der kurzen Laufzeit schafft es der Film, eine solide Entwicklung zwischen den beiden zu zeigen und mehrere relevanten Aspekte beider Leben anzuschneiden.

Das größte Problem von A Friend of Dorothy: Der Film ist Nullkommanull innovativ und fühlt sich wie eine von vielen britischen Komödien der Neuzeit an. Der größte Pluspunkt, den so gut wie kein Oscar-Watcher auf den Schirm hat: Die alte Frau wird von Miriam Margolyes gespielt, die wiederum zu den eigenwilligsten und witzigsten Frauen England gehört. Jeder, der eines ihrer Interviews in der Graham Norton Show gesehen hat, weiß, wie liebenswert sie ist. Und das ist für mich zusammen mit dem leichtfüßigen Tonfall und wohlig-kuscheligen Happy-End der Grund, weshalb ich auf A Friend of Dorothy als Sieger tippe.

Kurz noch ein paar Worte zu den anderen beiden Kurzfilmen: Butcher’s Stain erzählt eine etwas plumpe Geschichte eines palästinensischen Metzgers, der in einem isrealischen Supermarkt arbeitet und verdächtigt wird, jeden Tag ein Plakat mit vermissten israelischen Geiseln von der Wand zu reißen. Während die Thematik im Grunde brisant und wichtig ist, riecht ihr die Pointe meilenweit gegen den Wind – und wollt am liebsten alle Beteiligten anschreien, weil das eigentliche Drama komplett verhindert werden könnte, wenn man nur miteinander reden würde.

Und The Singers? Nun… den Film könnt ihr euch auf Netflix anschauen und um ehrlich zu sein ist er für mich am schwersten einzuschätzen. Denn im Grunde wird hier nicht wirklich etwas erzählt. Der Kurzfilm zeigt eine Kneipe, in der nacheinander die verschiedensten Männer anfangen zu singen und sich gegenseitig mit ihrer Stimme konkurrieren. Das Ergebnis ist irgendwie belanglos, aber auch sympathisch. Und gleichzeitig abgedroschen wie originell. Es wäre jedenfalls nicht der erste „Out-of-the-Box“-Gewinner in dieser Kategorie.

Frontrunner: A Friend of Dorothy (30%)
Spoiler: Two People Exchanging Saliva (25%)

My Ranking:

1.Jane Austen’s Period Drama
2.Two People Exchanging Saliva
3.The Singers
4.A Friend of Dorothy
5.Butcher’s Stain

Damit sind wir durch und sämtliche Oscar-Kategorien abgehakt. Zum Abschluss habe ich, wie jedes Jahr, alle nominierten Filme in einer Rangliste eingereiht und mache dabei bewusst keinen Unterschied zwischen Spielfilmen, Dokumentarfilmen oder Kurzfilmen. Natürlich ist so eine Liste immer mit etwas Vorsicht zu genießen und kann sich im Laufe der Zeit etwas ändern – aber nichtsdestotrotz folgen zum Abschluss alle Filme, so wie ich sie persönlich von Platz 50 bis Platz 1 sehe: