{"id":562,"date":"2014-05-14T04:11:01","date_gmt":"2014-05-14T02:11:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=562"},"modified":"2014-05-14T04:15:44","modified_gmt":"2014-05-14T02:15:44","slug":"movie-soundtrack-mania-part-i-die-golden-globes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=562","title":{"rendered":"Movie Soundtrack Mania I"},"content":{"rendered":"<p><i>Erinnert sich wer an meinen Blogeintrag von vor zwei Monaten, in dem ich eine detaillierte Beschreibung diverser Film-Soundtrackawards andeutete und diese vergleichen wollte? Nein? Egal: Hier ist der erste Teil, der den Musikgeschmack der Golden-Globe-jungs anhand der letztj\u00e4hrigen Verleihung er\u00f6rtert.<\/i><\/p>\n<p><!--more-->Die Golden Globes sind ein interessantes V\u00f6lkchen: Sie wandeln irgendwo zwischen sympathischer Individualit\u00e4t, Sucht nach Starruhm und potenzieller Bestechlichkeit. Gew\u00e4hlt von einem \u00fcberschaubaren Haufen eigenwilliger Journalisten, werden sie einerseits von ihrer eigenen Zunft heimlich bel\u00e4chelt, wissen aber immerhin, wie eine fesche Show auszusehen hat. Und wenn daf\u00fcr eine Angelina Jolie oder eine Julia Roberts f\u00fcr eine mittelm\u00e4\u00dfige Performance nominiert werden muss \u2013 dann ist das halt so.<\/p>\n<p>Nahezu alle Kategorien, die bei den Golden Globes gew\u00fcrdigt werden, bezeichnet selbst der Laie als \u201cwichtig\u201c. Lasse ich den TV-Kram mal au\u00dfen vor, so gibt es Auszeichnungen f\u00fcr Bestes Drama, Beste Kom\u00f6die\/Musical, Beste Regie, Bestes Drehbuch und insgesamt sechs Schauspieler. Doch gerade weil solch zweitrangig wichtige Dinge wie Kamera, Schnitt oder Visuelle Effekte fehlen, stechen zwei gesonderte Auszeichnungen umso mehr hervor: Bester Song und Beste Musik.<\/p>\n<p>Das ist schon irgendwie lustig: Ausgerechnet in der Kategorie, die aufgrund ihrer Vielschichtigkeit kaum f\u00fcr Konsens sorgt, m\u00f6chte die Hollywood Foreign Press Assocation ihren eigenen Stempel draufdr\u00fccken. Mir soll es nur recht sein, denn es gibt kein anderes Thema, das mir mehr am Herzen liegt als die der Filmmusik.<\/p>\n<p>Was sofort beim Durchlesen alter Statistiken auff\u00e4llt: Das Vorurteil, die Globes w\u00fcrden \u201cStarruhm auf Teufel komm raus\u201c erzwingen, gilt hier ebenso wie in allen anderen Kategorien. Ist ein John Williams, ein Ennio Morricone oder ein Hans Zimmer in greifbarer N\u00e4he, dann wird er auch auf die Nomninierungsliste gesetzt. Auf der anderen Seite sind Komponisten, die landl\u00e4ufig wenig bekannt sind, eher selten G\u00e4ste. Fragt einmal Thomas Newman, der trotz zw\u00f6lf Oscar-Nominierungen bislang nur dreimal zur Verleihung der Golden Globes eingeladen wurde \u2013 davon zweimal f\u00fcr den besten Song und nur einmal (!) f\u00fcr die beste Filmmusik, in einem Jahr wo zu allem \u00dcberfluss satte neun (!!) Soundtracks nominiert wurden. Zugegeben d\u00fcrfte solch ein krasser Unterschied nicht nur im mangelnden Starruhm begr\u00fcndet liegen, sondern schlicht an den verschieden geeichten Geschm\u00e4ckern. Sprich: Newman trifft eden Nerv der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und eben nicht den der HFPA.<\/p>\n<p>2013 kamen folgende f\u00fcnf Filmsoundtracks bei den Golden Globes zu Ehren:<\/p>\n<ul>\n<li><b>All is Lost<\/b> von Alexander Ebert<\/li>\n<li><b>Die B\u00fccherdiebin<\/b> von John Williams<\/li>\n<li><b>Gravity<\/b> von Steven Price<\/li>\n<li><b>Mandela \u2013 Der lange Weg zur Freiheit<\/b> von Alex Heffes<\/li>\n<li><b>12 Years a Slave<\/b> von Hans Zimmer<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_87135\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/F6oiJU0SjSY?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><b>All is Lost<\/b> steht nicht nur des Alphabets wegen ganz oben, sondern hat das Ding sogar gewonnen \u2013 was f\u00fcr viele unerwartet kam, aber eben nicht f\u00fcr alle. Denn in der Tat zehrt Alexander Eberts ambienter Score von einer sehr treuen Fangemeinde. Die Musik erinnert mich weniger an Filme, als an diese alten, typischen Renderadventures, die in den 1990er Jahren die PC-Systeme unsicher machten. Dort wandelte der Spieler meist durch eine verwaiste Spielwelt und l\u00f6ste mehr oder weniger logische R\u00e4tsel. In <b>All is Lost<\/b> wiederum sehen wir Robert Redford, der ohne fremde Hilfe auf seinem eigenen Schiff ums \u00dcberleben k\u00e4mpft. Er schlittert von einer Extremsituation in die andere und verliert St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck die Hoffnung, wieder heil nach Hause zu gelangen. Ergo passt die Stilrichtung, denn sowohl im Film als auch bei den besagten Adventures ist der Protagonist alleine auf Abenteuerkurs.<\/p>\n<p>Mangels Dialoge m\u00fcssen Musik und Toneffekte viel mehr Verantwortung als eine \u201cgew\u00f6hnliche\u201c Kinoproduktion tragen. Das ist zum einen eine gesonderte Herausforderung f\u00fcr den Komponisten und gleichzeitig eine besondere Ehre f\u00fcr ihn, denn schlie\u00dflich wird der Fokus des Zuschauers verst\u00e4rkt auf seine Arbeit gerichtet. Umso erstaunlicher, dass Ebert so viel Lob und so wenig Kritik f\u00fcr seine Arbeit erlangt hat. Denn durch die Dominanz sehr tiefer, dumpfer Fl\u00f6tent\u00f6ne entsteht auf Dauer eine nicht von der Hand zu weisende Monotonie, die erst gegen Ende durch den Einsatz einer Akustikgitarre aufgelockert wird.<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: Ebert schafft noch am Anfang, mich bei Laune zu halten, driftet jedoch ungef\u00e4hr zur Halbzeit in die Belanglosigkeit ab. Einzelne St\u00fccke ziehen sich enorm in die L\u00e4nge, ohne sich dabei zu steigern oder gar zu entwickeln (z.B. <i>The Invisible Man<\/i>). Die Musik erf\u00fcllt ihren Zweck im Film, bleibt mir aber nicht in Erinnerung. Das Album ohne das Visuelle l\u00e4sst mich v\u00f6llig kalt, weshalb ich es nicht am St\u00fcck h\u00f6ren kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_35362\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/mSxAPuL0Fug?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>John Williams ist vermutlich das beste, was der Filmmusikgeschichte je widerfahren ist. Der Mann ist eine lebende Legende und hat Gr\u00f6\u00dfen wie <b>Der wei\u00dfe Hai, Star Wars <\/b>oder <b>Schindler&#8217;s Liste<\/b> geschaffen, w\u00e4hrend andere Komponisten bereits f\u00fcr einen Kracher dieser Art sterben w\u00fcrden. Williams erzeugt unheimlich viel Harmonie und Selbstverst\u00e4ndlichkeit in seinen Werken, weshalb wir seine Musik sofort verinnerlichen. Er liebt das Zusammenspiel zwischen Klavier sowie Violine, er wechselt mit einem Fingerschnipsen von einer Emotion zur anderen und er wei\u00df ganz genau, wie er sein Thema zum Hirneinbrennwerk zu arrangieren hat.<\/p>\n<p><b>Die B\u00fccherdiebin<\/b> ist eine gute, aber keine herausragende Arbeit. In der Tat gelingt Williams erneut ein sch\u00f6nes Hauptthema, das sofort ins Blut geht. Obwohl die Geschichte aufgrund ihrer Weltkriegsthematik alles andere als unbeschwerlich ist, animiert uns die Musik sofort zum Seufzen und zum Tr\u00e4umen, Damit erleichtert uns John Williams den Umgang mit dem Schrecken von damals, ohne unsere Augen zu verschlie\u00dfen. Dar\u00fcber hinaus erinnert jedes neue Werke an seine vorhergehenden, was aufgrund der oben erw\u00e4hnten Klassiker von Haus aus ein wohliges Gef\u00fchl formt.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz halte ich diese Nominierung f\u00fcr \u201cfalsch\u201c. John Williams mag immer funktionieren, jedoch sollte er nicht f\u00fcr Kopien seiner selbst honoriert werden. Und genau das stellt <b>Die B\u00fccherdiebin<\/b> dar: Da ist nichts, was mich spitz aufhorchen l\u00e4sst oder wo ich mir denke \u201cMensch, da hat der gute John doch noch mal eine Schippe drauf gelegt.\u201c Insofern w\u00e4re es mir lieber gewesen, sein Platz w\u00e4re an j\u00fcngere Komponisten gegangen, die sich gerade erst am definieren und uns am \u00fcberraschen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_68996\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/gZRQmcQK6Lk?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich gleich f\u00fcr die folgenden Abs\u00e4tze entschuldigen, denn f\u00fcr den folgenden Fall fehlt mir jegliche Objektivit\u00e4t. Steven Price <b>Gravity <\/b>ist in meinen Augen nicht von dieser Welt. Bereits in meiner <a href=\"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=442\">Filmkritik<\/a> im h\u00f6chsten Ma\u00dfe gelobt, kann ich hier nur erneut wiederholen, was f\u00fcr eine unglaubliche, wahnsinnige und atemberaubende Leistung Price vollbracht hat. Allein die perfekte Mixtur aus klassischem Orchester, unz\u00e4hligen Synthesizerlementen und nahtloser Einbindung von Toneffekten ist der Grund, warum ich <b>Gravity<\/b> verehre.<\/p>\n<p>Ohne die treibende, Adrenalin-f\u00f6rdernde und insbesondere am Ende bis in die Unendlichkeit aufpeitschende Musik w\u00e4re der Film nur halb so gut. Sie schenkt eine abartige Dramatik, die essentiell wichtig f\u00fcr das Gesamtkunstwerk ist. Auch die harten Cuts, in denen die Lautst\u00e4rke bis zum Anschlag gedreht und von einer Sekunde auf die andere brutal abgebrochen wird, ist wie ein Weckruf, der aufgrund der atemberaubenden Szenen mein stehen gebliebenes Herz noch einmal kurz ins Stocken und danach wieder zum Schlagen bringt.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, was die Zukunft f\u00fcr Steven Price bereit h\u00e4lt. Aber ich glaube kaum, dass er diese Arbeit jemals \u00fcbertreffen wird. Dazu ist die Zusammenarbeit mit Alfonso Cuarons Bildgewalt einfach zu perfekt.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_54051\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/S5_LFrm4y6s?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Die Golden-Globe-Nominierung, die f\u00fcr mich die meisten Fragezeichen bei der letzten Verleihung hinterlie\u00df, ist eindeutig die f\u00fcr die beste Filmmusik von <b>Mandela \u2013 Der lange Weg zur Freiheit<\/b>. Um gleich Missverst\u00e4ndnissen aus dem Weg zu gehen: <i>Ordinary Love<\/i>, der Song von U2, der den Globe gewann und auch bei den Oscars mit im Rennen lag, ist ohne jeden Zweifel erhaben. Er ist schmissig, er ist aufw\u00fchlend und er rundet mit der rechten Euphorie die zuvor gezeigte Biographie ab. Aber dar\u00fcber hinaus ist die Musik knapp \u00fcberdurchschnittlich und sticht kaum hervor. Ich mutma\u00dfe deshalb frech, dass die Nominierung ohne den Song nicht zustande gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Zumindest handwerklich hat Heffes eine gute Arbeit abgeliefert. Abseits der Bilder erkenne ich in den lauten, dramatischen Teilen einen Hauch von Hans Zimmer und hinter dem St\u00fcck mit dem schlichten Namen <i>Mandela &amp; Winnie<\/i> eine Prise John Barry. Aber wie so viele orchestrale Scores der heutigen Zeit will sich keine Note in mein Ged\u00e4chtnis einbrennen, selbst wenn Heffes ihn mit eindringlichen E-Gitarren-Kl\u00e4ngen verziert und allgemein auf Abwechslung setzt. Es fehlt einfach eine Handschrift, ein echtes Markenzeichen. Jedenfalls waren s\u00e4mtliche Passagen, die mich instinktiv ansprachen, kleine Teaser, die die Brillanz von <b>Ordinary Love<\/b> andeuteten.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_79658\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/rJ0FQovU0Ws?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Zu guter Letzt bleibt der Hans, der Zimmer, der zu den besonderen Lieblingen der Golden Globe Verleihung geh\u00f6rt und daf\u00fcr erstaunlich oft bei den Academy Awards \u201c\u00fcbergangen\u201c wurde \u2013 was angeblich mit an seiner \u201eMir doch egal\u201c-Haltung lege. Er bewirbt selten seine Arbeiten und reicht im schlimmsten Fall gar nicht erst die entsprechenden Notenbl\u00e4tter ein, was f\u00fcr eine potenzielle Nomnierung jedoch unabdingbar ist. Auch seine Musik zu <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">12 Years a Slave<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> verfehlte den Sprung bei den Oscars, w\u00e4hrend sie sonst nahezu \u00fcberall ber\u00fccksichtigt wurde. Und ganz ehrlich? Ich kann beide Seiten allzu gut verstehen.<\/span><\/p>\n<p>Bereits ein Blick auf des offizielle Soundtrack-Album sollte stutzig machen, so sind dort gerade mal zwei Score-Elemente vorhanden: das Hauptthema des Charakters <i>Solomon Northup<\/i> und ein halbmin\u00fctiges Musikst\u00fcck namens <i>Washington<\/i>. Ersteres ist Zimmer pur: Mit lang gezogenen Violint\u00f6nen fasst er auf einen Streich die Unschuld des tragischen \u201cHelden\u201c und die Ungerechtigkeit dessen, was ihm im Laufe des Filmes widerf\u00e4hrt, zusammen wie kein anderer. Allerdings m\u00fcssen selbst Zimmers gr\u00f6\u00dfte Fans z\u00e4hneknirschend zugeben, dass der legend\u00e4re Abschluss in <b>Inception<\/b> mit dem Namen <i>Time<\/i> verteufelt \u00e4hnlich klingt.<\/p>\n<p><i>Washington<\/i> ist beschwingter und damit das glatte Gegenteil, aber aufgrund seiner K\u00fcrze nicht mehr als ein Einleitungsjingle. Der Rest des Soundtracks besteht aus zeitgen\u00f6ssischen Violinsolos oder Songs, die allesamt aus bereits existierendem Material bestehen und teilweise gar nicht im Film vorkommen.<\/p>\n<p>Die Frage ist: Was ist mit dem Rest des eigentlichen Scores? Oder war das etwa alles, was Hans Zimmer beisteuerte? Nein, ganz so schlimm ist es nicht: F\u00fcr den Awardproze\u00df fertigte Fox Searchlight eine \u201cFor-Your-Consideration\u201c-CD an, die in entsprechend limitierter St\u00fcckzahl existiert und auf der sich mutma\u00dflich der gesamte Score befindet. Bereits die Gesamtspieldauer stoppt bei mageren 39 Minuten und die einzelnen Titel umfassen eher St\u00fcckchen anstatt St\u00fccke. Oft handelt es sich um weitere Variationen von <i>Solomon Northup<\/i>, die entweder nahezu identisch im Vergleich zum Original-Cue oder arg versimplifiziert klingen.<\/p>\n<p>Am ungew\u00f6hnlichsten ist noch <i>Boat Trip to New Orleans<\/i>, das euch sowohl im Film als auch auf dem FYC-Album regelrecht wachr\u00fcttelt. Allein das Blasinstrument, das alle paar Sekunden einen markersch\u00fctternd tiefen Ton von sich gibt, vermittelt eher die Atmosph\u00e4re eines Horrorfilms anstatt eines Sklavendramas. Die stoisch h\u00e4mmernden Trommel, das metallene Klirren, das an Live-Aufnahmen aus einem Bergwerk erinnert, und das sanft im Hintergrund durchsickernde Hauptthema bilden ein beklemmendes Klangspektrum, welches wirr und faszinierend zugleich ist. Im krassen Gegensatz dazu besteht die so genannte <i>Escape Sequenz<\/i> aus sage und schreibe einer (!) Note &#8211; als ob der gute Hans fast anderthalb Minuten lang zwei Kokosn\u00fcsse dreimal pro Sekunden gegeneinander haut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterm Strich wird das Nominierungsfeld leider dem zynischen Ruf der Golden Globes gerecht, n\u00e4mlich das ein gro\u00dfer Name mitunter wichtiger ist als die eigentliche Qualit\u00e4t der Arbeit. John Williams kann inzwischen komponieren, was er will: Er wird in jedem Fall ber\u00fccksichtigt (und das nicht nur bei den Globes, nur so nebenbei bemerkt). Hans Zimmer ist und bleibt das Liebling der Hollywood Foreign Press Association und Alex Heffes profitierte sicherlich vom <b>Ordinary-Love<\/b>-Hype. Einzig Ebert und Price wirken wie eine ehrliche Aussage \u00fcber die besten besten Scores des Jahres 2013.<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nliches Ranking:<\/p>\n<ol>\n<li><b>Gravity<\/b><\/li>\n<li><b>All is Lost<\/b><\/li>\n<li><b>12 Years a Slave<\/b><\/li>\n<li><b>The Book Thief<\/b><\/li>\n<li><b>Mandela: Long Walk to Freedom<\/b><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnert sich wer an meinen Blogeintrag von vor zwei Monaten, in dem ich eine detaillierte Beschreibung diverser Film-Soundtrackawards andeutete und diese vergleichen wollte? Nein? 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