{"id":6588,"date":"2019-02-23T06:31:00","date_gmt":"2019-02-23T04:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6588"},"modified":"2021-07-12T23:59:39","modified_gmt":"2021-07-12T21:59:39","slug":"bohemian-rhapsody","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6588","title":{"rendered":"Bohemian Rhapsody"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber Geschmack l\u00e4sst sich nicht streiten \u2013 doch gehen sich Filmfans regelm\u00e4\u00dfig an die Gurgel, wenn nicht ihr Favorit der Abr\u00e4umer der Saison ist. Und wenn dann auch noch zwei unterschiedliche Lager auf ihre Meinungen beharren, dann ist Krieg angesagt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n1970 hei\u00dft der ber\u00fchmte Leads\u00e4nger der Rockband Queen noch Farrokh Bulsara. Als er jedoch Brian May und Roger Taylor bei einem ihrer Auftritte in einer Bar kennen lernt und sich ihnen anschlie\u00dfend will, stellt er sich lieber als Freddie vor. Gleichzeitig trifft er auf die attraktive Mary Austin, mit der er eine Beziehung eingeht&#8230; und das Leben scheint so richtig Fahrt aufzunehmen.<\/p>\n<p>In der Tat dauert es laut Film nicht lange, bis mit Killer Queen der erste internationale Hit steht. Es folgt das gewagte und titelgebende Bohemian Rhapsody, das mit einer Laufzeit von \u00fcber sechs Minuten ungew\u00f6hnlich lang ist. Viele raten Queen von der Ver\u00f6ffentlichung ab, weil der Mix aus Rock und Opera nicht Massenmarkt tauglich sei und Radiostationen den Song aufgrund seiner L\u00e4nge nicht spielen w\u00fcrden. Hinzu kommen die Schlagzeilen der Kritiker, die Bohemian Rhapsody zerrei\u00dfen. Also das Lied, nicht den Film. H\u00f6r ich da leise D\u00e9j\u00e0-vu?<\/p>\n<p>Wie wir heute alle wissen ist das Ding ein Hit und eine weitere Stufe f\u00fcr den wahnsinnigen Erfolg von Queen. Die Geschichte macht nicht Halt und erz\u00e4hlt den Erfolg der Band bis zum spektakul\u00e4ren Live-Aid-Konzert im Jahre 1985, dessen Queen-Auftritt fast in seiner vollen L\u00e4nge nach gespielt wird.<\/p>\n<p><b>Bohemian Rhapsody<\/b> ist somit zum Erfolg verdammt. Abseits von Freddie Mercurys tragischer AIDS-Erkrankung und ein paar kleineren Dramen, die Streit unter den Bandmitgliedenr aufkochen lassen, ist der Film von vorne bis hinten eine seichte, wie effektive Hommage der Kultband. Das Drehbuch ist entsprechend d\u00fcnn und 99% aller Schauspieler Marionetten \u2013 und zwar jene von Rami Malek als Freddie Mercury, versteht sich.<\/p>\n<p>Der Junge wird einen Oscar gewinnen \u2013 da m\u00f6gen sich die Blogger und Kritiker noch so sehr aufregen. Aber mit einem Golden Globe, einem Screen Actor Award und einem BAFTA im Gep\u00e4ck ist man nahezu unaufhaltsam. Interessant ist nur, dass gerade in der Kategorie Best Actor mit Bradley Cooper, Christian Bale und Viggo Mortensen eine au\u00dfergew\u00f6hnlich starke Konkurrenz vorhanden ist.<\/p>\n<p>Neben Malek sind es vor allem die Songs, die faszinieren und st\u00e4ndig G\u00e4nsehaut erzeugen. Sie werden subtil durch den kompetenten Schnitt und verspielten \u00dcberblendungen unterst\u00fctzt. Insofern steckt schon eine gewisse Kunst in <b>Bohemian Rhapsody<\/b> &#8211; aber meines Erachtens liegt das weniger an den Filmschaffenden. Die Musik ist regelrecht ein Geschenk f\u00fcr alle Beteiligten und wohl der wahre Grund f\u00fcr die Best-Picture-Nominierung.<\/p>\n<p>Denn wie sonst l\u00e4sst sich der harsche Tonfall der Kritiker erkl\u00e4ren, die dem Film laut Metacritic im Schnitt nur 49 Punkte g\u00f6nnen? Die schauen n\u00e4mlich hinter das Queen-Aush\u00e4ngeschild und monieren ein Biopic ohne wahre Gr\u00f6\u00dfe und mit viel zu viel Klischees.<\/p>\n<p>Nun gut: Best-Picture-Nominierungen von Filmen, die mehr das Publikum als der versierte, leicht versnobbte Filmliebhaber mag, sind keine Seltenheit \u2013 man erinnere sich nur an <b>The Blind Side<\/b> oder <b>The Help<\/b>. Doch im Falle von <b>Bohemian Rhapsody<\/b> kommt noch ein anderer Aspekt hinzu, der die #MeToo-Bewegung auf ihren ersten Pr\u00fcfstand setzt: Regisseur Bryan Singer.<\/p>\n<p>Den Ger\u00fcchten \u00fcber seine angebliche P\u00e4dophilie sind inzwischen handfeste Anklagen entsprungen, die von au\u00dfen betrachtet wahrlich nicht gut aussehen. Singer wurde vermutlich deshalb noch w\u00e4hrend der Dreharbeiten gefeuert \u2013 der offizielle Grund, er habe sich um seine kranke Mutter haben k\u00fcmmern m\u00fcssen, klingt arg an den Haaren herbei gezogen.<\/p>\n<p>Wie also geht man nun mit einem Film um, der gr\u00f6\u00dftenteils von jemanden wie Bryan Singer gedreht wurde? Einerseits finde ich es gut, dass er seine Chancen im Award-Zirkus erh\u00e4lt \u2013 nicht zuletzt weil Singer auf halbem Wege gegen Dexter Fletcher ersetzt. Dar\u00fcber hinaus ist ein Regisseur zwar ein sehr wichtiges Zahnrad im Getriebe \u2013 das jedoch noch aus Hunderten anderen Elementen besteht.<\/p>\n<p>Andererseits mag ich es nicht, wie die Verantwortlichen und auch Rami Malek mit der Sache umgehen. Die Ger\u00fcchte um Singer waren bereits lange Zeit bekannt und gleichwohl es inzwischen eine Anklage gibt, fehlt es an einem juristischen Urteil. Die interne Verurteilung scheint ergo mit der MeToo-Bewegung zusammenh\u00e4ngen \u2013 und das ist mit Verlaub verlogen. Besonders wenn Malek behauptet, er habe bis vor kurzem nichts \u00fcber die Anschuldigungen gegen\u00fcber Singer gewusst.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Film: F\u00fcr mich w\u00e4re eine Best-Picture-Nominierung nicht notwendig gewesen. <b>Bohemian Rhapsody<\/b> lebt zu sehr von den Errungenschaften der Queen-Lieder anstatt des eigenen Handwerkes. Gleichwohl registriere ich den effektiven Filmschnitt, Maleks Leistung und die Arbeit bei Ton sowie Tonschnitt. Letzterer lebt von den vielen Sounds, die Instrumente und Equipment von sich geben. Ersterer vereint Maleks Stimme mit der des kanadischen S\u00e4ngers Marc Martel und Freddie Mercurys Originalaufnahmen \u2013 gleichwohl mir selbst der Unterschied zu deutlich h\u00f6rbar ist.<\/p>\n<p>Somit hat <b>Bohemian Rhapsody<\/b> in der Tat die richtigen Nominierungen abgestaubt \u2013 und nebenbei erw\u00e4hnt als einziger Best-Picture-Kandidat vier Gildenpreise abger\u00e4umt. Genau genommen all jene, f\u00fcr die er auch bei den Oscars im Rennen ist. Das ist schon beachtenswert: Der Film ist damit in vier von f\u00fcnf seiner nominierten Kategorien Mit-Favorit f\u00fcr den Sieg. Und deshalb k\u00f6nnte, so verr\u00fcckt das auch klingen mag, genau das gleiche passieren wie bei den Golden Globes: N\u00e4mlich der Preis aller Preise&#8230;<\/p>\n<p>Es w\u00e4re jedenfalls der perfekt skurile Ausgang f\u00fcr eine bereits \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnliche Oscar-Saison.<\/p>\n<p><b><i>Nominiert f\u00fcr: Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Rami Malek), Bester Filmschnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt.<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Geschmack l\u00e4sst sich nicht streiten \u2013 doch gehen sich Filmfans regelm\u00e4\u00dfig an die Gurgel, wenn nicht ihr Favorit der Abr\u00e4umer der Saison ist. 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