{"id":6570,"date":"2019-02-19T05:17:52","date_gmt":"2019-02-19T03:17:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6570"},"modified":"2021-07-12T23:59:30","modified_gmt":"2021-07-12T21:59:30","slug":"blackkklansman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6570","title":{"rendered":"BlacKkKlansman"},"content":{"rendered":"<p>Die Absurdit\u00e4t von Rassisten kennt keine Grenzen. Rein aus der Angst vor dem Unbekannten und dem (f\u00fcr sie) Ungew\u00f6hnlichen halten sie an ihre Vorurteile wie eine Religion fest. Nur d\u00fcrfen sie sich dann nicht wundern, wenn man sie reihenweise mit den billigsten Methoden an der Nase herumf\u00fchrt.<!--more--><\/p>\n<p>Ron Stallworth beginnt Anfang der 1970er Jahre seinen Job als Kriminalbeamter und denkt sich einen waghalsigen Streich aus: Er antwortet auf eine Zeitungsanzeige des in Colorado Springs ans\u00e4\u00dfigen Ku-Klux-Klan und gewinnt allein dank eines Telefonats sowie \u00fcberzogener, gezielt extremistischer Parolen dessen Vertrauen. Er solle doch ruhig vorbei kommen und sich dem Klan anschlie\u00dfen. Eigentlich keine schlechte Idee, den Laden zu infiltrieren und von Innen auszuhebeln. Bl\u00f6d nur, wenn ausgerechnet Stallworth afroamerikanischen Ursprungs ist.<\/p>\n<p>Also schmieden er und seine Kollegen einen verwegenen Plan: Stallworth soll weiterhin via Telefon kommunizieren und den Klan mit seiner Rhetorik blenden.Gleichzeitig wird der j\u00fcdische Beamte Flip Zimmerman als vorzeigbares Gesicht geschickt, der tats\u00e4chlich dem Klan beizutreten soll.<\/p>\n<p>Was sich hier nach einer wahnwitzigen Geschichte im Stile von Cyrano de Bergerac anh\u00f6rt, beruht auf einer wahren Geschichte. Genau genommen hat Lee laut eigener Aussagen nur deshalb den Job als Regisseur angenommen, weil er die Saga rund um Ron Stallworth zun\u00e4chst nicht fassen konnte. Es klang einfach zu dumm, um wahr zu sein.<\/p>\n<p>Aus dem Grund wirkt <b>BlacKkKlansman<\/b> umso authentischer, weil Lee gekonnt den abstrusen Sachverhalt n\u00fcchtern, dramatisch als auch komisch umsetzt. Der eigentliche Plotverlauf wirkt sehr schl\u00fcssig und in sich abgeschlossen, w\u00e4hrend immer wieder Szenen zum Kopf sch\u00fctteln animieren \u2013 sei es wegen der Verbortheit oder der Dummheit des Klans. Dabei war ich zun\u00e4chst skeptisch bez\u00fcglich Topher Graces Rolle als David Duke, einem bekennenden Holocaust-Leugner und ehemaligen Leiters des K-K-K. Doch selbst dieses gewagte Casting funktioniert perfekt, weil Lee Duke als schlechten Scherz charakterisiert \u2013 und somit das komische Element in <b>BlacKkKlansman<\/b> stellt.<\/p>\n<p>Ansonsten ist der Film von der Sorte eines Spotlight oder eines Michael Clayton: Aufgrund der Thematik und der glatten Umsetzung wirkt er unangreifbar. Die Geschichte ist top geschrieben und k\u00f6nnte Lee einen Oscar f\u00fcr das beste adaptierte Drehbuch einbringen. Die Schauspieler bilden gekonnt die vielen, verschiedenen T\u00f6ne ab \u2013 wobei Adam Drivers Nominierung als Bester Nebendarsteller f\u00fcr seine Rolle als Flip Zimmerman \u00e4hnlich wie der Film selbst gerade durch seine Unauff\u00e4lligkeit zustande kommt. Sprich: Der Junge funktioniert einfach und wirkt nicht wie ein Schauspieler, der einen Charakter mimt. Ein Aspekt, den John David Washington als Ron Stallworth in meinen Augen nicht ganz so gut hinbekommt.<\/p>\n<p>Und die Regie? Nun, ich muss mir unbedingt mal ein paar weitere Werke von Spike Lee geben. Auf mich wirkt <b>BlacKkKlansman<\/b> besonders bei den Monologen richtig frisch und originell \u2013 egal ob Alec Baldwin als Dr. Kennebrew Beaureguard w\u00e4hrend seiner rassistischen Verschw\u00f6rungstheorien permanent von einem flimmerenden Projekter angeleuchtet wird, bei einer Rede des Black-Power-Aktivisten Kwame Ture die parallel geschalteten Gesichter sich in unterschiedliche Richtungen bewegen oder die Protagonisten von Nahem gefilmt werden, w\u00e4hrend sie auf einem Rollband durch einen Gang fahren. Einige dieser Kniffe soll Lee bereits in anderen Filme einsetzen. Hier in <b>BlacKkKlansman<\/b> verkommen sie jedenfalls nicht als Gimmick, sondern sorgen f\u00fcr Aufmerksamkeit und genau die richtige Fokussierung.<\/p>\n<p>Das letzte Lob gibt es f\u00fcr Terence Blanchards geniale Musik, die den Flair der 1970er Jahre besser einf\u00e4ngt als jede Afro-Frisur. Sie ist ruhig, sie ist cool und sie geht sofort ins Ohr \u2013 ein echter moderner Klassiker, bei dem ich mich im Nachhinein frage, wieso die passende Oscar-Nominierung nicht schon vorher in Stein gemei\u00dfelt war.<\/p>\n<p>Wie gesagt: Der Film ist so glatt, ich kann kaum etwas meckern. Allerdings ist er eben auch DERART glatt, weshalb ich mehr Respekt als Liebe empfinde. Genau wie bei <b>Spotlight<\/b> verstehe ich die Ernsthaftigkeit dahinter. Meine Emotionen kochen erst ganz am Ende \u00fcber, wenn Spike Lee eine schonungslose Parallele zu den vor zwei Jahren stattgefundenen Ausschreitungen in Charlottesville zieht.<\/p>\n<p>Aus dem Grund k\u00f6nnte der Film bei den Oscars alles oder gar nichts erreichen. Keine seiner sechs Nominierungen gilt als gesetzter Sieg. Selbst der f\u00fcr das beste adaptierte Drehbuch schwankt, nachdem die Writer Guild of America ganz \u00fcberraschend <b>Can you ever forgive me?<\/b> ausgezeichnet hat.<\/p>\n<p>Doch auf der anderen Seite ist das Jahr \u00e4hnlich strittig und zerkl\u00fcftet wie 2015, wo es ebenfalls keinen klaren Front-Runner gab&#8230; und am Ende <b>Spotlight<\/b> Best Picture gewann.<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_47561\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/atD2Bx5b94w?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n<i><b>Nominiert f\u00fcr: Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Adam Driver), Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Filmschnitt, Beste Musik.<\/b><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Absurdit\u00e4t von Rassisten kennt keine Grenzen. 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