{"id":6204,"date":"2017-04-18T08:36:55","date_gmt":"2017-04-18T06:36:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=6204"},"modified":"2017-04-18T08:36:55","modified_gmt":"2017-04-18T06:36:55","slug":"the-vive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6204","title":{"rendered":"The VIVE"},"content":{"rendered":"<p>Es ist fast ein halbes Jahr her, als ich mir im hiesigen Alternate die HTC Vive leistete \u2013 einerseits aufgrund des damaligen Angebotes, weshalb mich das gute St\u00fcck 800 anstatt 900 Euro kostetet, und andererseits aus meiner Sammelgier, alle tollen Spiele dieser Welt haben zu m\u00fcssen. <\/p>\n<p><!--more-->Eine Hardware ist f\u00fcr mich seit eh und je Mittel zum Zweck, weshalb ich mich nie so wirklich an einem Computer- oder Konsolenkrieg beteiligen konnte. Selbst im Kindesalter, wo ich mir \u201enur\u201c einen C64 und \u201enur\u201c einen Amiga leisten durfte, schielte ich mehr neidisch ins Schneider-CPC- oder Atari-ST-Lager \u2013 schlicht weil es f\u00fcr deren Systeme exklusive Spiele gab, die mir verwehrt blieben.<\/p>\n<p>Heutzutage ist die Lust nach einer neuen Konsole dem \u00c4rger f\u00fcr die damit verbundenen Kosten gewichen. Allein der Grafiksprung von PlayStation 3\/Xbox 360 zu PlayStation 4\/Xbox One ist in meinen Augen derart marginal, weshalb ich mir bislang gar die PS4 Pro Variante verkniffen und kein Bock auf die Scorpion habe. Wozu auch? Bislang laufen alle Spiele ordentlich bis einwandfrei auch auf dem alten Ger\u00e4t&#8230;<\/p>\n<p>Noch etwas anders formuliert: Die letzte Hardware, die ich mir mit Freuden leistete, war mein iPad \u2013 was mehr dem Gef\u00fchl \u00fcber ein neues, technisches Gimmick glich, weil ja alle darauf gegebenen Spiele theoretisch auch auf einem Standard-PC machbar sind.<\/p>\n<p>Warum habe ich mir die  HTC Vive vor fast einem halben Jahr geleistet und sie erst letzte Woche (!) installiert? Zum einen gab es unerwartete Probleme mit meinen gegebenen R\u00e4umlichkeiten.  Mein Wohn- und zugleich Arbeitszimmer, das extra f\u00fcr die VIVE hergerichtet wurde, ist n\u00e4mlich&#8230; zu gro\u00df! F\u00fcr die  Nutzung der VIVE m\u00fcsst ihr zwei Sensoren in gegen\u00fcberliegenden Ecken anbringen, deren Abstand nicht mehr als f\u00fcnf Meter betragen darf. Zwar w\u00e4re das durchaus bei mir m\u00f6glich, jedoch h\u00e4tte ich mich dann auf eine l\u00e4nglich-rechteckige anstatt die von mir gew\u00fcnschte quadratische Form beschr\u00e4nken m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Die Suche nach einer L\u00f6sung glich einer Tortur: Stative, an denen die Sensoren angebracht werden k\u00f6nnten, kamen nicht in Frage, weil diese bei der Nutzung der VIVE leicht vibrieren und entsprechend f\u00fcr St\u00f6rungen sorgen \u2013 zudem die Teile m\u00f6glichst hoch im Raum liegen sollten. Vielleicht einen Holzklotz an die Decke schrauben? Da w\u00e4re die Angst zu gro\u00df, dass der auf Dauer nicht h\u00e4lt und mitsamt Sensor mehr als zwei Meter in die Tiefe fliegt.<\/p>\n<p>Die beste Idee erblickte ich in einem Forum, in dem ein findiger Bastler von seiner Deckenst\u00fctze mitsamt Kamerahalterung schw\u00e4rmte. Das Problem: Letztere gibt es in passender Form nur in Fernost, mit einer Lieferungszeit von knapp einem Monat. So lange wollte ich nicht warten, weshalb ich sie nicht bestellte. Es blieb die Hoffnung aufrecht, eine andere, schnellere L\u00f6sung zu finden&#8230; Woche um Woche, Monat f\u00fcr Monat. Mitte Februar wurde mir meine eigene Idiotie zu dumm, weshalb ich die Halterung dann doch orderte.<\/p>\n<p>Danach steckte ich mitten in der Arbeit, weshalb ich nach Ankunft der Halterung immer noch nicht mit dem VIVE-Spa\u00df anfangen konnte. Klar&#8230; ich h\u00e4tte es ja mal ausprobieren k\u00f6nnen. Aber was, wenn&#8217;s mir so gut gef\u00e4llt und meine Arbeitsmoral dahin ist&#8230;.?<\/p>\n<p>Und damit sind wir beim dritten und zentralen Punkt, weshalb ich fast ein halbes Jahr von Kauf bis Start brauchte: die Angst. Was, wenn ich dadurch noch mehr versumpfe? Was, wenn mir schlecht wird? Was, wenn ich Kopfschmerzen kriege? Und am allerschlimmsten: Was, wenn es mir nicht gef\u00e4llt&#8230;? <\/p>\n<p>Was, wenn ich wieder entt\u00e4uscht bin und mir einfach nur die n\u00e4chste Hardware als Gimmick gekauft habe?<\/p>\n<p>Am 12. April 2017 ist etwas geschehen, was ich nicht mehr f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte: der \u201eWoah!\u201c-Faktor. Den hatte ich aufgrund einer neuen Hardware zuletzt bei der ersten PlayStation, ergo vor \u00fcber zwanzig (!) Jahren. Da war ich noch ein Teenager&#8230;<\/p>\n<p>Der \u201eWoah!\u201c-Faktor trat nicht gleich beim ersten Spiel ein &#8211; und auch nicht beim zweiten. Nein, es war nicht einmal ein Spiel, das f\u00fcr den \u201eWoah!\u201c-Faktor sorgte, sondern eine schlichte, virtuelle Umgebung mit dem Namen <b>NewRetroArcade: Neon<\/b>. <\/p>\n<p>Sobald ihr die Anwendung startet, steht ihr vor einem Spielautomaten. Ihr m\u00fcsst zu ihm gehen, die Lasergun aus der Halterung nehmen und damit auf eine der Optionen schie\u00dfen, die auf dem Bildschirm zu sehen sind. Danach landet ihr in einer simulierten Spielhalle, in der zahlreiche Arcade-Automaten, Tische und Kneipen gerechte Anlagen stehen \u2013 darunter eine kleine Kegelbahn, eine Dartscheibe oder ein Skeeball-Tisch.<\/p>\n<p>Obwohl die Sicht leicht verwaschen und die Dinge nicht wirklich real sind: Ich f\u00fchlte mich sofort wie in einer anderen Welt. Die Illusion, tats\u00e4chlich in einer mit Neonr\u00f6hren bespickten Spielh\u00f6lle zu stehen, ist be\u00e4ngstigend. Und noch mehr: Mit den beiden Controllern nehme ich einen Gameboy, der auf dem Tisch liegt. Ich halte die untere Taste gedr\u00fcckt, um zu greifen, und ziehe den virtuellen Handheld direkt vor meine Nase. Das Gef\u00fchl, ihn von allen Seiten anschauen zu k\u00f6nnen? Unbeschreiblich.<\/p>\n<p>Ich kehre zur\u00fcck zu den ersten beiden Spielen, die ich zuvor gemeinsam mit einem Freund ausprobierte: <b>Audioshield<\/b> und <b>Windlands<\/b>. Ersteres ist eine VR-Variante von <b>Audiosurf<\/b>, nur dass ihr hier mit euren H\u00e4nden zwei Schilde haltet und im Takt zur Musik auf euch zu fliegende B\u00e4lle abwehrt. Der Effekt ist bei schnellen Trance-St\u00fccken etwas entt\u00e4uschend und daf\u00fcr unter orchestraler Wucht von Sam Dillard bis Hans Zimmer ganz gro\u00dfes Kino. <\/p>\n<p><b>Windlands<\/b> wiederum versetzt euch in eine fremde Welt voller kleiner, schwebender Inseln, in denen ihr nach Kristallen sucht. Es ist meine erste Begegnung mit der gr\u00f6\u00dften H\u00fcrde, die uns die derzeitige VR-Technologie beschert: Ich m\u00f6chte einerseits frei umher laufen, was aber andererseits aufgrund der in meinem Zimmer festgesteckten Grenzen nicht m\u00f6glich ist. Derzeit gibt es nur zwei befriedigende L\u00f6sungen f\u00fcr das Problem: Entweder ihr marschiert klassisch per Steuerkreuz oder ihr teleportiert euch von Punkt zu Punkt.<\/p>\n<p>Die erste Variante klingt offensichtlich und ist doch nicht ohne. Denn das eigene Gehirn kommt nicht sogleich mit, wenn man sich bewegt ohne sich zu bewegen. Die erste halbe Stunde ist von leichtem Schwindel untermauert, jedoch ohne Kopfschmerzen. Es f\u00fchlt sich eher so an, als ob ich meinen Halt verliere. <\/p>\n<p>Doch <b>Windlands<\/b> stellt euren Motion Sickness Level noch viel derber auf die Probe, weil ihr n\u00e4mlich mit zwei Schwunghaken (!) von Insel zu Insel hechtet. Erstaunlicherweise kommt mein Hirn damit besser zurecht als mit der Lauferei \u2013 jedenfalls musste ich nur zu Beginn die Augen mit jedem Schwung schlie\u00dfen. Nicht mal eine Stunde sp\u00e4ter hangele ich mich flie\u00dfend von Insel zu Insel, h\u00e4nge frei in der Luft und beobachte in Ruhe meine Umgebung nach dem n\u00e4chsten Zielort.<\/p>\n<p>Der besagte Freund macht eine \u00e4hnliche Erfahrung wie ich, verfehlt jedoch eine Erkenntnis, die ich erst nach l\u00e4ngerem Spielen beobachte. Denn zun\u00e4chst fluchen wir am meisten \u00fcber die schwammige Sprungsteuerung, bei der wir st\u00e4ndig daneben h\u00fcpfen. Doch dann f\u00e4llt mir speziell bei weiten Spr\u00fcngen auf, dass ihr eure Landung in <b>Windlands<\/b> auf eine sensationell intuitive Weise lenkt: Ihr m\u00fcsst einfach nur dorthin schauen, wo ihr landen m\u00f6chtet!<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter und viele weitere Stunden, die ich vor allem mit <b>Audioshield<\/b> verbringe, kommt der n\u00e4chste Pulk an Freunden ins Haus. Ich wiederhole mit ihnen meine eigenen Erfahrungen und f\u00fchre sie zun\u00e4chst mit <b>NeonRetro Arcade<\/b> in die virtuelle Welt ein. Danach kommt <b>Windlands<\/b> zum Zuge \u2013 und der Fesselfaktor \u00fcbermannt sogleich jeden. <\/p>\n<p>Am Tag darauf habe ich wieder Besuch und diesmal probieren wir etwas Neues aus: <b>Vanishing Realms<\/b>, quasi ein <b>Skyrim<\/b>-light. Die Welt sicherlich klein und auch nach Stunden begegnen wir gerade mal vier Gegnertypen. Aber bei Gott, allein diese Bogenk\u00e4mpfe! Ihr seht von Weitem einen Sch\u00fctzen und duckt euch instinktiv vor einem Stein, damit er euch nicht trifft. Ihr spannt mit euren H\u00e4nden euren Bogen, steht auf, geht einen Schritt zur Seite und zielt. Ihr bleibt stehen, zielt erneut, der Pfeil des Gegners huscht zu euch und ihr geht ruckartig den Schritt zur Seite zur\u00fcck. Sp\u00e4testens hier versagt jeder Vergleich mit der Wii, deren Bewegungstechnologie in der Tat zu einem Gimmick verkam. <\/p>\n<p>Es ist sowohl f\u00fcr Au\u00dfenstehende als auch f\u00fcr den Spieler hinter der VR-Brille ein bahnbrechendes Schauspiel. <b>Vanishing Realms<\/b> pulverisiert das Argument, VR-Programme k\u00f6nnen keine ausgewachsenen Produkte sein. Nat\u00fcrlich d\u00fcrfte es schwer fallen, ein Kaliber \u00e1 la <b>Skyrim<\/b> oder <b>Witcher 3<\/b> in dieser Form zu spielen \u2013 allein schon, weil das K\u00e4mpfen k\u00f6rperliche Anstrengung bedeutet. Aber es lohnt sich ungemein, weil mich bereits jetzt das riesengro\u00dfe Potenzial der derzeit verf\u00fcgbaren VR-Technologie erschl\u00e4gt: der Reiz des Entdeckens.<\/p>\n<p>Wir haben <b>Vanishing Realms<\/b> abwechselnd zu dritt gespielt und uns in jedem Raum bestimmt zehnmal so lange aufgehalten, wie in einem gew\u00f6hnlichen Rollenspiel. Da musste jeder Stein umgedreht und jeder Goldfelsen zerhackt werden. Die HTC Vive holt aus \u201eeinfachen\u201c Spielen so viel mehr heraus, weil das Feeling einfach atemberaubend ist. Nebenbei greift hier die andere Steuerungsmethode mit dem Teleportieren, die ebenfalls erstaunlich stimmig ist und jedes Schwindelgef\u00fchl von vorneherein ausschlie\u00dft. <\/p>\n<p>All das erinnert mich sehr an die Faszination alter Computersysteme, in denen jeder neue technologische Fortschritt als \u201eWoah!\u201c-Faktor gefeiert wurde. Jahrelange habe ich gemosert, dass der Zenit erreicht ist: Die Technologie kann kaum noch besser werden, weil wir bereits jetzt nahezu fotorealistische Grafiken auf dem Bildschirm sehen. Die Faszination des Neuen, zumindest aus technischer Sicht, sei auf ewig dahin.<\/p>\n<p>Mit der HTC VIVE ist diese Sorge vergessen. Gerade weil die Technologie nicht perfekt ist, ist all das, was funktioniert, ein unvergessliches Highlight. Zudem ist f\u00fcr mich jetzt wieder diese Hoffnung vorhanden, dass die Techniker und Computerjunkies dieser Welt sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck neue Features ausdenken. Wie kann man dem Spieler vorgaukeln, dass er richtig laufen kann, ohne sich im Raum zu bewegen? Wie k\u00f6nnte man ihn mit Ber\u00fchrungen virtueller Gegenst\u00e4nde \u00fcberraschen? Inwiefern sollte die Realit\u00e4t au\u00dfen vor bleiben, damit niemand vor Ersch\u00f6pfung oder gar vor Schmerzen aufgeben muss?<\/p>\n<p>Die HTC VIVE ist ein m\u00e4chtiger und wichtiger Schritt, f\u00fcr eine v\u00f6llig neue Art des Spielens. Und das sage ich nicht, weil ich daf\u00fcr bezahlt werde \u2013 sondern weil ich es selbst erlebt habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist fast ein halbes Jahr her, als ich mir im hiesigen Alternate die HTC Vive leistete \u2013 einerseits aufgrund des damaligen Angebotes, weshalb mich das gute St\u00fcck 800 anstatt 900 Euro kostetet, und andererseits aus meiner Sammelgier, alle tollen Spiele dieser Welt haben zu m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-6204","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-game"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6204","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6204"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6204\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6205,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6204\/revisions\/6205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}