{"id":995,"date":"2015-02-20T05:09:42","date_gmt":"2015-02-20T03:09:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=995"},"modified":"2015-02-20T05:09:42","modified_gmt":"2015-02-20T03:09:42","slug":"oscar-analyse-bester-fremdsprachiger-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=995","title":{"rendered":"Oscar-Analyse: Bester fremdsprachiger Film"},"content":{"rendered":"<p>Viele Cineasten beschweren sich alle Jahre wieder, die Oscar-Verleihung sei zu amerikanisch ausgerichtet \u2013 und w\u00fcrde allenfalls mal einen Briten zu Wort kommen lassen. Dabei ist man sich dieser Problematik durchaus bewusst, weshalb es eben die Kategorie des fremdsprachigen Filmes gibt. Dort erhalten eben jene Werke eine echte Chance auf Gold, die den Academy-W\u00e4hler trotz ihrer \u201cbefremdlichen\u201c Art allein mit ihrer Qualit\u00e4t \u00fcberzeugen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Ida<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Lange Zeit galt Ida aus Polen als einsamer Favorit: Die junge Novizin Anna wuchs ohne Eltern im Waisenhaus auf und steht kurz davor, ihr Leben als Nonne vorzubereiten. Doch bis es soweit ist, soll sie sich mit ihrer Tante Wanda auseinander setzen, der einzig noch lebenden wie bekannten Verwandten. Diese lebt ein bedeutend freiz\u00fcgigeres Leben, mit viel Akohol und st\u00e4ndig neuen Liebhabern. Entsprechend prallen zwei v\u00f6llig unterschiedliche Welten aufeinander, mit denen beide zun\u00e4chst schwer klar kommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Ich mag <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Ida<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> \u2013 aber ehrlich gesagt wundert es mich schon ein wenig, wo diese Favoritenrolle herr\u00fchrt. Mit beklemmenden Schwarz-Wei\u00df-Bildern und einem eingeengten 4:3 Format kommt der Film sehr bieder und unfreundlich daher. Freilich steckt dahinter ein Kalk\u00fcl, denn die Geschichte m\u00f6chte ohne gro\u00dfes Brimborium oder Sch\u00f6nrederei erz\u00e4hlt sein. Aber so viel \u201cRealit\u00e4t\u201c d\u00fcrfte nicht jedermann Geschmack sein.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Leviathan<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Dies gilt noch viel mehr f\u00fcr den russischen Beitrag, der bereits den Golden Globe eingeheimst hat und f\u00fcr den ich pers\u00f6nlich einen tief gehenden Hass empfinde. Nikolai steht kurz davor, sein Haus an die Stadt zu verlieren. Bereits seit Jahren leistet er sich einen bitteren Rechtsstreit gegen den hiesigen B\u00fcrgermeister, jedoch ohne Erfolg. Erst ein guter Freund und Anwalt kommt auf eine gewagte Idee: Er solle eine Schmutzkampagne gegen den B\u00fcrgermeister starten, in dem er irgendwelche zweifelhaften Missetaten ausgr\u00e4bt und ihn damit erpresst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">W\u00e4hrend der Plotansatz noch recht vielversprechend klingt, driftet Leviathan ungef\u00e4hr zur Mitte in eine ganz andere sowie immens frustrierende Richtung. Regisseur Andrei Swjaginzew sieht sein Werk als eine Modernisierung des Buch Hiob \u2013 und bei aller Liebe, aber das ist in Anbetracht der Ereignisse und vor allem des Endes eine sehr gewagte Interpretation.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Im Prinzip macht <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Leviathan<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> kaum etwas falsch und ist rein handwerklich betrachtet sogar einer der besten Filme des Jahres. Aber inhaltlich hat mich die Geschichte und deren Verlauf einfach nur w\u00fctend gemacht, weshalb all die Qualit\u00e4t dahinter f\u00fcr meine Begriffe ins Nirvana verpufft.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Timbuktu<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Eine ebenfalls schwere Kost, die mit dem Thema Ungerechtigkeit hantiert, ist der mauretanische Beitrag namens <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Timbuktu<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">. Darin wird das Leben einzelner Stadtbewohner gezeigt und wie diese mit der Unterdr\u00fcckung einer Al-Qaida-\u00e4hnlichen Gruppe von Dschihadisten klar kommen m\u00fcssen. Anfangs m\u00f6chte <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Timbuktu<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> noch so etwas Mut und Lebensfreude suggerieren, wenn beispielsweise der zufriedene Familienvater mit seiner Frau redet oder Jugendliche sich zum heimlichen Spielen von Musik treffen. Doch je weiter der Film voranschreitet, desto mehr wird klar, dass die Waffengewalt der Unterdr\u00fccker nahezu jede Form der Freiheitsbekundung zu verhindern wissen.<\/span><\/p>\n<p><b style=\"line-height: 1.5;\">Timbuktu<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> ist phasenweise \u00e4hnlich frustrierend wie<\/span><b style=\"line-height: 1.5;\"> Leviathan<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">, aber in einem Rahmen, wie es die Thematik bereits im Vorfeld suggeriert. Dazwischen gibt es immer wieder einen Schimmer der Hoffnung und vor allem einige atemberaubend sch\u00f6ne Bilder, die das W\u00fcstenleben rund um die Stadt in einem gl\u00e4nzenden Licht zeigen. Somit ist <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Timbuktu<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> zwar nicht meine erste, aber eine gute Wahl.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Tangerines<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Spielt im Jahre 1992 zur Zeit eines Sezessionskrieg, bei dem sich die Region Abchasien von Georgien abzuspalten versuchte. In einem kleinen Dorfe leben nur noch zwei M\u00e4nner, die Zeuge eines Konfliktes zweier Parteien werden. Am Ende \u00fcberleben jeweils nur eine Person: ein Soldat aus Georgien und ein S\u00f6ldner aus Tschetschenien, der auf Seiten von Abchasien k\u00e4mpft. Sie werden von den Dorfbewohnern verarztet und versorgt, was zun\u00e4chst auf gegenseitiges Missfallen st\u00f6\u00dft. Doch im Laufe der Zeit merken sie, dass sie einige Gemeinsamkeiten besitzen und es eigentlich viel kl\u00fcger sei, zusammenzuarbeiten anstatt gegeneinander zu k\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Ihr merkt es bereits an der Zusammenfassung: <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Tangerines<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> strotzt nicht gerade vor Originalit\u00e4t, sondern zeigt ganz im Gegenteil eine typische Szene aus einer typischen, vom Krieg gebeutelten Region. Aber genau das macht der Film recht gut, weshalb Spannung und Interesse bis zum Ende aufrecht erhalten bleiben. Besonderes Lob verdient Lembit Ulfsak, der einen der Dorfbewohner spielt, und der wie eine gute Seele den gesamten Plot zusammenh\u00e4lt. Unterm Strich kein Film, der gewinnen sollte, aber sehr wohl einer, der sich seine Nominierung redlich verdient hat.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Wild Tales<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Das beste kommt zum Schluss \u2013 und ich werde hier mit am lautesten jubeln, wenn einige besonders mutige Oscarblogger recht haben und der Underdog aus Argentien siegt. <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Wild Tales<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> ist eine Ansammlung von sechs Kurzgeschichten, die sich allesamt um Rache und Verrat drehen. Mir f\u00e4llt es deshalb auch schwer, eine Zusammenfassung der Handlung zu bieten \u2013 deshalb nur so viel: Bereits der Prolog ist h\u00f6chst originell und zynisch bis ins Mark. Die Idee ist eigentlich v\u00f6llig abstrus, wird aber derart brillant umgesetzt, weshalb man ihn trotz des tiefschwarzen Humors nur lieben kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Auch die anderen Geschichten sind ungeheuer clever gemacht und gr\u00f6\u00dftenteils herrlich witzig gestaltet. Allerdings gibt es auch die eine oder andere Episode, die eher ins dramatische abrutscht \u2013 und nur die wenigsten enden in einer Art Pseudo-Happy-End. Und auch das ist letztlich eine St\u00e4rke von <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Wild Tales<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">, weil ihr wirklich nie wisst, wie welche Geschichte ausgeht. Es ist ein Feuerwerk an skurrilen Ideen und \u00fcberspitzter Situationskomik, die meist in bewusst \u00fcbertrieben dargestellter Gewalt endet und allein daf\u00fcr den Oscar verdient.<\/span><\/p>\n<ol>\n<li>Wild Tales<\/li>\n<li>Ida<\/li>\n<li>Timbuktu<\/li>\n<li>Tangerines<\/li>\n<li>Leviathan<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Cineasten beschweren sich alle Jahre wieder, die Oscar-Verleihung sei zu amerikanisch ausgerichtet \u2013 und w\u00fcrde allenfalls mal einen Briten zu Wort kommen lassen. Dabei ist man sich dieser Problematik durchaus bewusst, weshalb es eben die Kategorie des fremdsprachigen Filmes gibt. Dort erhalten eben jene Werke eine echte Chance auf Gold, die den Academy-W\u00e4hler trotz ihrer \u201cbefremdlichen\u201c Art allein mit ihrer Qualit\u00e4t \u00fcberzeugen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,12],"tags":[],"class_list":["post-995","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-movie","category-movie-awards"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/995","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=995"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/995\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":996,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/995\/revisions\/996"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=995"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=995"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}