{"id":6388,"date":"2018-03-03T21:55:21","date_gmt":"2018-03-03T19:55:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=6388"},"modified":"2021-07-12T23:56:36","modified_gmt":"2021-07-12T21:56:36","slug":"the-shape-of-water","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6388","title":{"rendered":"The Shape of Water"},"content":{"rendered":"<p><b>Pan&#8217;s Laybrinth<\/b> ist meines Erachtens einer der besten Filme, \u00fcber die ich mich je aufgeregt habe. Auf der einen Seite erz\u00e4hlt er diese wundervolle Mixtur aus harter Realit\u00e4t und vertr\u00e4umter Parabel, wundersch\u00f6n gefilmt, herrlich geschrieben und mit einem Ende, das mich emotional fertig macht. Auf der anderen Seite zeigt Regisseur Guillermo Del Toro in einer Szene, wie der Antagonist einem unschuldigen Mann die Nase zertr\u00fcmmert \u2013 mit all seinen blutigen Details. Selten habe ich mich so sehr \u00fcber eine Szene beschwert, weil sie aufgrund ihrer \u00fcberzogenen Gewaltdarstellung nicht passt.<\/p>\n<p><!--more-->Wir schreiben das Jahr 1962: Elisa Esposito ist seit ihrer Geburt stumm (jedoch nicht taub) und lebt gemeinsam mit ihrem alten, homosexuellen Nachbarn Giles in einem Apartment oberhalb eines verschlafenen Kinos. Sie arbeitet als Putzhilfe in einem von der Regierung gef\u00fchrten Labor, in dem offensichtlich einige streng geheime Projekte laufen.<\/p>\n<p>Eines Tages wird ein gro\u00dfer, mit Dreckwasser gef\u00fcllter Kessel geliefert. Elisa legt nur kurz ihre Hand auf das Glasfenster, als pl\u00f6tzlich die Flosse einer Fischkreatur von der anderen Seite dagegen schl\u00e4gt. Die Regierung hat die Kreatur gefangen und m\u00f6chte mit ihrer Hilfe Erkenntnisse f\u00fcr ihr Raumfahrtprogramm zu gewinnen.<\/p>\n<p>Die Fischkreatur \u00e4hnelt von der Gr\u00f6\u00dfe und der Statue einem Menschen und wurde von den Eingeborenen, in deren N\u00e4he sie gelebt hat, wie eine Gottheit verehrt. Doch im Labor ist sie nicht mehr als eine Objektstudie, die vor allem von der brutalen Herangehensweise des Sicherheitsbeamten Richard Strickland leidet. Der nutzt nur allzu gerne seinen langen, schwarzen, elektrisch geladenen Schlagstock und sieht die Kreatur als ein niederes Wesen ohne eigene Rechte.<\/p>\n<p>Elisa wiederum ist sichtlich fasziniert und freundet sich mit der Kreatur an. Sie bringt ihm regelm\u00e4\u00dfig etwas zu essen und spielt gar Musik auf ihrem tragbaren Plattenspieler vor. Die Faszination st\u00f6\u00dft rasch auf gegenseitiges Interesse und m\u00fcndet gar in einer Verliebtheit. Das beide einer anderen Spezies angeh\u00f6ren, ist unwichtig. Wichtig ist, dass sie der gleichen Natur zu entstammen scheinen.<\/p>\n<p><b>The Shape of Water<\/b> ist ein modernes M\u00e4rchen f\u00fcr Erwachsene, wie es im Bilderbuch steht. Die Handschrift von Regisseur Guillermo Del Toro ist unverkennbar, speziell wenn man sie mit <b>Pan&#8217;s Labyrinth<\/b> vergleicht. Die Kulisse ist ausschweifend, die Farben sowohl kr\u00e4ftig als auch kontrastreich und einzelne Szenen geh\u00f6ren f\u00fcr ihre Bildkomposition eingerahmt. Dabei \u00fcbertreibt es Del Toro niemals und beschr\u00e4nkt sich auf eine Handvoll magische Momente, die daf\u00fcr umso pr\u00e4chtiger wirken. Er schielt kr\u00e4ftig in Richtung Terry Gilliam sowie Jean-Pierre Jeunet und bastelt am Ende doch etwas eigenst\u00e4ndiges.<\/p>\n<p>Insofern ist es wenig verwunderlich, wieso <b>The Shape of Water<\/b> als einer der Favoriten f\u00fcr die morgige Oscar-Verleihung gilt. Um genau zu sein w\u00e4re es eine nachtr\u00e4gliche Ehre f\u00fcr Filme wie <b>Brazil<\/b>, <b>Die fabelhafte Welt der Ameli\u00e9<\/b> oder eben <b>Pan&#8217;s Labyrinth<\/b>.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein Schauspieler-Ensemble, das f\u00fcr solch ein bildgewaltiges Werk erstaunlich viel Platz einger\u00e4umt wird. Sowohl die Haupt- als auch die wichtigsten Nebendarsteller sind mehr als schn\u00f6de Marionetten und zeigen, dass auch ein Film wie <b>The Shape of Water<\/b> nur mit ganz viel Schauspielkunst funktioniert. Kein Wunder also, wenn mit Sally Hawkins als Elisa, Octavia Spencer als ihre Kollegin und Richard Jenkins als ihr Nachbar Giles gleich drei Schauspieler nominiert sind \u2013 und Michael Shannon als fieser B\u00f6sewicht sicherlich nach dran war.<\/p>\n<p>Und doch glaube ich nicht so recht an einen Best-Picture-Sieg, eben weil <b>The Shape of Water<\/b> eine Zielgruppe anspricht, die mit der Academy bislang nicht viel gemeinsam hat. Die besagten Vorbilder sind zu ihrer Zeit entweder leer ausgegangen oder wurden allenfalls unter Wert mit ein paar technischen Oscars abgespeist. In dem Zusammenhang ist es kein gutes Zeichen, dass <b>The Shape of Water<\/b> trotz aller Leistungen keine Screen-Actor-Nominierung f\u00fcr das beste Schauspieler-Ensemble erhalten hat \u2013 was statistisch gesehen eine Katastrophe bez\u00fcglich der Oscar-Chancen ist (fragt <b>La La Land<\/b>&#8230;).<\/p>\n<p>Meine Zweifel m\u00f6gen mit den pers\u00f6nlichen Vorurteilen gegen\u00fcber Guillermo Del Toro zusammenh\u00e4ngen, der mich abermals genau wie in <b>Pan&#8217;s Labyrinth<\/b> mit seinen vision\u00e4ren Bildern zu 95% in den Bann zieht und dann mit ein, zwei Szenen auf die Palme bekommt. Damals wie heute beziehe ich mich auf unn\u00f6tige Gewaltdarstellung, gleichwohl die betreffenden Stellen in <b>The Shape of Water<\/b> zumindest schneller vorbei sind und Del Toro keine Nase \u00fcber mehrere Sekunden zertr\u00fcmmern l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Versteht mich nicht falsch: Nat\u00fcrlich gibt es viel brutalere Filme, in denen deutlich mehr Blut und Gewalt gezeigt wird, und die ich als herausragend bezeichne. Aber hier passen die Szenen f\u00fcr meine Begriffe weder in den realen Kontext der Geschichte noch in das m\u00e4rchenhafte Ambiente. Aus dem Grund ist Guillermo Del Toro f\u00fcr mich pers\u00f6nlich das Schlusslicht unter den f\u00fcnf nominierten Regisseuren, obwohl er dank bereits eingefahrenen Siegen bei den Golden Globes, dem Critics Choice oder dem Director Guild Award der haushohe Favorit f\u00fcr den Sieg ist.<\/p>\n<p>Klammere ich diese pers\u00f6nlichen Vorbehalte aus, dann bleibt eine im Kern schlichte, jedoch dank stimmig geschriebener Dialoge sowie toll inszenierter Bilder traumhafte Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Fisch, unterst\u00fctzt von Alexandre Desplats herrlicher Musik. In gewisser Hinsicht g\u00f6nne ich <b>The Shape of Water<\/b> den Best-Picture-Oscar, eben gerade weil er nicht in das \u00fcbliche Muster hineinpasst. Und ich endlich diese Schei\u00df Screen-Actor-Ensemble-Statistik sterben sehen will.<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_41900\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/XFYWazblaUA?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n<b><i>Oscar-Nominierungen: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Sally Hawkins), Bester Nebendarsteller (Richard Jenkins), Beste Nebendarstellerin (Octavia Spencer), Bestes Originaldrehbuch, Bester Filmschnitt, Bester Tonschnitt, Beste Tonabmischung, Beste Musik, Beste Kamera, Bestes Produktionsdesign, Beste Kost\u00fcme.<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pan&#8217;s Laybrinth ist meines Erachtens einer der besten Filme, \u00fcber die ich mich je aufgeregt habe. 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