{"id":6675,"date":"2019-02-27T21:06:16","date_gmt":"2019-02-27T19:06:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6675"},"modified":"2019-02-27T21:06:18","modified_gmt":"2019-02-27T19:06:18","slug":"oscar-aftermath-warum-green-book-fuer-mich-o-k-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6675","title":{"rendered":"Oscar-Aftermath: Warum Green Book f\u00fcr mich O.k. ist"},"content":{"rendered":"<p><b>The Artist<\/b>&#8230; <b>Slumdog Millionaire<\/b>&#8230; <b>Million Dollar Baby<\/b>&#8230; <b>Lord of the Rings: Return of the King<\/b>&#8230;<b>Chicago<\/b>&#8230; <b>Gladiator<\/b>&#8230; <b>American Beauty<\/b>&#8230; <b>Titanic<\/b>: Lange Zeit war ich \u201egesegnet\u201c.<\/p>\n<p><!--more-->Ich verfolge die Oscar-Verleihung akribisch seit James Cameron wirklich alles mit seinem sinkenden Schiff gewann und habe seither einen Gro\u00dfteil der Best-Picture-Nominees im Nachhinein nachgeholt \u2013 bis zur Steinzeit zur\u00fcck! Von 1997 bis 2011 gewann mein pers\u00f6nlicher Lieblingsfilm des Jahres acht Mal, was mir schon immer ungew\u00f6hnlich viel vorkam. Doch seither habe ich anscheinend eine \u201ePechstr\u00e4hne\u201c. Manchmal f\u00fchlte es sich an, als ob ich mit <b>Gravity<\/b>, <b>Boyhood<\/b> oder <b>La La Land<\/b> auf das falsche Pferd gesetzt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte nun das gleiche \u00fcber <b>Roma<\/b> sagen, einen Film den ich weit \u00fcber alles aus dem Jahrgang 2018 verehre. Trotzdem komme ich mit <b>Green Book<\/b> als Best Picture klar. Vielleicht bin ich auch etwas abgeh\u00e4rtet, nachdem vor zwei Jahren dem vermeintlichen Sieger der Oscar regelrecht aus den H\u00e4nden entrissen wurde.<\/p>\n<p>Wie ich bereits bei meinem Oscar-Tippschein erw\u00e4hnte, war 2018 ein gutes Filmjahr \u2013 also f\u00fcr mich, meinen Geschmack, was auch immer. Ich konnte allen acht Kandidaten etwas abgewinnen und h\u00e4tte sieben den Sieg geg\u00f6nnt. Das gilt auch f\u00fcr <b>Green Book<\/b>.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kommt jetzt die Kritik aus allen Seiten geschossen, die sich vor allem auf einen Aspekt konzentriert: der weichgesp\u00fclte Rassismus mit seiner wundersamen Heilung und dem Magical-Negro-Makel. Der Film versuche einen auf heile Welt zu machen, was angesichts der rein wei\u00dfen Drehbuchautoren mehr als zynisch klinge. Die Familie von Don Shirley distanziert sich von der Umsetzung, weil der begnadete Pianist nie und nimmer mit seinem Fahrer befreundet gewesen w\u00e4re \u2013 und er letztlich als billiges Stilmittel missbraucht werde, um den italioamerikaner Tony Lip von seinen Vorurteilen zu befreien.<\/p>\n<p>Was bei all der Diskussion viele vergessen: <b>Green Book<\/b> m\u00f6chte in erster Linie lustig sein. Es ist eine Kom\u00f6die, die clever geschrieben und gut umgesetzt ist. Sie lebt von pointenreichen Dialogen, am\u00fcsanten Charakteren und einer dezenten Portion Slapstick. In der Hinsicht ist der Film ein voller Erfolg und in der Tat Best-Picture-w\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Und, ja: <b>Green Book<\/b> erz\u00e4hlt vornehmlich die Geschichte von Tony Lip, basierend auf seinen Erz\u00e4hlungen \u2013 kein Wunder, wenn das Drehbuch von seinem eigenen Sohn stammt. H\u00e4tte er sich wirklich vorher mit Don Shirleys Familie auseinander setzen m\u00fcssen? M\u00f6glich \u2013 aber darum ging es ihm nicht. Die Rassenthematik war f\u00fcr ihn zweitrangig: Er wollte einfach einen sch\u00f6nen, leicht zug\u00e4nglichen und am\u00fcsanten Film \u00fcber seinen Vater schreiben, der laut seinen Aussagen eine Freundschaft mit einem kauzigen Pianist aufbaute. Deshalb musste ich schon leicht die Augen rollen, als in einem Boulevard-Internet-Magazin <b>Green Book<\/b> als Rassendrama bezeichnet wurde.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch f\u00fcr mich etwas, was mich aufregt \u2013 und ich bin heilfroh, dass Sasha Stone von Awardsdaily, eine der besten und versiertsten Oscar-Blogger \u00fcberhaupt, es genau so sieht: Warum wird jetzt auf der Academy rumgetrampelt? Sie waren beileibe nicht die einzigen, die <b>Green Book<\/b> als Bester Film ausgezeichnet haben. Das gilt auch f\u00fcr den Publikumspreis in Toronto (wo er bereits gegen <b>Roma<\/b> antrat), den Producer Guild Award (mit exakt der gleichen Konkurrenz plus zwei weiteren Filmen) und den Golden Globe (in der passenden Sparte Comedy\/Musical).<\/p>\n<p>Schon immer werden der Academy S\u00fcnden angerechnet, die nur bedingt auf ihren Mist wachsen. \u201eUmstrittene\u201c Best-Picture-Sieger in der Vergangenheit schlie\u00dfen beispielsweise <b>The Greatest Show on Earth<\/b>, <b>Ordinary People<\/b> oder <b>Dances with Wolves<\/b> ein \u2013 die allesamt <b>vorher<\/b> bereits bei den Golden Globes vor <b>High Noon<\/b>, <b>Raging Bull<\/b> sowie <b>Goodfellas<\/b> gewannen!<\/p>\n<p>Die Filme, die in der Tat ohne gro\u00dfe Auszeichnungen im Vorfeld Best Picture abr\u00e4umten, hei\u00dfen <b>Braveheart<\/b> (angeblich dank der ersten, effektiven Screener-Kampagne, weshalb alle Academy-W\u00e4hler den Film in Ruhe auf VHS sehen konnten) und <b>Crash<\/b> (das trotz angeblicher Rassenhass-Weichsp\u00fclerei erstaunlich viele Preise von afroamerikanischen Kritikervereinigungen einheimste). Und selbst diese Kandidaten haben jeweils enthusiastische Fans, die sich mit Film und Filmkunst auskennen und die Siege bis heute verteidigen. Schaut euch hierzu mal die IMDB-Durchschnittsbewertungen an, die alles andere als niedrig ausfallen.<\/p>\n<p>Nein, das Problem liegt nach wie vor wo ganz anders begraben: Ein Best-Picture-Sieg ist in aller Regel ein Makel. H\u00e4tten <b>Roma<\/b>, <b>Black Panther<\/b> oder <b>Bohemian Rhapsody<\/b> gewonnen, dann w\u00fcrden sie jetzt genau so eins auf den Deckel bekommen \u2013 nur eben aus anderen Gr\u00fcnden. Immer seltener werden die positiven Stimmen, die im Nachhinein eintrudeln. Am Ende wei\u00df man nicht mal, ob die Schreiberlinge verletzt, entt\u00e4uscht oder w\u00fctend sind.<\/p>\n<p>Alles in allem nehmen sie es viel zu pers\u00f6nlich, wenn nicht ihr Liebling oder besser gesagt ihre Meinung gewinnt. Und ja, auch mir passiert das ab und an \u2013 ihr h\u00e4ttet mich mal nach dem letztj\u00e4hrigen <b>Game-of-Thrones<\/b>-Sieg bei den Emmys sehen sollen. Aber das ist im Endeffekt auf MEINEN Mist gewachsen \u2013 und nicht auf den von irgendeiner Preisverleihung.<\/p>\n<p>Nochmal zum Mitschreiben: <b>Es gibt nicht einen besten Film des Jahres<\/b>. Daran kann auch die Academy nichts \u00e4ndern, wenn die Bandbreite so vielschichtig und die Auswahl nur schwer zu meistern ist. Es bringt auch nichts, sich \u00fcber vereinzelte Mitglieder zu beschweren, die laut eigener Aussage niemals einen Marvel-Film sehen w\u00fcrden, auf gar keinen Fall Netflix helfen wollen oder per Haus jedes Werk von Steven Spielberg unterst\u00fctzen. Es sind am Ende Menschen, die da w\u00e4hlen \u2013 und zwar ein paar Tausend, weshalb man solche Einzelberichte nicht zu sehr auf die Goldwaage legen sollten. Schlie\u00dflich bekommen auch die Herren Journalisten am ehesten jene Meinungen aufs Papier, die gezielt strittig oder skandal\u00f6s klingen.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt mir in der Tat schwer zu schreiben: Viele k\u00f6nnen mit <b>Roma<\/b> aber auch rein gar nichts anfangen. Der lustigste und zugleich verletztendste Spitzname, den ich bislang gelesen habe, lautet <b>Coma<\/b>. Solche Leute verstehen unter einem tollen Film etwas anderes, als eine Hommage an ein Kinderm\u00e4dchen \u2013 in Schwarz-Wei\u00df \u2013 und ja, mit Untertiteln. Es hat schon seinen Grund, warum weltweit betrachtet Best-Picture-Kandidaten aus dem jeweiligen Land stammen. Au\u00dfer in Cannes vielleicht, aber die dort pr\u00e4mierten Filme sind ja noch weiter vom Mainstream entfernt, weshalb ich nicht mal die  H\u00e4lfte von ihnen gesehen habe.<\/p>\n<p>Was kann die Academy dagegen machen? Eigentlich nur eines: Klar stellen, was Best Picture hei\u00dft, n\u00e4mlich der IHRER Meinung nach beste Film. In den Anf\u00e4ngen der Verleihung gab es eine bessere Bezeichnung: Outstanding Motion Picture. Wie w\u00e4re es damit? Und das gleich bei der n\u00e4chsten Promo-Kampagne unterstreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Artist&#8230; Slumdog Millionaire&#8230; Million Dollar Baby&#8230; Lord of the Rings: Return of the King&#8230;Chicago&#8230; Gladiator&#8230; American Beauty&#8230; Titanic: Lange Zeit war ich \u201egesegnet\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,1,12],"tags":[],"class_list":["post-6675","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-movie","category-allgemein","category-movie-awards"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6675"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6677,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6675\/revisions\/6677"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}