{"id":6098,"date":"2016-12-30T05:49:07","date_gmt":"2016-12-30T03:49:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=6098"},"modified":"2021-07-12T23:54:42","modified_gmt":"2021-07-12T21:54:42","slug":"la-la-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=6098","title":{"rendered":"La La Land"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich vermeide ich Angaben bez\u00fcglich meines Lieblingsgenres. Meine schn\u00f6de Ausrede bez\u00fcglich solcher Fragen lautet: Ich mag Filme, die gut sind. Doch nat\u00fcrlich gibt es diverse Tendenzen: Mich faszinieren intelligente Science-Fiction-Geschichten, die nicht zu abgehoben sind, zu meinen gr\u00f6\u00dften \u201eGuilty Pleasures\u201c geh\u00f6ren Katastrophenfilme und dar\u00fcber hinaus ist mir eine originelle Regiearbeit lieber als ein perfekt geschniegeltes Drehbuch.<\/p>\n<p>Und dann sind da die Love-Storys: Das Genre, das in meinen Augen am schwierigsten umzusetzen ist und mich am meisten umhaut, wenn es funktioniert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><b>La La Land<\/b> erz\u00e4hlt eine im Grunde sehr einfache Geschichte zwischen einem Mann und einer Frau, die sich ineinander verlieben und gemeinsam beim Erreichen ihrer ambitionierten Tr\u00e4ume unterst\u00fctzen. W\u00e4hrend Sebastian (Ryan Gosling) einen eigenen Club besitzen und als leidenschaftlicher Pianist den klassischen Jazz vom Aussterben bewahren m\u00f6chte, tr\u00e4umt Mia (Emma Stone) von einer Schauspielerkarriere. Beide m\u00fcssen die \u00fcblichen R\u00fcckschl\u00e4ge in Kauf nehmen, die einem bei solch ehrgeizigen Motiven zwangsl\u00e4ufig \u00fcber den Weg laufen und in letzter Instanz auch die Beziehung der beiden auf die Probe stellen.<\/p>\n<p>Im Prinzip gibt es nicht mehr \u00fcber die Rahmenhandlung zu sagen, was sich f\u00fcr den einen oder anderen sehr d\u00fcnn anh\u00f6rt. Doch um diesen schlichten Kern herum hat Regisseur Damien Chazelle, der vor zwei Jahren mit <b>Whiplash<\/b> eines der besten Deb\u00fctwerke \u00fcberhaupt ablieferte, eine unvergleichliche Fassade gebaut. Seine Liebe zur Musik kommt diesmal in Form von Musicalnummern zum Einsatz, die entweder sehr ruhig und wundersch\u00f6n einf\u00fchlsam oder enorm lebendig und schlichtweg atemberaubend daherkommen. Allein die Anfangsszene, in der Chazelle innerhalb von Sekunden einen Stau auf dem Highway zu einer sensationell gut choreographierten Party aufbaut, ist auf dem gleichen Niveau der ganz, ganz gro\u00dfen Musicalhighlights aus den 1950er Jahren, wie <b>Singin in the Rain<\/b> oder <b>Seven Brides for Seven Brothers<\/b>.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt ist es dieser stetig flie\u00dfende Tempowechsel, den Chazelle perfekt im Griff hat, und der seinem Film eine herzerfrischende Dynamik verleiht. Gleichwohl die Musicalnummern Genre-typisch etwas Fantastisches haben, wirken sie im Gegensatz zu ihren Genrekollegen nat\u00fcrlich und zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt. Aus diesem Grunde kommen sie auch nur dann zum Einsatz, wenn sie der Geschichte dienen. In der zweiten H\u00e4lfte des Filmes verzichtet Chazelle gar weitgehend darauf, weil es nicht zum Ton der Ereignisse passen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Neben der spektakul\u00e4ren, ja, ich m\u00f6chte gar sagen revolution\u00e4ren Inszenierung gelingt <b>La La Land<\/b> auch praktisch jeder andere Aspekt. So d\u00fcnn die Geschichte in einer Zusammenfassung erscheint, so interessant sind die Dialoge trotz ihrer einfachen Botschaft geschrieben. Ryan Gosling und Emma Stone harmonieren so gut wie kein anderes Filmliebespaar zusammen, das ich in diesem Jahrzehnt auf der Kinoleinwand gesehen habe. W\u00e4hrend Gosling der minimal bessere S\u00e4nger der beiden ist, zieht Stone alle Register in Punkto Mimik. Es gibt zahlreiche Momente, in denen sie ihren Blick mal subtil, mal offensichtlich ver\u00e4ndert und in jedem Fall eine eindringliche Wirkung erzielt. Manchmal bekommt ihr sie als Zuschauer nur f\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde zu Gesicht, was den Effekt umso verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Die Chemie der beiden geht jedenfalls weit \u00fcber die eines blind verliebten P\u00e4rchens hinaus und ist trotz der filmischen Freiheiten, die eine Love-Story zusammengepresst in zweieinhalb Stunden nun einmal mit sich bringt, bemerkenswert authentisch. <b>La La Land<\/b> wirkt deshalb dank des gro\u00dfartigen Schauspiels wie ein realistisches, lebensnahes M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Und damit bin ich immer noch nicht bei Linus Sandgrens bravour\u00f6ser Kameraarbeit, Tom Cross meisterhafter Schnitttechnik oder Justin Hurwitz unvergesslicher Musik angelangt. \u00dcberhaupt: Wann habt ihr zuletzt einen Film mit durchweg neuen Musicalnummern gesehen? Abseits des fantastischen sowie erstaunlich komplexen instrumentalen Scores ist es vor allem der magische Song <b>City Of Stars<\/b>, den ihr bereits nach f\u00fcnf Sekunden fehlerfrei mitpfeift.<\/p>\n<p><b>La La Land<\/b> ist einer dieser ganz seltenen Filme, die sowohl originell als auch in meinen dem\u00fctigen Augen praktisch perfekt sind. Mir f\u00e4llt jedenfalls keine Szene ein, die mir irgendwie missfallen oder bei der ich mich gelangweilt h\u00e4tte. Das Ende ist gar hochgradig aufw\u00fchlend, ebenfalls ein Spektakel f\u00fcr sich und zeigt, das Chazelle nicht nur ein extrem begabter Regisseur sondern auch ein genialer Drehbuchautor ist. Ich meine: Der Junge wird n\u00e4chstes Januar gerade mal 32 Jahre alt&#8230; was soll hiernach noch kommen, womit er sich selbst \u00fcbertreffen k\u00f6nnte?<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_67942\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/je0aAf2f8XQ?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n<em>Der offizielle Kinostart in Deutschland ist der 12. Januar. 2017.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich vermeide ich Angaben bez\u00fcglich meines Lieblingsgenres. Meine schn\u00f6de Ausrede bez\u00fcglich solcher Fragen lautet: Ich mag Filme, die gut sind. Doch nat\u00fcrlich gibt es diverse Tendenzen: Mich faszinieren intelligente Science-Fiction-Geschichten, die nicht zu abgehoben sind, zu meinen gr\u00f6\u00dften \u201eGuilty Pleasures\u201c geh\u00f6ren Katastrophenfilme und dar\u00fcber hinaus ist mir eine originelle Regiearbeit lieber als ein perfekt geschniegeltes Drehbuch. 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