{"id":956,"date":"2015-02-10T16:54:41","date_gmt":"2015-02-10T14:54:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=956"},"modified":"2015-02-10T16:56:25","modified_gmt":"2015-02-10T14:56:25","slug":"956","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=956","title":{"rendered":"Oscar-Analyse: Beste Regie"},"content":{"rendered":"<p>Beste Regie ist die wichtigste Auszeichnung abseits Bester Film. Warum? Weil hier der Mann oder die Frau honoriert wird, die hinter der eigentlichen Ausf\u00fchrung steckt. Oft gehen beide Preise Hand in Hand und werden an den gleichen Film vergeben \u2013 doch manchmal gibt es eben diesen feinen, kleinen Unterschied, der einen sogenannten &#8222;Split&#8220; rechtfertigt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Richard Linklater (Boyhood)<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Und w\u00e4hrend ich bez\u00fcglich &#8222;Bester Film 2014&#8220; noch uneins bin, so steht mein pers\u00f6nlicher Gewinner f\u00fcr die beste Regiearbeit bereits seit August fest. <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Boyhood<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> w\u00e4re ein gew\u00f6hnlicher Film, wenn Richard Linklater nicht auf diese wahnsinnige Idee gekommen w\u00e4re, \u00fcber 12 Jahre lang das Heranwachsen eines Jungen vom Kind zum Mann zu drehen und den Stoff auf drei Stunden zu komprimieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Es bedarf nicht nur enorm viel Weitsicht bez\u00fcglich des Drehbuchs, sondern unglaublichen Mut, ein solches Vorhaben durchzuziehen. Das dann am Ende auch noch ein Film herausspringt, der in Punkto Glaubw\u00fcrdigkeit und Wirkung einen deutlichen Unterschied ausmacht, als wenn er auf &#8222;gew\u00f6hnliche&#8220; Weise enstanden w\u00e4re, war alles andere als selbstredend. Aber <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Boyhood<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> funktioniert einfach \u2013 aufgrund der Idee, der Umsetzung und dem Willen, daran festzuhalten.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Alejandro Gonz\u00e1lez I\u00f1\u00e1rritu (Birdman)<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Der einzige Auteur, der ansatzweise an diese Leistung heranreicht, ist Alejandro Gonz\u00e1lez I\u00f1\u00e1rritu. Seine Vision \u00fcber <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Birdman<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> geht weit \u00fcber das One-Take-Gimmick hinaus. Er hat sein eigenes Drehbuch und die vielen Schichten, die darin enthalten sind, auf eine herausragende Weise geordnet und auf Zelloloid gebannt. Die nahtlosen \u00dcberg\u00e4nge von einer Szene zur anderen sind genauso sein Verdienst, wie die hervorragende schauspielerische Arbeit, f\u00fcr deren Leitung er verantwortlich war.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">\u00c4hnlich wie im Falle von <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Boyhood <\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">sehe ich in <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Birdman <\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">einen Film, den I\u00f1\u00e1rritu tief in seinem Herzen getragen haben muss und der in genau der Form, wie er sie sich gew\u00fcnscht hat, realisiert wurde. Ich sehe keine Kompromisse und keine Eingest\u00e4ndnisse. Gleichzeitig bietet der Film oberfl\u00e4chlich betrachtet leichte Unterhaltung, im Kern eine trickreich versteckte Tiefe und obendrauf das Gef\u00fchl, einmalig zu sein. Solch ein Win-Win-Win-Szenario schaffen nur die wenigsten Regisseure.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Wes Anderson (The Grand Budapest Hotel)<\/span><\/h2>\n<p><b style=\"line-height: 1.5;\">Boyhood <\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">und <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Birdman<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> m\u00f6gen klar \u00fcber allem anderen stehen, was 2014 die Welt der Kinoleinwand bev\u00f6lkert hat. Aber das soll beileibe nicht die Arbeit des Runner-Ups schm\u00e4lern, der da hei\u00dft: Wes Anderson. Ich bin bereits seit Jahren ein gro\u00dfer Fan seiner quirkigen Kom\u00f6dien, die einfach &#8222;anders&#8220; sind. Mit <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">The Grand Budapest Hotel<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> hat er sich selbst \u00fcbertroffen und seinen Stil auf die Spitze getrieben.<\/span><\/p>\n<p><b style=\"line-height: 1.5;\">The Grand Budapest Hotel<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> wirkt aufgrund des skurilen Settings eine ganze Ecke einmaliger, als alles was Anderson zuvor geschaffen hat. Hinzu schafft es kein anderer Auteur so gut, ber\u00fchmte Schauspieler auf \u00fcberzogen dargestellte Stereotypen zu reduzieren und trotzdem den Zuschauer nicht zu langweilen, sondern ganz im Gegenteil zu am\u00fcsieren. Was sicherlich geholfen haben d\u00fcrfte, ist die Verpflichtung von Ralph Fiennes als Concierge Monsieur Gustave H: Nur Anderson ist in der Lage, einen solch als seri\u00f6s bekannten Mimen auf eine der brillantesten Comicfiguren der Filmhistorie zu reduzieren.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Morten Tyldum (The Imitation Game)<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">In aller Regelm\u00e4\u00dfigkeit ploppt am Tag der Nominierungen ein Name auf, der allgemein f\u00fcr Missmut sorgt. In der Tat riecht Morten Tyldums Erw\u00e4hnung eher nach &#8222;der Film war beliebt&#8220; anstatt &#8222;seine Regie war au\u00dfergew\u00f6hnlich&#8220;. <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">The Imitation Game<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> lebt eher von seinem Drehbuch und allgemein der tragischen Hintergrundgeschichte Alan Turings.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Tyldum macht bei der Umsetzung keine nennenswerten Fehler, verpasst aber, der Geschichte seinen eigenen Stempel aufzudr\u00fccken. Einzig die Zeitspr\u00fcnge funktionieren auffallend gut und lassen den Zuschauer ohne Zweifel darin, welche Szene in welcher Dekade spielt. Von dieser Leistung abgesehen gibt es jedoch in meinen Augen keinen Grund, Tyldum f\u00fcr seine Arbeit einen Oscar auszuh\u00e4ndigen.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Bennett Miller (Foxcatcher)<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Ich werde noch einen Artikel \u00fcber <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Foxcatcher<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> nachreichen, weil der Film eine besondere Anomalie bez\u00fcglich der Oscar-Verleihung darstellt. Er wurde schlie\u00dflich f\u00fcr einige sehr wichtige Preise nominiert und hat es trotzdem verpasst, in die Best-Picture-Riege aufgenommen zu werden \u2013 und das obwohl dort bis zu zehn Kandidaten m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">So oder so war Millers Nominierung die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung, da er abseits seines fr\u00fchen Sieges in Cannes nirgends sonst f\u00fcr seine Regiearbeit gew\u00fcrdigt wurde. Ohne die Werke von Eastwood, DuVernay oder Chazelle gesehen zu haben, kann ich rein auf <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Foxcatcher<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> blickend den Regisseuren der Academy-Mitglieder f\u00fcr ihre Wahl nur gratulieren. Der Film ist wahrlich nicht jedermans Sache, aber Miller packt einige sehr sch\u00f6ne Kniffe aus, den unattraktiven Stoff fachgerecht zu verarbeiten. Zudem kitzelt er speziell aus Steve Carrell oder Channing Tatum herausragende Leistungen, die man den beiden Herren in dieser Form nie zugetraut h\u00e4tte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Zu guter Letzt kann man Ringersport halten, was man will: Die Wettkampfszenen sind sehr gut choreographiert und suggerieren selbst mir als Laie, wieso da jetzt der eine gewonnen und der andere verloren hat. Und wer einmal bei solch einer Disziplin in Olympia reingeschaltet hat, der wei\u00df, dass das alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist&#8230;<\/span><\/p>\n<ol>\n<li>Richard Linklater (Boyhood)<\/li>\n<li>Alejandro Gonz\u00e1lez I\u00f1\u00e1rritu (Birdman)<\/li>\n<li>Wes Anderson (The Grand Budapest Hotel)<\/li>\n<li>Bennett Miller (Foxcatcher)<\/li>\n<li>Morten Tyldum (The Imitation Game)<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beste Regie ist die wichtigste Auszeichnung abseits Bester Film. Warum? Weil hier der Mann oder die Frau honoriert wird, die hinter der eigentlichen Ausf\u00fchrung steckt. 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