Oscar-Siegtippschein 2018/19

Heute Abend ist es wieder soweit… und diesmal weiß wirklich niemand, was bei der Oscar-Verleihung 2019 am Ende passieren wird.

Bester Film

Was für ein Clusterfuck: Seitdem ich die Oscars live verfolge, gab es kein derart zerfasertes Feld. Nicht nur, dass es keinen sicheren Sieger gibt: Die Filmwelt streitet sich gar vehement, ob 2018 ein gutes oder ein schlechtes Oscar-Jahr gewesen sei.

Für mich persönlich war es ein grandioses: Ich würde allen ernstes sieben von acht Filmen den Best-Picture-Oscar gönnen. Und selbst Schlusslicht Bohemian Rhapsody kann ich irgendwie etwas abgewonnen, auch wenn das mehr mit der Musik als mit dem Kinowerk zu tun hat.

Um zu analysieren, wer gewinnt, muss ich noch einmal das Wahlprozedere aufrollen:

Jedes Academy-Mitglied gibt eine Rangliste ab, in der er alle acht Filme aufführen darf.
Die Stimmzettel werden nach den Erstplatzierungen sortiert. Sollte bereits jetzt einer die Hälfte aller Punkte einheimsen, dann ist er der Sieger – was in diesem Jahr wohl nicht passieren dürfte.
Der Film, der die wenigsten Erststimmen abbekommen hat, ist raus. Dafür werden die Stimmzettel den jeweiligen Zweitplatzierten zugeordnet.
Nun wiederholt sich der gesamte Vorgang: Hat ein Film mehr als die Hälfte aller Stimmzettel, dann hat er gewonnen. Ist dem nicht der Fall, dann wird der neue Letztplatzierte eliminiert und auf den zugehörigen Stimmzettel kommt der dritte Platz zum Zuge. Sollte dort ein bereits ausgeschiedener Film stehen, dann ist der vierte Platz an der Reihe.
Und so weiter und so fort…

Langer Rede, kurzer Sinn: Es gewinnt der Film, der im Vergleich zu allen anderen Film am höchsten platziert ist.


Wobei das auch nicht ganz korrekt ist, denn die Rangreihenfolge wird schließlich von einem schwierig zu kalkulierenden Faktor beeinflusst: Welche Filme fliegen zuerst raus? Und welche anderen profitieren davon?

Ein sicherer Tipp ist unmöglich. Deshalb gibt es dieses Jahr zwei Ranglisten: meine persönliche und meine Vermutung, welcher Film von unten nach oben gesehen die besten Chancen hat.

Von den acht Filmen gibt es nur einen (!) dem ich absolut gar keine Chancen einrechne: VICE. Kein anderer ist derart umstritten und hat gleichzeitig keinen einzigen Best-Picture-relevanten Preis im Vorfeld gewonnen.



Danach sehe ich schwarz für A Star is Born, schlicht weil es kaum Liebe für diesen Film gibt. Er mag auf vielen Stimmzetteln im Mittelfeld landen – aber er wird kaum Erststimmen einheimsen und deshalb früh ausscheiden.

Nur wenn Hollywood einen auf Argo macht und Bradley Cooper für die fehlende Regienominierung entschädigen möchte, dann könnte es klappen. Aber auch hier fehlt einfach die zugehörige Geschichte und es sieht eher danach aus, dass viele Industrievertreter ein Problem mit Cooper haben.



The Favourite hätte ich eigentlich höher platziert. Es ist der Film mit den meisten Nominierungen (zusammen mit Roma, der allerdings mit Bester fremdsprachiger Film eine Kategorie einschließt, für die Yorgos Lanthimos Kostümkomödie nicht qualifiziert war) und wird sicherlich einige Oscars im Bereich Kostüme oder Produktionsdesign abstauben.

Allerdings hat er im heimischen Land, ergo bei den BAFTAs, nicht gewonnen – was schon eine kleine Überraschung gewesen ist, wenn man sich die Geschichte der Verleihung anschaut.



BlacKkKlansman ist statistisch gesehen der sicherste Tipp, weil der Film als einziger alle relevanten Nominierungen eingeheimst hat: Best Director, Best Screenplay, Best Editing und Best Ensemble bei der Screen Actor Gilde. Aber es springt als und als kein Gewinn heraus. Am Ende gab es nicht mal den eigentlich sicher geglaubten Writer Guild Award, den Spike Lee gegen Can You Ever Forgive Me? verloren hat.

Ich bin mir jedenfalls zu 80% sicher, dass diese vier Filme nicht gewinnen. Das andere Quartett hat hingegen richtig reale Chancen – ernsthaft.



Ich möchte es kaum aussprechen, aber ja: Mich würde Bohemian Rhapsody nicht wundern. Hier stellt sich mir am meisten die Frage: Wie viele Erststimmen kriegt das umstrittene Biopic? Bleibt es ein paar Runden im Boot und ergattert beispielsweise ein paar der Stimmzettel, die nach dem Wegfall von A Star is Born über geblieben sind?

Das ist jetzt kein Scherz: Bohemian Rhapsody ist der EINZIGE Best Picture Kandidat, der vier Gildenpreise abgestaubt hat. Nochmal: der EINZIGE. Damit ist er in ALLEN Kategorien, in denen er abseits von Best Picture nominiert ist, automatisch Mit-Favorit. Und wieso sollte dann nicht am Ende der Durchmarsch drin sein?



Ebenfalls kein Scherz: Black Panther kann das schaffen. Obwohl dem Film drölf Millarden Nominierungen fehlen: keine Regie, kein Drehbuch, keiner der Schauspieler, keine Kamera und kein Filmschnitt. Ergo keine einzige der WICHTIGEN Oscar-Kategorien abseits von Best Picture.

Aber dieser Sieg für das Schauspielerensemble bei der Screen Actor Gilde: Ich kann das nicht oft genug betonen, wie dick der mit Ausrufezeichen war. Und gleichwohl solch ein Gewinn alleine selten mit einem Oscar-Sieg endet (fragt The Help oder Hidden Figures), so gibt es in der Industrie einige Vertreter, die Black Panther aus einem ganz bestimmten Grund wählen: um wieder populär zu sein. Schließlich brechen denen die Einschaltquoten weg und das Image des Oscars blättert von Jahr zu Jahr ab, weil Best Picture immer seltener mit Highest Box Office einher geht.



Vor einer Woche hätte ich jedenfalls den folgenden Kandidaten ganz oben gesetzt: Green Book. Es ist der Feel-Good-Movie-of-the-Year. Der Crowdpleaser, der in Toronto gewann, das National Board of Review für sich vereinnahmte, derzeit den höchsten IMDB-Wertungsschnitt aller Best-Picture-nominierten Filme des Jahrgangs 2018 beansprucht und bei den Golden Globes den Comedy-Preis schnappte. Und vor allem: Green Book hat den Producer Guild Award gewonnen – also den einzigen, der durch ein ähnliches Wahlverfahren wie Best Picture bestimmt wird.

Doch dann trifft der Film einen Tiefschlag nach dem anderen: Peter Farrelly wird nicht für die Regie nominiert. O.k., ist hier nicht so mega-dramatisch wie sonst, fragt mal Driving Miss Daisy. Aber dann kommt der Writer Guild Award, bei dem der größte Konkurrent The Favourite nicht mitspielen durfte und weshalb Green Book das Ding zu 1000% einfahren sollte… und was passiert? Eighth Grade, ein nicht für den Oscar nominierter Konkurrent, zeigt allen Beteiligten den Stinkefinger!

Das ist eine satte Demütigung gewesen, die wohl durch die Schmierenkampagne gegen Green Book zustande gekommen ist und die erst nach den bereits abgezählten Producer-Guild-Award-Stimmen so richtig hochkochte. Es ist in meinen Augen eine Schande – aber anscheinend hat das perfide Spiel Spuren gezeigt (für mehr Details siehe meine Kritik).

Tja, und damit kommen wir auf den noch „sichersten“ Tipp, den ich eigentlich nicht geben wollte. Weil ich unglaublich viel Angst habe.


Roma ist mit einem sehr deutlichen Abstand mein persönlicher Favorit. Ich liebe, ich verehre, ich vergöttere diesen Film. Und gerade nachdem Alfonso Cuarons Gravity vor fünf Jahren gegen 12 Years a Slave verloren hat, wünsche ich dem Mann nichts mehr als einen Best-Picture-Sieg. Zudem feiern ihn die Kritiker, Cuaron wird universell für seine abartig grandiose Regieleistung gewürdigt und viele Blogger tippen ebenfalls auf einen Oscar-Gewinn.

Aber.. eigentlich… kann… das… nicht… passieren. Ein fremdsprachiger Film. In Schwarz-Weiß. Mit normalen, nicht glamourösen Menschen als zentrale Figuren. Und vor allem, der absolute Sargnagel, produziert von Netflix. Viele Academy-Wähler argumentieren: Roma ist ein toller Film… für’s Fernsehen. Nicht für’s Kino. Und Stichproben zeigen: Der Film wird sehr viele Erststimmen bekommen – doch das war’s. Alle anderen setzen ihn ganz weit unten ins Feld – was absolute Gift für dieses Wahlsystem ist.

Nein, nein, nein, NEIN. Roma wird nicht gewinnen. Ich darf das nicht an mich ranlassen, ich will das nicht erwarten. Weil ich werde enttäuscht sein.

Nur… wer… zum… fick… soll… es… sonst… sein? Die Luft anhalten. Mutig ins Wasser springen. Augen zu und durch. Mein Tipp für den Best-Picture-Sieg bei den Oscars lautet Roma. Mit einer Wahrscheinlichkeit von vielleicht 20%. Ich mag nicht hinsehen.

Tipp-Rangliste für Oscar-Verleihung:

1.Roma (20%)
2.Green Book (19%)
3.Black Panther (18%)
4.Bohemian Rhapsody (15%)
5.BlacKkKlansman (10%)
6.The Favourite (10%)
7.A Star is Born (7%)
8.VICE (1%)

(mit vollkommen aus dem Blauen heraus ausgedachten Gewinnchancen in Prozent)

Persönliche Rangliste:

1.Roma
2.A Star is Born
3.VICE
4.Black Panther
5.Green Book
6.BlacKkKlansman
7.The Favourite
8.Bohemian Rhapsody

Beste Regie


Front-runner: Alfonso Cuaron (Roma)
Possible spoiler: Spike Lee (BlacKkKlansman)
My choice: Alfonso Cuaron (Roma)

Bei all dem Drama, den ich bezüglich Best Picture erwarte: Cuarons zweiter Regie-Oscar ist zu 99% sicher. Ehrlich gesagt würde ich mehr zittern, wenn Peter Farrelly für Green Book eine Wahl wäre. So ist allenfalls das Spike-Lee-Szenario eine minimal realistische Option – aber alle, die ihm einen Oscar geben wollen, werden ihn für das Drehbuch auszeichnen.

Persönliche Rangliste:

1.Alfonso Cuaron (Roma)
2.Adam McKay (VICE)
3.Spike Lee (BlacKkKlansman)
4.Yorgos Lanthimos (The Favourite)
5.Pawel Pawlikowski (Cold War)

Bester Hauptdarsteller


Front-runner: Rami Malek (Bohemian Rhapsody)
Possible spoiler: Bradley Cooper (A Star is Born)
My choice: Bradley Cooper (A Star is Born)

Bei Best-Picture sprach ich von einem Mitleidssieg für A Star is Born, weil Cooper nicht für die Regie nominiert ist. Das Szenario ist extrem unwahrscheinlich, weil der Film von allen Seiten eins aufs Maul bekommt – als Remake eines Remakes eines Remakes (!).

Nein: Wenn wirklich Cooper einen Trostpreis kriegen soll, dann werden die Academy-Wähler nochmal bei Bester Hauptdarsteller hinschauen. So gut Christian Bale auch ist: Der braucht keinen zweiten Oscar, jedenfalls noch nicht.

Aber all das ist eh reines Spekulatius, denn Rami Malek ist eigentlich unaufhaltsam. Golden Globe, Screen Actor Award und BAFTA ist eine mächtige Kombination. Ihm fehlen nur ein paar fesche Kritikerpreise – die er allein aufgrund der dort schlechten Reputation des Filmes nicht bekommen hat.

Persönliche Rangliste:

1.Bradley Cooper (A Star is Born)
2.Christian Bale (VICE)
3.Viggo Mortensen (Green Book)
4.Rami Malek (Bohemian Rhapsody)
5.Willem Dafoe (At Eternity’s Gate)

Beste Hauptdarstellerin


Front-runner: Glenn Close (The Wife)
Possible spoiler: Olivia Colman (The Favourite)
My choice: Olivia Colman (The Favourite)

Glenn Close hat noch nie einen Oscar gewonnen – und deshalb siegt sie an diesem Sonntag. Die Golden Globes haben dafür gesorgt, dass es „ihr“ Jahr ist: Als sie dort zur Überraschung vieler Beobachter gewann, da jubelte der Saal. Sie bekam für ihre grandiose Rede drei Standing Ovations – vermutlich, weil sie es selbst nicht fassen konnte.

Doch wie ihr an meiner persönlichen Rangliste sehen könnt: Für mich ist es ein Sieg für’s Lebenswerk. Sie spielt beileibe nicht schlecht und rettet zusammen mit Jonathan Pryce einen (meines Erachtens) fürchterlichen Film. Aber drei andere Damen haben einfach mehr geleistet und jeweils ihre bislang beste Performance abgeliefert.

Zudem ist Olivia Colman nicht nur bei mir, sondern auch beim BAFTA hoch im Kurs. Man fragt sich schon im Nachhinein, warum sie sich als Hauptdarstellerin für The Favourite qualifizieren ließ. Als Nebendarstellerin hätte sie den Preis wohl gewonnen – und so wird es nun sie sein, bei der es irgendwann in ein paar Jahren oder Jahrzehnten heißt: „Den Oscar gewinnt Colman heute, weil sie damals für Glenn Close Platz machen musste.“

Persönliche Rangliste:

1.Olivia Colman (The Favourite)
2.Lady Gaga (A Star is Born)
3.Melissa McCarthy (Can You Ever Forgive Me?)
4.Glenn Close (The Wife)
5.Yalitza Aparicio (Roma)

Bester Nebendarsteller



Front-runner: Mahershala Ali (Green Book)
Possible spoiler: Richard E. Grant (Can You Ever Forgive Me?)
My choice: Mahershala Ali (Green Book)

Es ist der sicherste Preis unter den Schauspielern: Mahershala Ali wird an diesem Sonntag doppelter Oscar-Sieger sein. Zwar gibt es einige Film-Blogger, die verzweifelt Richard E. Grant pushen – aber das ist Wunschdenken.

Ali hat alles im Vorfeld gewonnen – und im Gegensatz zu Malek auch genügend Kritikerpreise. Deshalb gibt es nur ein Argument, das gegen seinen Oscar spricht: Er ist eigentlich ein Haupt- und kein Nebendarsteller. Aber mit Verlaub: Sowas ist der Academy scheißegal. Im Gegenteil, so haben eigentlich immer die besonders präsenten Pseudo-Haupt-Nebendarsteller-Rollen einen klaren Vorteil gehabt (siehe Christoph Waltz für Django Unchained oder Juliette Binoche für The English Patient).

Persönliche Rangliste:

1.Mahershala Ali (Green Book)
2.Richard E. Grant (Can You Ever Forgive Me?)
3.Sam Elliott (A Star is Born)
4.Adam Driver (BlacKkKlansman)
5.Sam Rockwell (VICE)

Beste Nebendarstellerin



Front-runner: Rachel Weisz (The Favourite)
Possible spoiler: Regina King (If Beale Street Could Talk)
My choice: Marina de Tavira (Roma)

Hier schwimme ich gegen den Strom: Es ist extrem selten, dass ein Schauspieler den Oscar gewinnt, wenn er bei der Screen Actor Gilde nicht einmal nominiert war. Genau das ist Regina King passiert – zudem sie auch noch bei den BAFTAs übergangen wurde. Und im Gegensatz zu einem Christoph Waltz für Django Unchained lag es nicht daran, dass der Film nicht rechtzeitig gesehen wurde. Nein: Sie wurde dort schlicht und ergreifend ignoriert – das hat in meinen Augen etwas zu bedeuten.

King hat allerdings auch einen Vorteil gegenüber Sylvester Stallone, der vor drei Jahren in einer ähnlichen Situation steckte: Es gibt keine eindeutige Konkurrentin – möchte man meinen. Amy Adams ist überfällig für einen Oscar. Aber sie hat bislang nix für VICE bekommen.

Marina De Tavira wurde völlig überraschend nominiert, obwohl sie vorher nur von EINER einzigen Kritikervereinigung erwähnt wurde (für den brandneuen Latino Entertainment Journalists Assocation Award!). Anders ausgedrückt: Wenn sie es packt, dann hat Roma Best Picture in der Tasche.

Bleiben die Damen aus The Favourite, wobei hier viele sagen: Die nehmen sich gegenseitig die Stimmen weg. Aber gleichwohl ich persönlich Emma Stone minimal bevorzuge, so weiß ich: Die meisten würden es Weisz gönnen. Die gewann passenderweise bei den BAFTAs.

Und wer siegte eigentlich bei der Screen Actor Gilde, die normalerweise der beste Vorbote für den Oscar ist? Emily Blunt für A Quiet Place. Diese Oscar-Saison ist so durch, sag ich euch…

Persönliche Rangliste:

1.Marina De Tavira (Roma)
2.Emma Stone (The Favourite)
3.Rachel Weisz (The Favourite)
4.Amy Adams (VICE)

Nicht gesehen: Regina King (If Beale Street Could Talk)

Bestes Original-Drehbuch



Front-runner: The Favourite
Possible spoiler: Green Book
My choice: VICE

Wie unter Best Picture bereits erklärt: Green Book war dazu verdammt, den Writer Guild Award und danach den Oscar für das beste Original-Drehbuch abzustauben. Das ist nicht passiert. Es gewann das hier nicht nominierte Eighth Grade. Autor Bo Burnham hat sich darüber sogar bei der Preisverleihung lustig gemacht und den Losern viel Glück bei den Academy Awards gewünscht. Der Mann hat Eier – und mit dieser Dankesrede gesorgt, dass er die nächsten zwanzig Jahre nicht nominiert wird.

Spaß beiseite: Die Autoren von The Favourite gehören nicht der Gilde an und durften deshalb dort nicht nominiert werden. Deshalb sind sie nun kurioserweise der Favorit für den Oscar, weil eben der große Konkurrent Green Book derb gedemütigt wurde.

Es gibt allerdings noch ein Szenario, dass so richtig schön zu diesem Oscar-Jahr passen würde: Paul Schrader gewinnt für First Reformed. Es ist überhaupt seine allererste Nominierung! Ja, richtig gelesen: für den Mann, der Taxi Driver UND Raging Bull geschrieben hat! Das ist der Wahnsinn überhaupt – und manche Academy-Wähler werden sicherlich diese Gelegenheit nutzen, weil es vielleicht die einzig und letzte sein wird.

Persönliche Rangliste:

1.VICE
2.Green Book
3.First Reformed
4.The Favourite
5.Roma

Bestes adaptiertes Drehbuch



Front-runner: BlacKkKlansman
Possible spoiler: Can You Ever Forgive Me?
My choice: The Ballad of Buster Scruggs

Ich liebe die Academy für die Nominierung von The Ballad of Buster Scruggs: Das ist eine so toll geschriebene Zusammenstellung von Kurzgeschichten. Aber gewinnen werden die Coen-Brüder wohl nicht.

Und hier tippe ich auch gegen den Writer Guild Award, denn nun kann genau das passieren, was sich wirklich viele, viele, viele, viele wünschen: ein Oscar für Spike Lee. Zudem BlacKkKlansman auch sehr sauber geschrieben und strukturiert ist. Das muss eigentlich klappen.

Persönliche Rangliste:

1.The Ballad of Buster Scruggs
2.BlacKkKlansman
3.Can You Ever Forgive Me?
4.A Star is Born

Nicht gesehen: If Beale Street Could Talk

Bester Filmschnitt


Front-runner: VICE
Possible spoiler: Bohemian Rhapsody
My choice: Bohemian Rhapsody

Ja, in der Tat, auch ich würde Bohemian Rhapsody einen Oscar geben – für den gar nicht mal so unwichtigen Filmschnitt. Der funktioniert einfach, der hat Power, der hat Dynamik. Er gewann auch den zugehörigen Gildenpreis – in der Sparte „Drama“, während The Favourite unter den Komödien honoriert wurde.

Trotzdem setze ich bei den Oscars mein Geld auf VICE: Der Film schlug bei den BAFTAs ein, die in dieser Kategorie einen ähnlichen Geschmack haben (siehe Hacksaw Ridge, Mad Max: Fury Road oder Whiplash). Und die Academy mag „viel“ geschnittene Filme.

Persönliche Rangliste:

1.Bohemian Rhapsody
2.VICE
3.Green Book
4.BlacKkKlansman
5.The Favourite

Beste Kamera


Front-runner: Roma
Possible spoiler: The Favourite
My choice: Roma

Man kann über Werk ohne Autor lästern wie man will: Die Kameraarbeit in dem Film ist super. Ich betone dies deshalb, weil Caleb Deschanels Nominierung regelrecht aus dem Nichts kam.

Trotzdem sind meine beiden Lieblingsfilme des Jahres 2018 auch jene mit der besten Kameraarbeit. Während Matthew Libatique für A Star is Born ein paar sensationell gute Collagen präsentiert, ist Alfonso Cuarons Roma ein Bilderbuch an Einstellungen. Allein die erste Szene mit dem Fußboden, über den Wasser fließt und woran sich der Himmel mitsamt Flugzeug spiegelt: s-a-g-e-n-h-a-f-t.

Dafür konnte ich mit Lukasz Zal Cold War, dem überraschenden Gewinner bei der American Society of Cinematographers, vergleichsweise wenig anfangen. Ähnlich wie Roma gefällt die auf alt getrimmte Kulisse gerade wegen des Schwarz-Weiß-Bildes. Allerdings ist Cuaron um Welten kreativer.

Als möglichen Spoiler wähle ich im übrigen The Favourite – schlicht weil die Academy gerne bunte Filme mit großer Kulisse in dieser Kategorie auszeichnet.

Persönliche Rangliste:

1.Roma
2.A Star is Born
3.Werk ohne Autor
4.The Favourite
5.Cold War

Bestes Produktionsdesign



Front-runner: The Favourite
Possible spoiler: Black Panther
My choice: Roma

Auch hier würde ich persönlich für Roma stimmen, allein weil mich die Detailtreue umhaut. Schaut euch nur die Inneneinrichtung des Hauses an: Da liegt überall Zeugs herum, weshalb die Kulisse extrem lebendig und authentisch wirkt. Cuaron hat gar seine eigene Familie angehauen und nach altem Krams gefragt, weshalb er eigentlich auch hierfür nominiert sein müsste. Und darüber hinaus wurde mal so nebenbei ein ganzes Stadtviertel Mexikos im Stile der frühen 1970er Jahre gebaut – laut Insidern ein Projekt, dass James Camerons Titanic in seine Schranken verweist.

Natürlich weiß ich ganz genau, dass ich mit diesem Geschmack alleine bin. Die Academy mag mehr pompöse sowie bunte Bauten, weshalb The Favourite ganz vorne steht. Nur wenn sie eher exotisch denken, dann gewinnt das tolle Wakanda-Setting von Black Panther oder die bunte Welt von Mary Poppins Returns.

Persönliche Rangliste:

1.Roma
2.The Favourite
3.Black Panther
4.Mary Poppins Returns
5.First Man

Beste Kostüme



Front-runner: The Favourite
Possible spoiler: Black Panther
My choice: Black Panther

Kostümfilme haben einen hohen Stellenwert in dieser Kategorie und siegen eigentlich fast immer, sofern einer nominiert ist. Und auch ich kann nichts gegen die verspielten, bewusst anachronistischen Kostüme aus The Favourite sagen.

Aber wo wenn nicht hier wäre Black Panther derart perfekt aufgehoben? Da steckt genauso viel Kreativität sowie Aufwand dahinter. Und im Rahmen des Genres sowieso.

Persönliche Rangliste:

1.Black Panther
2.The Favourite
3.The Ballad of Buster Scruggs
4.Mary Queen of Scots
5.Mary Poppins Returns

Bestes Makeup und Haarstyling


Front-runner: Avengers: VICE
Possible spoiler:
My choice: VICE

Es gibt nicht wenige Filmfetischisten, die das Makeup von Border als eine Revolution abfeiern. Ehrlich? Ich versteh es nicht. Ja, die Troll-Mensch-Hybriden sehen gut aus. Aber… revolutionär? Einmalig? Nie dagewesen? Häh? Hab ich was verpasst?

Nein, entschuldigt, wirklich – aber das hier MUSS VICE machen. Und das WIRD VICE machen. Nicht nur wegen Christan Bale als Dick Cheney. Auch Amy Adams als immer faltiger werdende Lynne Cheney oder Steve Carrell als Donald Rumsfeld sind so gut. Wegen solcher Filme wurde diese Kategorie eingeführt.

Persönliche Rangliste:

1.VICE
2.Border
3.Mary Queen of Scots

Beste visuellen Effekte


Front-runner: Avengers: Infinity War
Possible spoiler: First Man
My choice: Avengers: Infinity War

Kudos an die Academy, ausgerechnet hier Black Panther nicht zu nominieren. So sehr mir der Film auch gefällt, die visuellen Effekte sind vergleichsweise enttäuschend – besonders im Vergleich zum bombastischen Avengers: Infinity War. Der Film sollte in meinen Augen allein für die berühmte Schlussszene siegen, weil die Auswirkungen des Fingerschnippers sowohl technisch astrein umgesetzt als auch überraschend kreativ wirkt.

Allerdings gebe ich den Tipp nicht ohne Bauchschmerzen ab. Die Academy zeichnet selten Filme aus, die „nur“ für visuelle Effekte nominiert sind. Und der einzige Kandidat, der noch darüber hinaus im Rennen ist, lautet First Man – weshalb viele Oscar-Blogger ihn als potenziellen Sieger sehen.

Persönliche Rangliste:

1.Avengers: Infinity War
2.Ready Player One
3.First Man
4.Christopher Robin
5.Solo: A Star Wars Story

Beste Tonabmischung


Front-runner: Bohemian Rhapsody
Possible spoiler: Black Panther
My choice: First Man

Die Kategorie ist richtig kniffelig. Normalerweise sollte man nie gegen den „Musikfilm“ wetten – doch in diesem Jahr sind zwei im Rennen, die auch noch beide im „Best-Picture“-Feld mitmischen.

An Roma glaube ich nicht so wirklich – dazu ist der ganze Ton einfach zu subtil und zu ruhig, was selten von der Academy ausgezeichnet wird. Mein Top-Favorit First Man sticht nur in ein paar Momenten heraus, dort dafür aber umso mehr (ich sag nur Mondlandung!).

Sollten sich A Star is Born und Bohemian Rhapsody die Stimmen wegnehmen, dann wäre der Weg für Black Panther frei – weshalb das auch ursprünglich mein Tipp war. Doch nun hat das Biopic über Queen den passenden Gildenpreis der Cinema Audio Society gewonnen, weshalb es innerhalb der Industrie anscheinend schon einen Favoriten gibt.

In der Tat lebt Bohemian Rhapsody von einem Kniff, der ihm den Sieg bescheren könnte: Der Gesang von Filmfigur Freddy Mercury ist eine Mischung aus Rami Malek, dem kanadischen Rock-Musiker Marc Martel und Aufnahmen von Mercury persönlich. Allerdings höre ich genau in der Hinsicht einen Bruch, weshalb ich ihn als letztes wählen würde – und womit ich wohl alleine dastehe.

Persönliche Rangliste:

1.First Man
2.A Star is Born
3.Roma
4.Black Panther
5.Bohemian Rhapsody

Beste Toneffekte



Front-runner: Black Panther
Possible spoiler: Bohemian Rhapsody
My choice: A Quiet Place

Dies hier sollte eigentlich einfacher sein: Musikfilme haben beim Tonschnitt nicht die besten Karten, dafür aber laute, effektgeladene Blockbuster á la Black Panther. Allerdings hat Bohemian Rhapsody auch beim Tonschnitt den Gildenpreis ergattert, zusammen mit meinem persönlichen Favoriten A Quiet Place. Der wiederum ist nur in dieser einen Kategorie nominiert – und solche Filme werden dann meist von vielen Academy-Wählern gar nicht erst angeschaut.

In der Tat würde ich hier Bohemian Rhapsody einen Sieg eher gönnen als bei der Tonabmischung. Schließlich sind auch mir die ganzen Effekte aufgefallen, die bei den Konzertauftritten von all dem Musikequipment abfallen.

Trotzdem bleibe ich beim Wahlverhalten der Academy, die beim Tonschnitt laute Kracher bevorzugen. Zudem dürfte auch Black Panther ein paar Oscars gewinnen und hier wäre es passend, ohne jemanden weh zu tun.

Persönliche Rangliste:

1.A Quiet Place
2.Bohemian Rhapsody
3.First Man
4.Black Panther
5.Roma

Beste Musik



Front-runner: Black Panther
Possible spoiler: If Beale Street Could Talk
My choice: Black Panther

Einmal Wunschdenken sei mir gegönnt: Nicht viele tippen auf Black Panther – aber nachdem der eigentliche Favorit First Man gar nicht erst nominiert wurde, ist es bei dem Nominierungsfeld die logischste Wahl.

Viele tippen auf If Beale Street Could Talk – aber wie viele Academy-Wähler haben den Film wirklich gesehen, nachdem er ansonsten relativ schlecht bei den Nominierungen abgeschnitten hat? Zugegebenermaßen bin ich hier mit einer ehrlichen Einschätzung im Nachteil, weil ich die Musik nur aus YouTube-Clips kenne – und nicht aus dem Film direkt. Es ist nebenbei der einzige, den ich nicht vor der Verleihung sehen konnte… inklusive Kurzfilme, wohlgemerkt! Ein persönlicher Rekord.

Black Panther hat jedenfalls enorm viel Power und wird gerade in der Darstellung Wakandas extrem von der Musik getragen. Oder man entscheidet sich für das 1970er-Jahre-Feeling eines BlacKkKlansman, das ebenfalls ein paar starke Hauptthemen intus hat.

Persönliche Rangliste:

1.Black Panther
2.Isle of Dogs
3.BlacKkKlansman
4.Mary Poppins Returns

Nicht gesehen: If Beale Street Could Talk

Bester Song



Front-runner: Shallow (A Star is Born)
Possible spoiler:
My choice: Shallow (A Star is Born)

Also, wenn A Star is Born diesen Oscar nicht gewinnt – dann läuft hier eine persönliche Vendetta der Academy-Mitglieder. Lady Gagas Shallow ist in jedweder Hinsicht den Konkurrenten um WELTEN überlegen – egal ob bei Text, Melodie oder erst recht bei der Integration im Film, wo der Song ja nur mal so nebenbei eine der besten Szenen in einem Musikfilm ÜBERHAUPT stemmt.

Deshalb weigere ich mich auch einen „Possible spoiler“ anzugeben – da kann All the Stars noch so „catchy“ sein.

Persönliche Rangliste:

1.Shallow (A Star is Born)
2.All the Stars (Black Panther)
3.When A Cowboy Trades His Spures For Wings (The Ballad of Buster Scruggs)
4.The Place Where Lost Things Go (Mary Poppins Returns)
5.I’ll Fight (RBG)

Bester fremdsprachiger Film


Front-runner: Roma
Possible spoiler: Cold War
My choice: Roma

Meine Güte, was für ein Feld! Manche sagen, die hier nominierten Filme seien im Schnitt besser als das Best-Picture-Oktett!

So weit gehe ich nicht, aber in der Tat habe auch ich schon lange kein so hochklassiges Foreign-Language-Film-Paket bei den Oscars gesehen. Selbst das hierzulande höchst umstrittene Werk ohne Autor hat mir gefallen – gerade wegen des romantisierten Endes. Das hat mich regelrecht aufgebaut und neben der bereits gelobten Kamera mag ich einfach das ganze Drumherum vom Produktionsdesign bis zur Musik.

Shoplifters wäre bei mir fast auf dem letzten Platz und somit als minimale Enttäuschung gelandet, weil mir der Film über weite Strecken zu „normal“ wirkt. Aber das letzte Drittel hat den entscheidenden Kick gegeben und mir die Begründung, warum das Ding in Cannes gewann.

Cold War hat zu Überraschung vieler eine Regie-Nominierung eingeheimst und in der Tat vermittelt Pawel Pawlikowski Atmosphäre pur. Wohlgemerkt keine in Hollywood-Art, sondern eine eher nüchtern und sachliche. Eben passend zur Thematik.

Letztlich hat mich das fantastische Capernaum mehr überzeugt, weil es ein schonungsloses Abziehbild der verarmten Gesellschaft von Beirut ist. Es ist authentisch, es ist beklemmend, es ist dreckig und es ist zwischen den Zeilen betrachtet doch ein ganz klein wenig hoffnungsvoll.

Aber natürlich kommt nichts an Roma heran, das ich bereits bei meinen Best-Picture-Ausführung bis zur Unendlichkeit gelobt habe. Trotzdem sehe ich den Sieg nicht als gesetzt – aus einem ganz bescheuerten Grund: Sollten sich genügend Academy-Wähler denken, dass „Best Picture“ genug sei, dann wäre der Weg für das ebenfalls beliebte Cold War frei.

Persönliche Rangliste:

1.Roma
2.Capernaum
3.Cold War
4.Shoplifters
5.Werk ohne Autor

Bester animierter Film

Front-runner: Spider-Man: Into the Spider-Verse
Possible spoiler: Incredibles 2
My choice: Spider-Man: Into the Spider-Verse

Wann wird die Academy wieder einen animierten Film als Best Picture nominieren? Spider-Man: Into the Spider-Verse hätte diese Ehre mehr als verdient gehabt, weil er storytechnisch sowie inszenatorisch eine kleine Sensation darstellt. Vermutlich hat Sony Animation Pictures selbst nicht mit einem derartigen Erfolg gerechnet, weshalb auch nicht die passende Kampagne lief.

Andersherum mache ich mir etwas Sorgen um Pixar: Incredibles 2 ist für mich persönlich eine der größten Enttäuschungen des Jahres. Nach Coco fühlt es sich erneut mehr wie ein Kinderfilm an, der mich als Erwachsenen nur peripher anspricht. Trotzdem gewinnt das Ding eher als potenzieller Spoiler, als dass die Academy irgendwann den grandiosen Wes Anderson für Isle of Dogs auszeichnet. Die Welt ist ungerecht.

Persönliche Rangliste:

1.Spider-Man: Into the Spider-Verse
2.Isle of Dogs
3.Mirai
4.Ralph Breaks the Internet
5.Incredibles 2

Bester Dokumentarfilm


Front-runner: Free Solo
Possible spoiler: RBG
My choice: RBG

Das hier ist eine unwahrscheinlich spannende Kategorie, nachdem die beiden vermeintlichen Favoriten Won’t You Be My Neighbor? und Three Identical Strangers gar nicht erst nominiert sind. Damit wäre eigentlich der Weg frei für den dritten im Vorfeld gelobten Kandidaten: RBG.

Jetzt sind nur die tatsächlich nominierten Filme erstaunlich vielschichtig und jeder für sich eine echte Empfehlung. Of Fathers and Sons macht einen wütend, allerdings rein wegen der Thematik. Den Mut, den Regisseur Talal Derki hier hatte und sich jahrelang in einer ISIS-freundlichen Familie eingeschleust hat, ist bemerkenswert.

Minding the Gap ist ein sehr schlichter Film, weil er eigentlich nur das Leben dreier Skateboard-Freunde im Laufe eines Jahrzehnts zeigt. Aber gerade deshalb wirkt alles so lebensnah und so authentisch.

Ähnliches gilt für Hale County This Morning, This Evening, nur dass hier lauter kleine Geschichtchen verschiedener Bewohner aus Hale County, Alabama aneinandergereiht werden – und das Gesamtwerk mit teilweise atemberaubenden Kameraeinstellungen glänzt.

RBG ist der klassischer Dokumentarfilm, mit stereotypischer Struktur und einer gerade deswegen leicht zu folgenden Handlung. Er mag wenig innovativ sein, ist aber dafür umso bodenständiger und greifbarer für jene, die sich vorher nicht mit der Thematik auseinander gesetzt haben.

Mein Tipp geht an Free Solo, weil er von allem etwas ist. Die Idee, Extrembergsteiger ohne Sicherungsmittel bei ihrem lebensgefährlichen Hobby zu beobachten, ist cool, die Umsetzung leicht verständlich und die Kameraarbeit ein echter Hingucker. Zudem hat Free Solo viele Gildenpreise abgeräumt – jedenfalls eindeutig mehr als RBG.

Persönliche Rangliste:

1.Hale County This Morning, This Evening
2.Minding the Gap
3.Free Solo
4.Of Fathers and Sons
5.RBG

Bester Dokumentarkurzfilm

Front-runner: Black Sheep
Possible spoiler: Period. End of Sentence.
My choice: End Game

Das Betrachten der Kurzdokumentarfilme war noch nie so einfach. Genau genommen konnte ich bereits vier Kandidaten vor (!) der Nominierungsbekanntgabe sehen. Und den fünften hat sich dann ganz frech Netflix geschnappt. Dafür ein echtes Danke Schön!

Die Qualität ist durch die Bank weg gut, gleichwohl meine Rangliste auf einem recht festen Fundament steht. A Night at the Garden ist einerseits interessant und beklemmend zugleich, weil es eine Nazi-Rally im Jahre 1937 auf amerikanischen Boden zeigt. Allerdings besteht der Film fast ausschließlich aus Archivaufnahmen, die knapp sieben Minuten andauern – das ist mir selbst für einen Dokumentarfilm zu wenig Handwerk.

Lifeboat zeigt die Strapazen eines Rettungsbootes, das Flüchtlinge im Meer einsammelt. Immerhin gibt es hier ein paar Interviews, allerdings hatte ich nicht wirklich das Gefühl, etwas „Neues“ zu sehen oder zu erfahren.

Der orginellste und zugleich positivste Film ist Period. End of Sentence. und schildert von einem rückständigen Dorf mitten in Indien, wo Mädchen bei Beginn ihrer Monatsblutungen nicht mehr in die Schule gehen. Warum? Weil es an Hygieneartikeln fehlt. Also nehmen die modern eingestellten Frauen das Problem in die Hand und produzieren in eigener Regie Binden. Die Academy hat jedenfalls schon einige Kurzdokumentarfilme ausgezeichnet, die über die mangelnde Gleichberechtigung diverser Länder in Südasien berichten – weshalb ich ihn als Spoiler sehe.

End Game ist mein Favorit, weil es ein sehr deprimierendes Thema auf eine sehr geschickte und anständige Weise verpackt: den Tod. Gezeigt werden mehrere Patienten, die im Sterben liegen – manche sind eben erst aufgrund einer diagnostizieren Krebserkrankung eingeliefert, andere leiden seit Wochen oder Monaten. Entsprechend persönlich sind die Geschichten und herzzerreißend die Verwandten, die sich um ihre Lieben kümmern. Es ist jedenfalls ein Thema, mit dem ich so meine Probleme habe – und weil eben End Game es für mich gleichermaßen ehrlich wie angenehm präsentiert, hätte es meine Stimme.

Die meisten Tippen jedoch auf einen Sieg von Black Sheep – und ich kann es kaum jemanden verdenken. Der Film wechselt abwechselnd zwischen nachgestellten Szenen und Cornelius Walker, der einen wesentlichen Teil seiner Lebensgeschichte erzählt. Seine Eltern sind weggezogen, nachdem in der Nachbarschaft ein Junge erschossen wurde – der zum damaligen Zeitpunkt genau so alt war wie er.

Daraufhin kommt er in eine besonders verruchte Gegend voller Vorurteile und Rassisten. Erst nachdem er sich blaue Kontaktlinsen besorgt und seine Haut bleicht, erfährt er nach und nach Akzeptanz. Am Ende ist er so fest in seinem Freundeskreis eingeschlossen, weshalb er selbst Jugendliche afroamerikanischen Ursprungs wie Dreck behandelt.

Black Sheep ist ein unglaublich ehrliches sowie schonungsloses Porträt eines jungen Mannes. Er zeigt reumütig, wie er gepeinigt und gedemütigt wurde, nur um selbst zum Peiniger und Demütiger zu werden. Der Film hat nur ein Problem, dass ihm eventuell den Sieg kosten könnte: Abseits von den Erzählungen von Cornelius sind alle Szenen nachgestellt.

Persönliche Rangliste:

1.End Game
2.Black Sheep
3.Period. End of Sentence.
4.Lifeboat
5.A Night at the Garden

Bester animierter Kurzfilm


Front-runner: Bao
Possible spoiler: Weekends
My choice: Bao

Auch dieses Quintett ist von wirklich guter Qualität, wobei meine Rangliste sehr nach dem Herzen geht. Weekends ist mir jedenfalls etwas zu lang und etwas zu ernst, gleichwohl es ein seriöses Thema gut verpackt: Ein Scheidungskind lebt die Woche über bei seiner Mutter und wird Wochenends von seinem Vater abgeholt. Der Film schildert dieses hin und her aus Sicht des Jungen und wie dieser die jeweils neuen Partner seiner Eltern wahr nimmt. Der ehe schlichte Zeichenstil kam bislang gut bei der Academy an, weshalb Weekends auch mein Possible spoiler ist.

One Small Step erzählt die Geschichte eines Mädchens, die zum Mond reisen möchte – also so richtig professionell mit Astronauten-Ausbildung und so. Während wir sie zur Frau reifen sehen, lernen wir gleichzeitig ihren Vater kennen, der sie bis zuletzt unterstützt – und am Ende die tragende Motivation ist, dass ihr Traum tatsächlich in Erfüllung geht. Somit ist der Film etwas arg vorhersehbar, aber nichtsdestotrotz äußerst rührend inszeniert.

Noch mehr auf die Tränendrüse drückt nur Late Afternoon: Der Zeichenstil ist schlicht und der Erzählstil umso cleverer. Eine demente Frau wird von Kate versorgt, ohne sich an sie zu erinnern. Simple Ereignisse, wie das Zerbrechen eines Keks oder das Blättern in einem Buch lösen alte Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit aus – bis sie am Ende zumindest für einen kurzen Augenblick Kate als ihre eigene Tochter wiedererkennt.

Animal Behaviour stellt das glatte Gegenteil dar und ist mit weitem Abstand der lustigste Beitrag. Das Konzept ist simpel: mehrere Tiere wohnen einer Therapiesitzung bei, die von einem Hund gehalten wird. Der Gag ist natürlich, dass alle mit ihren tierischen Instinkten zu kämpfen haben und diese im alltäglichen Sozialleben mächtig große Probleme nach sich ziehen. Letztlich funktioniert die Idee dank der clever geschriebenen Dialoge und dem langsam anschwellenden Konflikt, in dem natürlich auch der Therapeut selbst hineingezogen wird.

Am Ende ist es aber mal wieder Pixar mit Bao, die hier abräumen könnten: eine alte Frau fühlt sich zunehmend einsamer, nicht zuletzt weil ihr Mann kaum noch ein Wort mit ihr wechselt. Doch als sie ein paar Teigtaschen zubereitet, wird eines davon wie durch ein Wunder lebendig. Sie zieht die Teigtasche wie ein Kind auf, das schnell zum rebellierenden Teenager reift und sich gegen ihre Erziehung stellt.

Gleichwohl auch hier vieles vorhersehbar sein müsste, überrascht Bao durch den skurrilen Plotaufhänger und einem zunächst höchst erschreckenden Plottwist. Im Gegensatz zu Incredibles 2 schafft der Kurzfilm deshalb diese unwiderstehliche Mischung aus kinderfreundlicher Zugänglichkeit und origineller Idee, die das Studio ursprünglich so groß gemacht hat. Und deshalb ist es in meinen Augen der Favorit für den Oscar.

Persönliche Rangliste:

1.Bao
2.Late Afternoon
3.Animal Behaviour
4.One Small Step
5.Weekends

Bester Kurzfilm

Front-runner: Marguerite
Possible spoiler: Skin
My choice: Fauve

Beim besten Kurzfilm gibt es drei goldene Richtlinien: Ist ein Film eines versierten Regisseurs oder sind ein paar berühmte Schauspieler dabei? Dann hat er richtig gute Chancen. Ist die Botschaft eher Gute-Laune anstatt Sozialkritisch-Böse? Dann hat er gute Chancen. Sind Kinderdarsteller der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte? Dann hat er brauchbare Chancen.

Ersteres trifft auf keinen der Filme zu – gleichwohl Marguerite mit Béatrice Picard zumindest eine versierte kanadische Schauspielerin beinhaltet. Aber die Frau ist in Hollywoodkreisen zu unbekannt, um wirklich punkten zu können.

Bei den anderen beiden Aspekten wird es nun deutlich kritischer. Zum einen gibt es nur einen Film, der eine positive Grundstimmung erzeugt – und das wäre erneut Marguerite. Die verbleibenden vier sind richtig böse und tiefe Schlucker – aber dafür allesamt (!) mit zentralen Kinderdarstellern gespickt!

Ihr seht schon an meiner persönlichen Rangliste, dass ich mit Marguerite so meine Probleme habe. Eine alte Frau spricht mit ihrer Pflegerin und erfährt durch Zufall, dass sie lesbisch ist. Am Anfang denkt man noch: Oha, da schwellt ein Konflikt zwischen liberal und konservativ an. Doch am Ende läuft es eher auf Demut und Neugierde hinaus, weil auch die alte Frau zu ihrer Jugendzeit in Mädchen verliebt war. Und diese „Pointe“ kommt in meine Augen so blöde daher – ich konnte sie der Geschichte einfach nicht abnehmen.

Die anderen vier Filme haben mir dramatisch besser gefallen, gleichwohl ich mich bei keinem richtig wohl fühle – was der jeweiligen Thematik geschuldet ist. Madre ist ein recht simpler Film, der fast ausschließlich in einer Wohnung stattfindet. Dort telefoniert eine Frau mit ihrem Sohn, der eigentlich mit seinem Vater im Urlaub ist. Doch der hat ihn irgendwo an einem Strand sitzen gelassen und der Junge hat keine Ahnung, wo er sich befindet. Weil bald die Nacht hereinbricht und auch der Handyakku langsam seinen Geist aufgibt, bricht mehr und mehr Panik bei der Frau auf. Und das Ende ist nochmal eine ganze Ecke fieser…

Madre ist jedenfalls gut und vor allem spannend, aber eben auch arg simpel gemacht. Der Konkurrent Detainment hingegen klotzt mit einem ausgefeilten Drehbuch und einer richtig brisanten Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. 1993 entführen zwei Kinder im Alter von 10 Jahren den zweijährigen James Bulgar und töten ihn – einfach so. Der Film schildert vornehmlich die Befragung bei der Polizei, die mehr und mehr eskaliert – sowohl bei den Tätern als auch deren eigenen Eltern.

Der Wahrheitsfaktor der Geschichte, der auch ziemlich akkurat widergespiegelt werde, könnte Detainment zum Sieg verhelfen – wenn es da nicht ein echtes Problem gebe: Die Eltern des verstorbenen James waren in keiner Weise an der Produktion beteiligt und haben sich von dem Werk distanziert, weil es eben mit den Mörder ihres Sohnes sympathisiert. So mancher Academy-Wähler dürfte demnach denken, dass hier ein Film auf Kosten des Opfers entstanden ist.

Solche Probleme hat Skin nicht – und obendrein kommt noch ein extrem starkes Drehbuch hinzu, weshalb der Film nicht nur von mir als ernsthafter Siegkandidat auserkoren wird. Diesmal schwellt ein brutaler Rassenkonflikt an: Während eines harmlosen Einkaufs wird der junge Troy von einem Afroamerikaner angelächelt und macht ein paar harmlose Faxen mit ihm. Das wiederum bemerkt Troys Vater, der sich sofort angegriffen fühlt und mitsamt ein paar Freunden den Mann halb zu Tode prügelt.

Danach scheint die Sache für Troys Familie erledigt zu sein – jedoch wird er wiederum von den Freunden seines Opfers entführt, die ihn drakonisch bestrafen. Die Geschichte endet mit einem richtig fiesen Knall, der wohl nicht nur mich sprachlos gemacht hat. Regie- und Drehbuch-technisch könnte Skin jedenfalls die meisten Stimmen einheimsen.

Für mich steht nur Fauve noch eine Stufe darüber. Auch hier dreht sich alles um zwei Kinder, die alleine in einer verlassenen Tagebau Mine spielen. Genau genommen stacheln sie sich gegenseitig zu Mutproben an und betreiben einige gefährliche Wettkämpfe.

Man kann sich bereits denken, dass dies irgendwann schief geht – doch es die Art, wie der Film danach weiter verläuft, die ihn für mich unvergessen machen. Die letzten beiden Einstellungen dürften nicht nur mich verfolgen.

Zum Schluss: Warum tippe ich nun eigentlich auf Marguerite als Sieger, wenn ich doch solche Probleme mit dem Beitrag habe? Einfach weil die anderen vier so derart ähnlich in der Struktur und vor allem im Tonfall sind. Es ist noch am ehesten der „Gute-Laune“-Film – und das Fehlen von Kinderdarstellern dürfte hier kein Problem sein, eben weil sich die anderen vier Kandidaten gegenseitig die Stimmen wegnehmen.

Persönliche Rangliste:

1.Fauve
2.Skin
3.Detainment
4.Madre
5.Marguerite

Komplette Rangliste aller nominierter Filme:

36 Christopher Robin
35 Solo: A Star Wars Story
34 The Wife
33 Incredibles 2
32 Border
31 Ready Player One
30 Mary Queen of Scots
29 Mary Poppins Returns
28 At Eterinity’s Gate
27 Avengers: Infinity War
26 Ralph Breaks the Internet
25 Werk ohne Autor
24 RBG
23 Of Fathers and Sons
22 Mirai
21 Free Solo
20 The Ballad of Buster Scruggs
19 Minding the Gap
18 Shoplifters
17 A Quiet Place
16 Hale County This Morning, This Evening
15 Bohemian Rhapsody
14 Can You Ever Forgive Me?
13 Cold War
12 Isle of Dogs
11 First Man

10 First Reformed
09 The Favourite
08 Capernaum
07 BlacKkKlansman
06 Green Book

05 Spider-Man: Into the Spider-Verse
04 Black Panther
03 VICE
02 A Star is Born

01 Roma