{"id":6599,"date":"2019-02-24T01:03:21","date_gmt":"2019-02-23T23:03:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6599"},"modified":"2021-07-12T23:59:50","modified_gmt":"2021-07-12T21:59:50","slug":"a-star-is-born","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6599","title":{"rendered":"A Star is Born"},"content":{"rendered":"<p>Remakes sind f\u00fcr mich ein Paradoxon. Sie sind extrem verhasst und jede Ank\u00fcndigung dieser Art wird mit \u00e4tzenden Kommentaren begleitet. Hollywood falle nichts mehr Neues ein und zerst\u00f6re daf\u00fcr die geliebten Filme unserer Jugendzeit. Dabei vergessen viele, dass a) die alten Originale nach wie vor existieren und b) manchmal dann doch auch etwas wirklich gutes bei so einer Neuauflage herausspringen kann.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nJackson Maine ist ein bekanntes Gesicht unter den Country-S\u00e4ngern, der jedoch zunehmend mit Alkohol und einer Tinnitus-Erkrankung zu k\u00e4mpfen hat. Er sieht sich bereits tief am Boden liegen, als er die junge Ally kennen lernt. Jackson wei\u00df gar nicht, wie ihm geschieht und in was er sich als erstes verlieben soll: in eine Frau oder ihre Gesangsstimme.<\/p>\n<p>Die beiden freunden sich schnell an und Jackson ermutigt Ally, ihr Talent zu zeigen. Sie entpuppt sich \u00fcberdies als hervorragende Songschreiberin, was ihn umso mehr fasziniert. Deshalb l\u00e4dt er sie zu einem Konzert ein und schafft es, sie auf die B\u00fchne zu locken. Als Ally im tosenden Jubel seiner Fans zu singen beginnt, ist bereits alles klar: ein neuer Stern geht auf.<\/p>\n<p><b>A Star is Born<\/b> ist eine uralte Geschichte, die erstmals 1937 von William A. Wellman konzipiert und gedreht wurde. Danach gab es bereits zwei weitere Hollywood-Remakes (jeweils einmal 1954 und 1976), deren Handlungen sich sehr \u00e4hneln. Einer der gr\u00f6\u00dften Unterschiede zwischen damals und heute: Urspr\u00fcnglich waren sie und er Schauspieler anstatt Musiker. Aber das Prinzip, die Entwicklung und das unvermeidlich tragische Ende sind gleich geblieben.<\/p>\n<p>Was also m\u00f6chte Bradley Cooper uns mit seiner Interpretation zeigen, was wir nicht schon hundertfach gesehen haben? Schlie\u00dflich ist die Geschichte auch ohne Remake-Makel derart 08\/15, weshalb sie nach Klischee triefen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Bradley Coopers <b>A Star is Born<\/b> ist einer der besten Filme des Jahres 2018, eben genau WEIL er einen so alten Stoff auf ein derart hohes Niveau transferiert. Nicht einmal hatte ich das Gef\u00fchl, hier einen alten Schinken aufgekocht zu bekommen. Allein die Chemie zwischen ihm als Jackson Maine und Lady Gaga als Ally ist sensationell. Ehrlich: Ich wei\u00df nicht, wann ich das letzte Mal ein so perfekt harmonierendes Paar auf dem Bildschirm gesehen habe.<\/p>\n<p>Zu verdanken ist diese Kunst Bradley Cooper dem Regisseur, Bradley Cooper dem Drehbuchautor, Bradley Cooper dem Hauptdarsteller und nat\u00fcrlich Lady Gaga als Hauptdarstellerin. Ich wei\u00df auch gar nicht, was mich mehr umhaut: Das letztere tats\u00e4chlich so gut schauspielern wie singen kann? Ihre Ally ist nicht nur ein \u201esch\u00f6nes Ding\u201c oder die schn\u00f6de Selbstdarstellung einer ber\u00fchmten Musikerin. Sie ist nat\u00fcrlich, sie ist bodenst\u00e4ndig und sie ist charmant. Egal ob in ihren sch\u00fcchternen Momenten am Anfang, ihrer Bew\u00e4ltigung des pl\u00f6tzlichen Ruhms oder den Konfrontationen mit Jackson: Ich hatte nicht einmal das Gef\u00fchl, einer Figur ins Gesicht zu sehen. Nein: Das ist Ally, die da \u00fcber die Leinwand l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Das gleiche gilt f\u00fcr Bradley Cooper, der die Rolle seines Lebens hinlegt. Ich bin eh seit <b>Silver Linings Playbook<\/b> ein Riesenfan seiner Schauspielkunst. Zudem haben er und Regisseur Clint Eastwood daf\u00fcr gesorgt, dass ich solch einen kritischen Stoff wie jenen in <b>American Sniper<\/b> durchhalten konnte. Cooper ist ein genialer und begnadeter Schauspieler, der in seinen wirklich guten Leistungen komplett aufgeht.<\/p>\n<p>Und nun zeigt er auch noch ein Talent als Regisseur, in dem er uralten Stoff in einem wunderh\u00fcbschen Gewand zeigt. Einzig die Schlussszene wirkt auf mich im ersten Moment sehr schnulzig, sehr schmalzig, sehr kitschig. Es h\u00e4tte mir beinahe einen durchweg grandiosen Film madig gemacht \u2013 und dann kommt dieser eine Cut, der alles wieder wett macht. Als ob Cooper gewusst habe: Ich muss hier \u00fcbertreiben, um mit dem \u00fcberraschenden Stimmungswechsel umso mehr zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Doch die beste Szene, ihr kennt sie wohl schon alle: Es ist jene, in der Ally ihren ersten Auftritt auf der B\u00fchne hat. Guckt sie euch an, rahmt es ein, h\u00e4ngt es an die Wand: das ist absolute, pure, glorreiche, essentielle, wertvolle, fulminante Perfektion in Reinkultur. Schnitt, Schauspieler, Kamera, Kulisse, Sound, Farben, Duft, Aura, ich habe in dieser Szene durchgeheult, weil sie so gut ist.<\/p>\n<p>Und heute Nacht werde ich es wieder, weil Bradley Cooper nichts gewinnen wird. Nicht einen Oscar. F\u00fcr die beste Regie ist es nicht mal theoretisch m\u00f6glich, weil er der gro\u00dfe \u00dcberraschungsfehlende war.<\/p>\n<p>All die vielen Lobeshymnen und Gildennominierungen bringen nix, wenn kein Preis herausspringt. Kein anderer Oscar-Kandidat ist so hoch gestiegen und um derart brutal zu fallen. Das n\u00fcchterne Fazit der Industrie: <b>A Star is Born<\/b> sei am Ende dann doch nur ein Remake eines Remakes eine Remakes. Und Lady Gaga habe keine tollen Dankesreden bei Golden Globe und Critics Choice Award gehalten. So viel kann ich gar nicht essen, wie ich kotzen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Um das gleich klar zu stellen: Ich bestehe nicht auf Best Picture \u2013 auch in meiner Rangliste landet <b>A Star is Born<\/b> \u201enur\u201c auf Platz Zwei. Das gleiche w\u00fcrde f\u00fcr die Regie gelten, aber das ist eh kein Thema mehr. Doch was ist mit dem Hauptdarsteller? Hier f\u00fchle ich mich wie mein gesch\u00e4tzter Kollege Andreas M\u00fcller von Polygamia, der vor vier Jahren verzweifelt die vielen Verluste mitansehen musste, die Michael Keaten f\u00fcr <b>Birdman<\/b> gegen\u00fcber Eddie Redmayne in <b>Theory of Everything<\/b> einfuhr.<\/p>\n<p>Bei mir ist es der Rami, der Malek, der mich trotz seiner durchaus beachtens- sowie auszeichnungsw\u00fcrdigen Leistung traurig macht. Dabei verteidige ich eher die Rollen, die gekonnt eine reale Pers\u00f6nlichkeit kopieren. Hier und heute nicht: Diesmal bin ich auf der Seite der Kreativit\u00e4t, in der ein Schauspieler seine eigene Figur erschaffen und lebendig machen muss. Und weshalb Cooper meinen Oscar f\u00fcr das Jahr 2018 sicher hat.<\/p>\n<p><b><i>Nominiert f\u00fcr: Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Bradley Cooper), Beste Hauptdarstellerin (Lady Gaga), Bester Nebendarsteller (Sam Elliott), Bestes Adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Bester Song (Shallow), Bester Ton.<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Remakes sind f\u00fcr mich ein Paradoxon. Sie sind extrem verhasst und jede Ank\u00fcndigung dieser Art wird mit \u00e4tzenden Kommentaren begleitet. Hollywood falle nichts mehr Neues ein und zerst\u00f6re daf\u00fcr die geliebten Filme unserer Jugendzeit. 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