{"id":6591,"date":"2019-02-23T06:33:58","date_gmt":"2019-02-23T04:33:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6591"},"modified":"2021-07-12T23:59:44","modified_gmt":"2021-07-12T21:59:44","slug":"vice","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6591","title":{"rendered":"VICE"},"content":{"rendered":"<p><b>JFK<\/b> z\u00e4hlt zu den besten und beliebtesten Filmen des Jahres 1991. Er war f\u00fcr acht Oscars nominiert und gewann immerhin f\u00fcr die Beste Kamera sowie den Besten Filmschnitt. Zudem siegte Oliver Stone als Bester Regisseur bei den Golden Globes. Allerdings hat seine Interpretation \u00fcber die Ermordung von John F. Kennedy ein klitzekleines Problem: die Wahrheit&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWer ist Schuld an der Misere, in der Amerika steckt? Warum tut das Land einen Schei\u00df gegen den Klimawandel? Weshalb mussten mehr als eine halbe Millionen Menschen beim v\u00f6llig sinnlosen Irak-Krieg sterben? Geht es nach dem Film <b>VICE<\/b>, dann lautet die Antwort mehr oder weniger: Dick Cheney, der Vize-Pr\u00e4seident von George W. Bush.<\/p>\n<p>Regisseur Adam McKay ist fair genug und warnt den Zuschauer. Er beschreibe eine wahre Geschichte \u2013 oder besser gesagt so wahr wie es nur sein k\u00f6nne, weil Cheney eine der Geheimnis umwobensten F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten der j\u00fcngeren Geschichte sei. Allerdings habe man sich \u201eschei\u00df M\u00fche\u201c gegeben, das beste herauszuholen.<\/p>\n<p>Nicht wenige kritisieren <b>VICE<\/b> gerade aufgrund dieser Aussage, weil sich der Film ein paar abenteuerliche Freiheiten nimmt. Das sei doch keine \u201eschei\u00df M\u00fche\u201c &#8211; und ich sch\u00fcttele nur den Kopf, weil diese Leute die Ironie nicht verstanden haben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist <b>VICE<\/b> alles andere als wahr: Es ist eine Karikatur, wo allenfalls deren Star Christan Bale als Dick Cheney auf mich seri\u00f6s wirkt. Allein Steve Carrell als Donald Rumsfeld ist derart \u00fcberzogen \u2013 es ist so offenstichtlich, dass McKay ihn nicht im buchst\u00e4blichen Sinne ernst meint! Die Golden Globes haben das entsprechend erkannt und <b>VICE<\/b> mit dr\u00f6lfzig Millionen Nominierungen bedacht \u2013 in der Kategorie Comedy or Musical, wohlgemerkt.<\/p>\n<p>Der Film ist gr\u00f6\u00dftenteils chronologisch, springt aber gerade am Anfang gerne mal weit in die Zukunft. Zu keinem Zeitpunkt wirkt er dabei zerfasert oder gar un\u00fcbersichtlich, weshalb <b>VICE<\/b> zurecht einer der Favoriten f\u00fcr den Besten Filmschnitt ist.<\/p>\n<p>Cheney wird bereits als scheiternder Student gezeigt, dessen Jugendliebe und k\u00fcnftige Ehefrau Lynne alles andere als nett mit ihm umspringt. Sie brauche ihn schlie\u00dflich f\u00fcr ihre Machtanspr\u00fcche, die sie als Frau niemals ausleben k\u00f6nne. Danach springt die Geschichte zu verschiedenen Positionen, darunter sein Amt als Verteidigungsminister f\u00fcr Papa Bush oder seine Besch\u00e4ftigung als CEO bei Halliburton. Die Vizepr\u00e4sidentschaft kommt eigentlich nur in der zweiten Filmh\u00e4lfte so richtig zum Einsatz \u2013 und wirkt doch durch die besagten Vorblenden wie eine allm\u00e4chtige Pr\u00e4senz.<\/p>\n<p>Cheney wird weniger als korrupt oder skrupellos dargestellt: Er wirkt auf mich einfach knallhart kalkulierend. Der einzige, der am 11. September einen k\u00fchlen Kopf bewahrt und v\u00f6llig ruhig ist. Laut McKay empfindet er Macht als \u00fcberaus reizvoll, ohne wirklich etwas mit ihr anfangen zu wollen. Es geht einfach nur darum, dass ER kann was ER will \u2013 egal ob es sinnvoll ist oder nicht.<\/p>\n<p>Christian Bale ist so gut in dieser Rolle, weshalb man phasenweise so etwas sie Sympathie f\u00fcr Cheney f\u00fchlt \u2013 speziell wenn er seine lesbische Tochter verteidigt und deshalb auf eine Kandidatur als Pr\u00e4sident verzichtet. Dies hat mich den ganzen Film \u00fcber mehr als irritiert, bis zum bitteren Ende (Achtung, Heavy-Spoiler): Cheney bekommt ein neues Herz verpflanzt und parallel dazu gibt er seiner anderen Tochter, die f\u00fcr den Kongress kandidiert, das \u201eO.k.\u201c: Ja, du darfst dich \u00f6ffentlich gegen die Homo-Ehe aussprechen.<\/p>\n<p>Dies ist der einzige Punkt, den McKay von der Wahrheit her verdreht und der mich wirklich st\u00f6rt: weil er nichts karikiert, sondern der Verteufelung Cheneys dient. Nat\u00fcrlich verstehe ich die Intention dahinter, n\u00e4mlich den Mann unmissverst\u00e4ndlich als Arschloch zu charakterisieren. Aber bitte nicht so \u2013 denn das streut nur Wasser in die M\u00fchlen derer, die mit roten MAGA-M\u00fctzen nach \u201eFake News!\u201c schreien.<\/p>\n<p>Ansonsten ist <b>VICE<\/b> brillant und lebt vor allem von seinem schnippischen Tonfall \u2013 beispielsweise wenn McKay so tut, als ob Cheney sich komplett aus dem Politleben zur\u00fcckgezogen habe, gl\u00fccklich mit seiner Frau seinen Lebensabend verbringe und mitten im Film die Credits \u00fcber der Leinwand flimmern \u2013 nur um uns mit dem schrillen Telefonklingeln aufzuwecken, der ihm das Amt des Vizepr\u00e4sidenten einbringt.<\/p>\n<p>Es ist gerade dieses Einstreuen solch surrealer Momente, die bereits <b>The Big Short<\/b> so gro\u00df gemacht haben \u2013 und weshalb Adam McKay innerhalb von ein paar Jahren zu den kreativisten Regisseuren sowie Drehbuchautoren seiner Generation aufgestiegen sind. Wer h\u00e4tte das nach <b>Anchorman<\/b> gedacht?<\/p>\n<p><b><i>Nominiert f\u00fcr: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Christian Bale), Bester Nebendarsteller (Sam Rockwell), Beste Nebendarstellerin (Amy Adams), Bestes Original-Drehbuch, Bester Filmschnitt, Bestes Makeup.<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>JFK z\u00e4hlt zu den besten und beliebtesten Filmen des Jahres 1991. Er war f\u00fcr acht Oscars nominiert und gewann immerhin f\u00fcr die Beste Kamera sowie den Besten Filmschnitt. Zudem siegte Oliver Stone als Bester Regisseur bei den Golden Globes. Allerdings hat seine Interpretation \u00fcber die Ermordung von John F. 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