{"id":5988,"date":"2016-04-10T20:00:54","date_gmt":"2016-04-10T18:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=5988"},"modified":"2016-04-10T20:38:53","modified_gmt":"2016-04-10T18:38:53","slug":"game-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=5988","title":{"rendered":"Game #1: Shadow of the Colossus"},"content":{"rendered":"<p><i><a href=\"https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/001-Shadow_of_the_Colossus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5921\" alt=\"001-Shadow_of_the_Colossus\" src=\"https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/001-Shadow_of_the_Colossus.jpg\" width=\"600\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/001-Shadow_of_the_Colossus.jpg 600w, https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/001-Shadow_of_the_Colossus-300x70.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a>Hersteller: Team Ico<br \/>\nDirector: Fumito Ueda<br \/>\nComposer: Kow Otani<br \/>\nSystem: PlayStation 2<br \/>\nJahr: 2005<\/i><\/p>\n<p><!--more-->Ich habe ein ernsthaftes Problem damit, wie Video- oder Computerspiele als Kunst bezeichnet werden. Wenn ich nur solch Lobpreisung beispielsweise \u00fcber <b>Okami<\/b> oder <b>The Last of Us<\/b> lese, bekomme ich Hautausschlag \u2013 so sehr ich diese Titel auch sch\u00e4tze. Es kann nicht sein, dass die \u201eKunst\u201c in einem Spiel auf das optische Design oder eine clever erz\u00e4hlte Geschichte reduziert wird. Die \u201eKunst\u201c sollte im Spiel selbst begraben liegen. Und genau das ist die Krux: Ein Spiel sollte doch Spa\u00df machen \u2013 oder etwa nicht? Braucht es wirklich ein <b>This War of Mine<\/b>, das mich nur noch weiter deprimiert, damit ich so etwas wie ein \u201ekunstvolles Spiel\u201c in der Hand habe? Es scheint wie ein Paradoxon, diesen Anspruch der Kunst mit der Unbeschwertheit eines Spieles zu vereinen&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;und doch wurde das Dilemma in \u00fcber drei\u00dfig Jahren immerhin ein einziges Mal in seiner G\u00e4nze gel\u00f6st.<\/p>\n<p><b>Shadow of the Colossus<\/b> ist unbeschreiblich gut. Es ist f\u00fcr mich wie eine wahre Liebe, die man nicht nur wegen ihrer St\u00e4rken sondern auch aufgrund ihrer Schw\u00e4chen verehrt. Egal ob es die ruckelige Grafik oder die zickige Kamerasteuerung ist: Es sind Dinge, die dazu geh\u00f6ren und die <b>Shadow of the Colossus<\/b> f\u00fcr mich zu etwas besserem machen.<\/p>\n<p>Aber warum ist das so? Weil das Spiel Kunst ist. Es ist eine Kunst, den Spieler durch eine leere, \u00f6de Landschaft zu schicken und ihn trotzdem damit zu faszinieren. Es ist eine Kunst, ihm nur ein Schwert und einen Bogen in die Hand zu dr\u00fccken und doch mehr Abwechslung zu geben als drei\u00dfig Spiele zusammen. Es ist eine Kunst, ihm vorzugaukeln, er mache das Richtige, obwohl er genau das Falsche tut. Und es ist eine Kunst, den Spieler weiterhin zu motivieren, selbst wenn er das im Laufe des Abenteuers realisiert.<\/p>\n<p>Wir reden hier schlie\u00dflich nicht von einem \u201eb\u00f6sen\u201c Charakter, der bewusst die Welt vernichten will. Alles, was ihr tut, dient einem Zweck: eure Liebste wieder ins Leben zur\u00fcck zu rufen. Es braucht keine gro\u00dfe Erkl\u00e4rung, keine ausschweifenden Dialoge und keine ewig lange Einf\u00fchrung, warum man das tun sollte. Es reicht das Ablegen des leblosen K\u00f6rpers auf einem steinernen Altar, der sofort klar macht: \u201eIch *muss* das tun. Und ich *werde* das tun.\u201c. Da ist es zweitrangig, wenn die Stimme von Dormin so allm\u00e4chtig und bedrohlich klingt.<\/p>\n<p>T\u00f6te die 16 Kolossi: Es ist eine Kunst, ein Spiel auf Action und Geschicklichkeit zu reduzieren und in eine solche Epik zu verpacken. Allein die majest\u00e4tische Gr\u00f6\u00dfe, wenn ihr vor dem ersten H\u00fcnen steht, ist atemberaubend.<\/p>\n<p>Es ist eine Kunst, eine v\u00f6llig neue Form des Spieles mit altgedienten Mechanismen zu erschaffen. Was macht ihr schon? Laufen, klettern, reiten, springen, mit dem Bogen schie\u00dfen und mit dem Schwert k\u00e4mpfen. Doch die Plattform ist keine starre Landschaft, die Gegner keine kleinw\u00fcchsigen Kobolde. Es ist eine Kunst, wenn Feind und Umgebung identisch sind.<\/p>\n<p>Ich habe bei einigen Spielen bereits geschrieben, dass es f\u00fcr mich zweierlei Arten von Hits gibt: Die geplanten und die \u00fcberraschenden. <b>Shadow of the Colossus<\/b> ist vielleicht das einzige Spiel, das beides geschafft hat. Im Vorfeld faszinierte mich rein das Konzept, mit einem kleinen M\u00e4nnchen riesige Kolosse zu besteigen. Mir schwebte ein klassisches Plattformspiel vor, bei dem sich der Untergrund stetig bewegt \u2013 und keine Achterbahnfahrt der Gef\u00fchle.<\/p>\n<p>Ich kenne keine Geschichte, die allein aufgrund ihrer dezenten Erz\u00e4hlweise derart perfekt ist. Der Held trauert um seine Geliebte, reitet mit ihrem Leichnam in ein fernes Land und bittet ein m\u00e4chtiges Wesen um Hilfe, sie wiederzubeleben. Dieses willigt ein, jedoch nur, wenn er die 16 Kolossi besiegt, die ihn gefangen halten. Also macht sich der Held auf, mit seinem Pferd durch weite, einsame Steppen, Berge und Felder zu reiten. Er sucht einen Koloss nach dem anderen auf und wird aufgrund ihrer Einzigartigkeit jedes Mal aufs neue geblendet und gefordert. Er muss sowohl die Schwachstellen des Koloss finden als auch \u00fcberlegen, wie er zu ihnen gelangt. Denn nur der erste H\u00fcne ist derart \u201esimpel\u201c, dass der Held einfach \u00fcber sein behaartes Fell vom Fu\u00df auf den Kopf klettert.<\/p>\n<p><b>Shadow of the Colossus<\/b> vereint nahezu alles, was ein Spiel grandios machen kann: Das Konzept ist innovativ, das Leveldesign herausragend und der Grad der Abwechslung allein durch die v\u00f6llig unterschiedliche Natur der Kolossi immens. Der eine tr\u00e4gt ein riesiges Steinschwert, der andere fliegt durch die L\u00fcfte, der n\u00e4chste schwimmt im Sand der W\u00fcste, der folgende lebt unter Wasser, und so weiter und so fort. Gleichzeitig bleibt das Spielsystem \u00fcberschaubar, eben gerade weil euch die Spielmechanik nicht mit hunderten von Waffen oder Features zum\u00fcllt. Es gibt einen Helden, ein Pferd, ein Schwert und einen Bogen \u2013 mehr braucht es nicht.<\/p>\n<p>\u00dcber all dem ragt eine Atmosph\u00e4re, die unerreicht und einfach unbeschreiblich ist. Das ist mein Ernst: Ich kann das nicht in Worte fassen &#8211; dass muss jeder selbst erlebt haben. Tief im Inneren steckt weitaus mehr dahinter, als das ein \u201eHeld\u201c gegen \u201eKolossi\u201c k\u00e4mpft. Allein die Tragik, die sich bis zum Ende entwickelt, ist gleichzeitig niederschmetternd und inspirierend. Es ist derart schwer, dem Spieler zu suggerieren, dass seine Taten vielleicht nicht so ganz richtig sind, und ihn trotzdem zu motivieren, weiterzumachen. Fumitso Ueda schafft dieses Kunstst\u00fcck wie kein anderer Regisseur.<\/p>\n<p>Ja, ich habe <b>Shadow of the Colossus<\/b> nur viermal durchgespielt \u2013 und zweimal allein wegen des Videos. Es ist auch gar nicht notwendig, dass man es wie immer mal wieder spielt. Der Grund, warum ich es nach reiflicher \u00dcberlegung \u00fcber alles andere stelle, was ich je gespielt habe, ist der nachhaltige Eindruck. Kein anderes Spiel hat mich derart geformt. Kein anderes Spiel hat mich \u00fcber so viele Jahre hinweg auf solch eine Weise verfolgt. Allein wenn ich an das Ende denke, zerrei\u00dft innerlich alles in mir.<\/p>\n<p>Ich habe zwanzig Jahre lang <b>Doom<\/b> als mein pers\u00f6nliches Lieblingsspiel bezeichnet \u2013 und somit auch knapp zehn, in denen ich bereits <b>Shadow of the Colossus<\/b> kannte. Genau genommen \u201estartete\u201c das Spiel zun\u00e4chst irgendwo auf den Pl\u00e4tzen elf bis zwanzig. Erst im Laufe der Zeit realisierte ich, was mir Fumitso Ueda angetan hat. Es brauchte ein Weilchen bis ich wirklich kapierte, dass <b>Shadow of the Colossus<\/b> in vielerlei Hinsicht das \u201eBeste\u201c ist, was ich je erlebt habe.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt eine R\u00fcckblende: Ich schrieb bez\u00fcglich <b>Resident Evil 4<\/b>, das im gleichen Jahr ein Titel erschienen sei, der die Branche insgeheim auf den Kopf gestellt hat. Damit meinte ich <b>Shadow of the Colossus<\/b>, weil es f\u00fcr mich den Beginn darstellt, in denen Spiele in der Tat so etwas wie \u201eerwachsen\u201c wurden. Pl\u00f6tzlich ging es nicht mehr nur um geile Grafik, tolle Story oder ein ausgekl\u00fcgeltes Design. <b>Shadow of the Colossus<\/b> sorgte f\u00fcr Inspirationen, f\u00fcr Emotionen und f\u00fcr eine v\u00f6llig neue Sichtweise, was mit diesem Medium wirklich m\u00f6glich ist. Es ist in meinen Augen der wahre Startpunkt der Indieszene, weil es sich etwas unglaublich Wagemutiges getraut hat. Und das \u201eauf den Kopf stellen\u201c bezieht sich auf die Trennung zwischen dem Feierabendzocker, der weiterhin seine Grafikorgie zelebrieren und dabei nicht allzu viel nachdenken m\u00f6chte \u2013 und dem versierten, euphorischen sowie aufgeschlossenen Vollblutzocker, der jeden Tage etwas wirklich Neues entdecken m\u00f6chte.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_16049\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6VE3hw62Kgg?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Shadow_of_the_Colossus1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-5931\" alt=\"Shadow_of_the_Colossus\" src=\"https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Shadow_of_the_Colossus1-752x1024.jpg\" width=\"576\" height=\"784\" srcset=\"https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Shadow_of_the_Colossus1-752x1024.jpg 752w, https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Shadow_of_the_Colossus1-220x300.jpg 220w, https:\/\/www.theawardian.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Shadow_of_the_Colossus1.jpg 807w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hersteller: Team Ico Director: Fumito Ueda Composer: Kow Otani System: PlayStation 2 Jahr: 2005<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,2],"tags":[],"class_list":["post-5988","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-game","category-personal-top-365"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5988"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5988\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5991,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5988\/revisions\/5991"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}