{"id":6262,"date":"2017-12-28T09:20:02","date_gmt":"2017-12-28T07:20:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=6262"},"modified":"2021-07-12T23:55:52","modified_gmt":"2021-07-12T21:55:52","slug":"star-wars-die-letzten-jedi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6262","title":{"rendered":"Star Wars: Die letzten Jedi"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #80bfff;\"><i><b>Spoiler-frei bis Spoiler-Kennzeichnung!<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p>Ich bin baff. Sprachlos. Fassungslos. Weil ich es nicht verstehe \u2013 also nicht den neuen <b>Star-Wars<\/b>-Film, sondern die Diskussionen dar\u00fcber. Ich hab wei\u00df Gott nach all dem Gezeter gedacht, welch heftig umstrittenes Machmeisterwerk auf mich zukommt. Gesehen habe ich einen sehr guten Film, der vielleicht an manchen Stellen das logische Sachverst\u00e4ndnis der Charakter zugunsten von Last-Minute-Dramatik opfert \u2013 aber auch nicht viel mehr als es in der ersten Star-Wars-Trilogie der Fall ist. Bevor Missverst\u00e4ndnisse aufkommen: Damit meine ich <b>Episode IV<\/b> bis <b>Episode VI<\/b>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich habe im Vorfeld nur eines fest erwartet: <b>Die letzten Jedi<\/b> wird anders sein als <b>Das Erwachen der Macht<\/b> &#8211; allein dank Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson, der mit <b>Looper<\/b> sowie der legend\u00e4ren <b>Breaking-Bad<\/b>-Episode <b>Ozymandias<\/b> zwei sehr clever in Szene gesetzte Arbeiten abgeliefert hat. W\u00e4hrend J.J. Abrams bekannt f\u00fcr seine wohligen, aber letztlich durchaus frechen Hommagen an die alte Kinokunst ist, sollte Johnson neue Akzente setzen. Und das hat er nun definitiv getan.<\/p>\n<p><b>Die letzten Jedi<\/b> ist weit entfernt von einer schn\u00f6den <b>Das-Imperium-schl\u00e4gt-zur\u00fcck<\/b>-Kopie. Der Film leiht sich ein paar Elemente sowohl hier als auch aus <b>Die R\u00fcckkehr der Jedi-Ritter<\/b>, ist aber unterm Strich einer der eigenst\u00e4ndigsten Star-Wars-Werke seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit. Viele Vorhersagen und Mutma\u00dfungen der Fans, die seit <b>Das Erwachen der Macht<\/b> durch das Internet geistert, haben sich interessanterweise nicht bewahrheitet. Ist das der Grund f\u00fcr die heftige Diskrepanz der Geschm\u00e4cker? Nein, das w\u00e4re zu einfach gedacht.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst f\u00e4ngt der Film ziemlich genau dort an, wo der Vorg\u00e4nger aufh\u00f6rte: Der von Leia Organa gegr\u00fcndete Widerstand steht heftig unter Druck und wird von der Ersten Ordnung am laufenden Band an die Wand gedr\u00fcckt. W\u00e4hrend all die mutigen Piloten und Strategen mehr ums nackte \u00dcberleben anstatt einem mutigen Vorsto\u00df k\u00e4mpfen, sucht Rey die Hilfe von Jedi-Legende Luke Skywalker auf, der sich Obi-Wan-like auf einer einsamen Insel eines weit entlegenen Planeten zur\u00fcckgezogen hat. Das ungef\u00e4hr erf\u00e4hrt man in den ersten zehn Minuten, w\u00e4hrend der Rest mit einer ungewohnt hohen Anzahl an Plotstr\u00e4ngen \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>So war ich mir im vorletzten Akt sicher, dass es nun vorbei sei und die Glocken f\u00fcr <b>Episode IX<\/b> eingel\u00e4utet werden \u2013 nur um einen weiteren Showdown pr\u00e4sentiert zu bekommen. Dabei \u00fcbertreibt es <b>Die letzten Jedi<\/b> zuweilen mit der Dramatik und l\u00e4sst einen \u00f6fters fragen: Warum zum Geier hat Charakter X Aktion Y nicht schon vor zehn Minuten gebracht? Oder wie viele sollen den noch in diesem Konflikt sterben? (Disclaimer: Ich denke mal das es kein echter Spoiler ist, wenn ich sage: In <b>Die letzten Jedi<\/b> sterben Menschen&#8230; \u00e4h&#8230; Lebewesen!!!)<\/p>\n<p>Instinktiv ging ich auch davon aus, dass dies einer der wesentlichen Gr\u00fcnde sei, weshalb <b>Die letzten Jedi<\/b> nun so derma\u00dfen \u00fcbel die Meinungen spaltet. Aber, weit gefehlt! Die meisten haben ein Problem mit der Macht und wie sie eingesetzt wird. Der Film w\u00fcrde einfach neue Dinge hinzu erfinden und nicht erkl\u00e4ren, wieso und weshalb. Doch, mal ehrlich: War nicht genau hier eines der essentiellen Probleme der Prequel-Trilogie begraben? Dass George Lucas &amp; Co. mit der Brechstange jedes Mysterium erkl\u00e4ren mussten und dies in teilweise abenteuerlich langweiligen Monologen ausartete?<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Spoiler! Spoiler! Spoiler! Spoiler! Spoiler!<\/span><\/h2>\n<p>Am meisten verbl\u00fcfft mich die Kritik an Leias Weltallwiederbelebungsnummer: Ist sie f\u00fcr mich ein besonderer \u201eAha, die Frau kann ja Macht!\u201c-Moment, f\u00fchlen sich andere hintergangen und fragen sich ernsthaft, wann die gute Prinzessin dieses enorm n\u00fctzliche Man\u00f6ver gelernt haben soll. Das Argument, dass zwischen der Original-Trilogie und den neuen Filmen mehrere Jahrzehnte liegen und Leia in der Tat so einige Tricks hat lernen k\u00f6nnen, sei schwach, weil man es eben als Zuschauer nicht sieht.<\/p>\n<p>Nur wo w\u00e4re der \u00dcberraschungseffekt hin? Die Macht lebt in den Originalfilmen nicht zuletzt vom Besonderen &#8211; dass wir etwas zu sehen bekommen, mit dem wir so nicht gerechnet haben und was uns an pure Magie erinnert. Genau so habe ich die Szene mit Leia empfunden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich eigentlich nicht an solchen Kleinigkeiten aufh\u00e4ngen und lieber dort ansetzen, was <b>Die letzten Jedi<\/b> in meinen Augen wirklich gut hin bekommt: Die Beziehung zwischen Rey und Kylo Ren sowie alles rund um Luke Skywalker. Erstere ist, man verzeihe mir meinen Enthusiasmus, absolut fantastisch in Szene gesetzt. Sobald die beiden erstmals \u00fcber die Macht miteinander kommunizieren, drehen sowohl Regie als auch Filmschnitt voll auf. Die Dialoge der beiden sind knapp, aber absolut treffend und vor allem eindringlich. Man sp\u00fcrt auch schnell das Ungleichgewicht: W\u00e4hrend durchaus beide voneinander auf eine wahrlich magische Weise angezogen sind, ist ganz klar Kylo der Schw\u00e4chere und Verletzbare. Und das wiederum funktioniert nur dank der herausragenden Darstellung von Adam Driver so gut, der diesmal trotz Lockenfrisur jede Mimik und jede Gef\u00fchlsregung, egal ob subtil oder \u00fcbertrieben, punktgenau hinbekommt.<\/p>\n<p>Der einzige, der an Drivers Leistung heran reicht, ist Mark Hamill, der sein jugendbeflecktes Alter Ego aus den 1970er Jahren deutlich \u00fcberbietet. So war mir die Figur des Luke Skywalkers insbesondere in <b>Die R\u00fcckkehr der Jedi-Ritter<\/b> zu glatt, zu brav und zu rechtschaffend. Luke wurde klammheimlich zwischen <b>Episode V<\/b> und <b>Episode VI<\/b> zu einem nahezu unfehlbaren Mythos, dessen letzten Schw\u00e4chen und Zweifel bis zum Abspann ausger\u00e4umt werden mussten \u2013 etwas, was ich selbst als Kind etwas arg weit her geholt fand. Und in dem Fall lagen zwischen den beiden Filmen keine Jahrzehnte, das nur nebenbei&#8230;<\/p>\n<p>Der gealterte Luke hingegen ist verbittert, ein wenig zynisch und \u00fcberraschend sarkastisch. Geplagt von der Schuld, bez\u00fcglich Kylo Ren versagt und ihn in zu einem gewissen Grade zum kalten, hasserf\u00fcllten Schurken gemacht zu haben, m\u00f6chte er am liebsten jegliche Macht und Verantwortung von sich geben und nie wieder anfassen. Der Schl\u00fcsselmoment f\u00fcr seinen Sinneswandel (oder besser gesagt: seine Resignation) wird dreimal gezeigt und jedes Mal mit einer weiteren Nuance versehen, die mich spontan an die verschiedenen \u201eSolo versus Credo\u201c-Varianten aus <b>Eine neue Hoffnung<\/b> erinnern. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass es hier funktioniert und ein letztlich menschliches Missverst\u00e4ndnis den Beginn der vorherrschenden Trag\u00f6die glaubw\u00fcrdig erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Menschlich! Luke ist menschlich! Er ist weder ein Gr\u00fcnschnabel (<b>Eine neue Hoffnung<\/b>), noch ein \u00fcbertrieben ungeduldig-pubertierender Bengel (<b>Das Imperium schl\u00e4gt zur\u00fcck<\/b>) oder ein Wanna-Be-Messias (<b>Die R\u00fcckkehr der Jedi-Ritter<\/b>). Er hat Fehler, er hat Schw\u00e4chen, er ist alt, er ist grantig&#8230; und doch am Ende clever wie m\u00e4chtig zugleich. Sein Showdown gegen Kylo Ren hat mich durch alle Gef\u00fchlslagen gehetzt: Ich habe gelacht, ich war beeindruckt, ich f\u00fchlte mich \u00fcberrascht und ich war traurig.<\/p>\n<p>Die anderen Plotstr\u00e4nge, von denen die meiste Zeit \u00fcber zwei parallel erz\u00e4hlt werden, sind nicht von der gleichen Qualit\u00e4t \u2013 aber letztlich gut genug, um mich zu unterhalten. Dazu z\u00e4hle ich auch die strittige Casino-Szene, bei der ich mich genau wie bei der erw\u00e4hnten Leia-Weltraumnummer frage: Was ist denn jetzt so schlimm daran? Ich muss allerdings auch zugeben, dass mir die zarte, ja regelrecht unschuldige Romanze zwischen dem bereits aus <b>Das Erwachen der Macht<\/b> bekannten Finn und der neu eingef\u00fchrten Rose sehr gut gefallen hat. Klar hat er noch nicht so wirklich gerafft, was sie eigentlich von ihm will. Aber es passt doch irgendwie zum dezent verpeilten Charakters Finn, der nun mal seit Verlassen des Ersten Ordens im Eifer des Gefechts eher blind anstatt \u00fcberlegt dem Widerstand zur Seite steht.<\/p>\n<p>Ich merke gerade: Je mehr ich \u00fcber diesen Film nachdenke und schreibe, desto besser gef\u00e4llt er mir und desto mehr verweigere ich mich den Kritikpunkten. Nicht falsch verstehen: Ich verstehe sie \u2013 aber mir werden sie viel zu sehr aufgebauscht und in vielerlei Hinsicht vergessen, dass die ach so unangetastete Originaltrilogie streng genommen mit \u00e4hnlichen M\u00e4ngeln aufwartet. Nat\u00fcrlich ist es unlogisch, wenn eine Handvoll Transportschiffe des Widerstandes zielgenau sowie im Sekundentakt abgeknallt werden und nach gut zehn Minuten Filml\u00e4nge immer noch rein optisch gesehen eine Handvoll \u00fcbrig sind. Aber es gibt exakt das gleiche Ph\u00e4nomen in der finalen Weltraumschlacht von <b>Die R\u00fcckkehr der Jedi-Ritter<\/b>.<\/p>\n<p>Wieso also nicht einfach diese eine Szene mit ungl\u00e4ubigem Staunen genie\u00dfen, die meines Erachtens die optisch beeindruckendste Explosion aller Zeiten auf die Kinoleinwand bannt und wo Johnson v\u00f6llig zurecht auf jedweden Ton verzichtet? Kein Pieps, kein Schuss, keine Musik, einfach nur Stille und ein Bild von grellen Lichtern sowie purer Zerst\u00f6rung, welches eingerahmt geh\u00f6rt. Im Ernst: Ich will diese Szene f\u00fcr meine Wand, mit Leuchteffekt im Dunkeln! Mit der Sicht hatte ich n\u00e4mlich instinktiv vergessen und verziehen, dass die verantwortliche Vizeadmiralin Amilyn Holdor die Nummer l\u00e4ngst h\u00e4tte durchziehen und somit viele ihrer Kameraden retten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend gibt es ein wohliges Schulterkopfen f\u00fcr eigentlich s\u00e4mtliche Schauspieler, die alle einen mindestens guten Job erledigen \u2013 egal ob man sie in Natura wie den Piloten Poe Dameron oder hinter der Maske \u00e1 la Captain Phantasma sieht. Der eine oder andere Schurke kommt vielleicht etwas zu kurz und ja: Ein paar Fragen, die Das Erwachen der Macht aufwarf, werden in <b>Die letzten Jedi<\/b> k\u00fchl abgehakt und versanden im Nichts. Wobei ich mir bez\u00fcglich Reys Herkunft noch nicht so ganz sicher bin, ob wir da wirklich die ganze Wahrheit erfahren haben&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spoiler-frei bis Spoiler-Kennzeichnung! Ich bin baff. Sprachlos. Fassungslos. Weil ich es nicht verstehe \u2013 also nicht den neuen Star-Wars-Film, sondern die Diskussionen dar\u00fcber. Ich hab wei\u00df Gott nach all dem Gezeter gedacht, welch heftig umstrittenes Machmeisterwerk auf mich zukommt. Gesehen habe ich einen sehr guten Film, der vielleicht an manchen Stellen das logische Sachverst\u00e4ndnis der Charakter zugunsten von Last-Minute-Dramatik opfert \u2013 aber auch nicht viel mehr als es in der ersten Star-Wars-Trilogie der Fall ist. 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