{"id":962,"date":"2015-02-12T07:03:57","date_gmt":"2015-02-12T05:03:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=962"},"modified":"2015-02-12T07:05:41","modified_gmt":"2015-02-12T05:05:41","slug":"oscar-analyse-beste-kamera-beste-visuelle-effekte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=962","title":{"rendered":"Oscar-Analyse: Beste Kamera &#038; Beste Visuelle Effekte"},"content":{"rendered":"<h1><span style=\"color: #809fff;\">Beste Kamera<\/span><\/h1>\n<p>W\u00e4r ich faul, dann k\u00f6nnte ich die folgende Oscar-Analyse mit einem Satz abschlie\u00dfen: Gegen\u00fcber<strong> Birdman<\/strong> stinkt jede andere Kameraarbeit des Jahrgangs 2014 nach Pipi. Nun, ich mag gerade nicht faul sein&#8230;<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Ida<\/span><\/h2>\n<p><strong>Ida<\/strong> vertraut der Macht der Schwarz-Wei\u00df-Technik und war f\u00fcr den weniger versierten Oscarwatcher eine der \u201c\u00dcberraschungen\u201c am Nominierungsmittag. Doch wer die letzten Jahre im Hinterkopf hat, der wei\u00df, dass die Wahlberechtigten in dieser Kategorie ein Faible f\u00fcr farblose Kunst haben \u2013 siehe<strong> The Artist<\/strong> oder <strong>Das wei\u00dfe Band<\/strong>.<\/p>\n<p>Nun ist <strong>Ida<\/strong> gut fotografiert und aufgrund des 4:3 Formats der Thematik entsprechend beklemmend. Aber wirklich vom Hocker gehauen hat mich ehrlich gesagt keine der Einstellungen \u2013 das war beim just erw\u00e4hnten <strong>Wei\u00dfen Band<\/strong> von Michael Haneke jedenfalls anders. Insofern ist in meinen Augen nur die Kunst zu honorieren, einen Schwarz-Wei\u00df-Film passend f\u00fcr die heutige Zeit zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">The Grand Budapest Hotel<\/span><\/h2>\n<p>Bedeutend mehr Lob gibt es von meiner Seite f\u00fcr <strong>The Grand Budapest Hotel<\/strong> \u2013 allein daf\u00fcr, dass es \u00fcberhaupt mal ein Werk von Regisseur Wes Anderson in diese Gruppe geschafft hat. Viele der Einstellungen sind statisch und starr: Sie zeigen einzelne R\u00e4ume und zentrale Figuren sch\u00f6n symmetrisch wie \u00fcbersichtlich angeordnet, wie in einem Mini-Kubrick.<\/p>\n<p>Kamerafahrten sind eher selten, aber aufgrund ihrer Schlichtheit umso effektiver. Allein die geschickten Seitw\u00e4rtsbewegungen vermitteln bereits f\u00fcr sich einen grotesken, comichaften Effekt, der den Comedy-Anteil von<strong> The Grand Budapest Hotel<\/strong> verst\u00e4rkt.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Mr. Turner<\/span><\/h2>\n<p>Klassischer und bodenst\u00e4ndiger kommt <strong>Mr. Turner<\/strong> daher. Das hei\u00dft: F\u00fcr ein Kost\u00fcmfilm ist die Kameraarbeit relativ matt anstatt knallig-bunt. Nichtsdestotrotz bekommt ihr ein paar eindrucksvolle Bilder zu Gesicht, allen voran der malerische Sonnenaufgang zu Beginn des Filmes. Aber unterm Strich gibt es f\u00fcr meine Begriffe zu wenige solcher grandiosen Bilder, die in Erinnerung bleiben. In meinen Augen sind es eher die Kost\u00fcme und die Ausstattung, die das Flair des 19. Jahrhunderts einfangen.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Unbroken<\/span><\/h2>\n<p><strong>Unbroken<\/strong> tr\u00e4gt ein \u00e4hnliches Problem mit sich: Die ersten f\u00fcnfzehn Minuten konnten mich noch aufgrund der packend gefilmten Kampfeinstellungen mitrei\u00dfen, danach verlor der Film Szene f\u00fcr Szene an Reiz, was die reine Bildgewalt anbelangt. Nicht falsch verstehen: Roger Deakins ist einer der gr\u00f6\u00dften Kameravirtuosen seiner Generation und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig f\u00fcr einen Oscar. Jedoch w\u00e4re es ein Jammer, wenn er ihn ausgerechnet f\u00fcr <strong>Unbroken<\/strong> bek\u00e4me.<\/p>\n<p>Es fehlt nicht nur an Highlights, sondern vor allem an Originalit\u00e4t: Deakins hat uns bereits so viele wundervolle Bilder gezeigt, weshalb es f\u00fcr ihn immer schwerer wird, uns mit etwas Neuem zu beeindrucken.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Birdman<\/span><\/h2>\n<p>Emanuel Lubezski mangelt es hingegen nicht an neuen Ideen: F\u00fcr mich ist er der beste Kameramann, den es je gegeben hat \u2013 dazu muss ich nur auf<strong> The Tree of Life<\/strong> und<strong> Gravity<\/strong> verweisen, die beide in ihrer Realisation nicht unterschiedlicher sein k\u00f6nnten und in ihrem jeweiligen Bereich die Konkurrenz deklassieren. Und jetzt schenkt Lubezski mit <strong>Birdman<\/strong> nach, einem Film, der fast vollst\u00e4ndig ohne sichtbaren Schnitt auskommt.<\/p>\n<p>Neben hochklassigen Kamerafahrten und pr\u00e4chtigen Einstellungen sind es vor allem die \u00dcberleitungen, die mich sprachlos machen. Sie sind nicht nur originell, sondern machen das von Regisseur Inarritu gew\u00fcnschte Theater-Gef\u00fchl komplett. Und mehr Lob kann ein Kameramann gar nicht bekommen, wenn ein Film aufgrund seiner Arbeit die angepeilte Perfektion erreicht. Eine Tugend, die mich perfide an<strong> Gravity<\/strong> erinnert&#8230;<\/p>\n<p>1. Birdman<br \/>\n2. The Grand Budapest Hotel<br \/>\n3. Mr. Turner<br \/>\n4. Unbroken<br \/>\n5. Ida<\/p>\n<h1><span style=\"color: #809fff;\">Beste visuelle Effekte<\/span><\/h1>\n<p>Die zweite Kategorie, \u00fcber die ich hier und heute sprechen m\u00fcsste, war in den letzten Jahren eng mit der Kameraarbeit verkn\u00fcpft \u2013 zumindest wenn es nach der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ging. Denn seit 2009 wurden beide Preise immer an den gleichen Film vergeben (<strong>Avatar, Inception, Hugo, Life of Pi, Gravity<\/strong>). Doch diesmal ist ein solcher Doppelpack nicht m\u00f6glich, weil es n\u00e4mlich keinen Film gibt, der 2014 f\u00fcr beide Statuetten nominiert ist.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Interstellar<\/span><\/h2>\n<p>Genau genommen gibt es nur einen einzigen Film, der f\u00fcr mehr als zwei Oscars ber\u00fccksichtigt wurde und im Rennen um die besten visuellen Effekte mit dabei ist:<strong> Interstellar<\/strong>. Wird er deshalb gewinnen? Ich vermute es, denn der Film an sich d\u00fcrfte auch derjenige sein, der f\u00fcr die meisten Academy-Mitglieder thematisch betrachtet von Interesse ist.<\/p>\n<p>In der Tat ist<strong> Interstellar<\/strong> wie jeder Film von Christopher Nolan ein echter Hingucker. Dabei sind gerade die Szenen im Weltraum alles andere als auf Hochglanz poliert, sondern vermitteln eher den Eindruck einer leicht griseligen Fernseh\u00fcbertragung. Genau das vermittelt der Geschichte ihre Authentizit\u00e4t \u2013 erst recht wenn das Wurmloch derart genial aussieht. Einzig die TARS-Einheit gef\u00e4llt mir weniger: Das Ding mag zwar praktisch-n\u00fctzlich sein, ist aber einfach nur klobig und h\u00e4sslich.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Guardians of the Galaxy<\/span><\/h2>\n<p>Wer es bunter und verspielter mag, der kommt um<strong> Guardians of the Galaxy<\/strong> nicht herum. Der Film spr\u00fcht nur so vor Farben und abenteuerlichen Wesen, die mich an die TV-Serie Farscape erinnern. Doch wo damals mit Puppen hantiert wurde, ist hier freilich alles gerendert und per Computer animiert. Nehmt dazu noch satt viele Effekte und ihr habt einen typisch-modernen Meister der visuellen Effekte.<\/p>\n<p><strong>Guardians of the Galaxy<\/strong> ist \u00fcberdies f\u00fcr das beste Makeup nominiert und ich denke auch, dass der Film dort mehr Chancen hat. Denn die visuellen Effekte sind zwar fesch, aber der Film wirkt alles in allem recht k\u00fcnstlich und eine Spur zu \u00fcberzogen.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">X-Men: Zukunft ist Vergangenheit<\/span><\/h2>\n<p>Kein Witz: Das hier ist der erste <strong>X-Men<\/strong> Film, der \u00fcberhaupt IRGENDEINE Oscar-Nominierung erhalten hat. \u00dcber 95% des Filmes fragt man sich dann auch, warum gerade dieser Teil die Ehre erhielt \u2013 und dabei unter anderem den letzten Hobbit aus dem Boot kickte. Die verbleibenden f\u00fcnf Prozent beziehen sich auf eine Schl\u00fcsselszene, in der Evan Peters Charakter Quicksilver praktisch die Zeit anh\u00e4lt und allerlei Unsinn anstellt. Das Ergebnis ist nicht nur originell und gewitzt, sondern optisch mehr als beeindruckend. Aber ob eine brillante VFX-Szene allein f\u00fcr einen Oscar reicht?<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">The Return of the First Avenger<\/span><\/h2>\n<p>Der eigentliche Kopfkratzer der Nominierungsliste ist<strong> The Return of the First Avenger<\/strong>. Erneut sind die visuellen Effekte gut und fachgerecht \u2013 aber so was hat man schon tausendfach in anderen Marvel-Umsetzungen gesehen. Der Film ist am ehesten f\u00fcr Liebhaber der Pyrotechnik gedacht \u2013 d.h. zumindest in der Theorie, denn die vielen Explosionen werden sicherlich am Computer entstanden sein.<\/p>\n<p>Und wer wei\u00df: Vielleicht fallen uns deshalb die vergleichsweise \u201cunspektakul\u00e4ren\u201c Effekte weniger auf, weil sie so nahtlos in die \u201cRealit\u00e4t\u201c eingebunden wurden? Insofern ist diese Nominierung dann doch einiges wert und k\u00f6nnte ihre Liebhaber unter der Academy finden.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Planet der Affen Revolution<\/span><\/h2>\n<p>W\u00e4re die Welt gerecht, dann m\u00fcsste es jedenfalls der <strong>Planet der Affen Revolution<\/strong> machen \u2013 doch bereits der Vorg\u00e4nger verlor vor drei Jahren gegen <strong>Hugo<\/strong>. Und warum? Weil letztgenannter Film ein Best-Picture-Kandidat war und ein solcher immer gewinnt&#8230; eine Statistik, die traurigerweise nur einmal anno 1970 gebrochen wurde, als<strong> Tora! Tora! Tora!<\/strong> gegen\u00fcber <strong>Patton<\/strong> obsiegte.<\/p>\n<p>Diesmal ist kein solches Hindernis in Sicht, weshalb es die unglaublich realistisch aussehende Mensch-zu-Affen-Transformation sogar schaffen k\u00f6nnte. Zwar sieht das Ergebnis etwas k\u00fcnstlicher aus als im Falle des Vorg\u00e4ngers \u2013 aber das liegt eher am Setting, welches aufgrund der unvermeidlichen Storyentwicklung ein ganzes St\u00fcckchen utopischer ist.<\/p>\n<p>Das Hauptproblem ist eher, dass nun einige W\u00e4hler denken k\u00f6nnten: \u201eHm, das gab&#8217;s ja schon vor drei Jahren in gleicher Qualit\u00e4t \u2013 wieso sollten wir jetzt f\u00fcr diese \u201cWiederholung\u201c den Oscar rausr\u00fccken?\u201c. Einfache Antwort: Weil ihr es damals nicht getan habt&#8230;<\/p>\n<p>1. Planet der Affen Revolution<br \/>\n2. Interstellar<br \/>\n3. Guardians of the Galaxy<br \/>\n4. The Return of the First Avenger<br \/>\n5. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beste Kamera W\u00e4r ich faul, dann k\u00f6nnte ich die folgende Oscar-Analyse mit einem Satz abschlie\u00dfen: Gegen\u00fcber Birdman stinkt jede andere Kameraarbeit des Jahrgangs 2014 nach Pipi. 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