{"id":548,"date":"2014-04-24T19:46:25","date_gmt":"2014-04-24T17:46:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=548"},"modified":"2021-07-12T23:24:37","modified_gmt":"2021-07-12T21:24:37","slug":"sneak-horror-the-legend-of-hercules","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=548","title":{"rendered":"Sneak-Horror: The Legend of Hercules"},"content":{"rendered":"<p>Seit das Kinopolis Ende letzten Jahres in Gie\u00dfen er\u00f6ffnet wurde, gehe ich fast jede Woche mit ein bis zwei Freunden in die Sneak-Preview. F\u00fcr all jene, die nicht wissen, was das ist: Dort wird ein Film vor dem \u00f6ffentlichen, deutschen Starttermin gezeigt \u2013 ohne das man wei\u00df, was auf einen zukommt.<\/p>\n<p>Bislang muss ich n\u00fcchtern festhalten, dass die Auswahl der gezeigten Filme nicht so wirklich meinem Geschmack entspricht \u2013 speziell was s\u00e4mtliche US-Produktionen anbelangt, aufgrund dessen ich solch \u201cPerlen\u201c wie <b>Ride Along, Die Pute von Panem<\/b> oder <b>Man of Tai Chi<\/b> (Keanu Reeves Regiedeb\u00fct!) sehen \u201cdurfte\u201c. Und weil ich so langsam ein Ventil ben\u00f6tige, um den Frust \u00fcber das Gezeigte los zu werden, dachte ich mir: \u201cHey, du hast &#8217;nen Blog \u2013 also schreib doch was dar\u00fcber!\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Die gestrige Sneak war einfach herrlich&#8230; herrlich bescheuert. Selten habe ich so viele Zwischenrufe und Lacher vernommen, wie vom gestrigen Publikum. Bereits nach dem Trailer zu <b>The Legend of Hercules<\/b> schwante mir \u00dcbles: \u00dcberzogen dargestellte Muskelpakete kloppen sich auf miese <b>Gladiator<\/b>-Art in Zeitlupe die K\u00f6pfe ein. Urks. Der finale Film \u00fcbertraf dann all meine Erwartungen und Bef\u00fcrchtungen.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Amphitryon (Scott Adkins) ist sauer: Da hat er ein ganzes Reich erobert hat und seine Frau Alkmene (Roxanne McKee) zeigt keinen Dank, sondern Abscheu. Sie l\u00e4sst sich lieber von Zeus schw\u00e4ngern, in der Aussicht einen Sohn zu geb\u00e4ren, der ihrem Mann irgendwann die Stirn bieten k\u00f6nne. Offiziell wird der Junge auf den Namen Alcides getauft, doch in Wahrheit handelt es sich nat\u00fcrlich um den sagenumwobenen Hercules (Kellan Lutz).<\/p>\n<p>Zwanzig Jahre nach seiner Geburt verliebt sich Alcides\/Hercules in Hebe (Gaia Weiss), die Prinzessin von Kreta. Das Gl\u00fcck wird j\u00e4h zerst\u00f6rt, als Amphitryon einen Handel mit Hebes Vater ausmacht und sie mit seinem leiblichen Sohn Iphikles (Liam Garrigan) verloben l\u00e4sst. Die gemeinsame Flucht seitens Alcides\/Hercules und Hebe misslingt, woraufhin unser Held nach \u00c4gypten strafversetzt wird. Dort tappt er mitsamt 79 anderen Soldaten in eine Falle, die nur er und der Anf\u00fchrer der Truppe namens Sotiris (Liam McIntyre) \u00fcberleben. V\u00f6llig entmachtet landen die beiden als Gladiatoren in der Arena, woraufhin Hercules seinen wahren Namen annimmt und einen Feldzug gegen seinen Ziehvater sowie seinen Halbbruder anstrebt.<\/p>\n<p>Wo fange ich blo\u00df an? Ich bin bei Gott kein Pendant wenn es um filmische Erz\u00e4hlungen altbekannter Sagen oder realer Begebenheiten geht \u2013 aber was <b>The Legend of Hercules<\/b> hier alles verdreht, ist eine eigene Hausnummer. Abseits der Namen und ein paar der Verwandtschaftsverh\u00e4ltnisse stimmt praktisch gar nichts mit der griechischen Mythologie \u00fcberein. Das w\u00e4re nicht weiter schlimm, wenn der finale Film in sich stimmig w\u00e4re. Doch allein die krampfhaft erzeugten Parallelen zu Ridley Scotts <b>Gladiator<\/b> sowie Zack Snyders <b>300<\/b> sind derma\u00dfen volumin\u00f6s, dass jede Szene zu einer schlechten Kopie verkommt.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Warum zum Geier k\u00e4mpft Hercules die meiste Zeit \u00fcber in einer Arena, so wie vor vierzehn Jahren Russell Crowe als Maximus Decimus Meridius? Weshalb hat man nicht die sagenumwobenen zw\u00f6lf Arbeiten filmerisch umgesetzt? Es h\u00e4tte dem Kerl definitiv mehr Profil und mehr Ausstrahlung verliehen. Aber nein, stattdessen muss ich mir ansehen, wie ein uncharismatischer Austauch-Bodybuilder einen No-Name-K\u00e4mpfer nach dem anderen auf die Matte legt.<\/p>\n<p>Die Choreographie der K\u00e4mpfe ist einschl\u00e4fernd, v\u00f6llig \u00fcberzogen oder beides zusammen. Gefallene Soldaten wirbeln wie bei einer planlosen Zirkusnummer durch die Luft, sobald Hercules sie niederstreckt. Die dabei zum Zuge kommenden Zeitlupeneinlagen machen jeden Michael Bay neidisch und selbst der finale Endkampf besitzt so viel Eigendynamik wie ein dunkelgrauer Stein. Und was Hercules G\u00f6tterherkunft anbelangt: Die kommt weniger zur Sprache, bis er in aussichtsloser Lage steckend ein paar \u00fcbernat\u00fcrliche F\u00e4higkeiten von Papa geschenkt bekommt. In einem Videospiel w\u00fcrde man von cheaten reden &#8211; was f\u00fcr ein Held&#8230;<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Darsteller bem\u00fcht sich immerhin, irgendwie ernst zu bleiben, was bei den kitschigen Dialogen sicherlich nicht einfach gewesen sein d\u00fcrfte. Leider besitzt Kellan Lutz zwar einen feschen M\u00e4nnerk\u00f6rper, aber abseits davon keine glaubhafte Ausstrahlung. Sein Bubi-Milchgesicht wird nur von seinem Kukident-L\u00e4cheln \u00fcbertroffen \u2013 mir war gar nicht bewusst, welch helle Bei\u00dferchen einem Gottessohn zugestehen. Richtig schmerzhaft wird es, wenn Hercules und Hebe in trauter Zweisamkeit miteinander turteln. Die Liebesszene gen Mitte des Filmes rei\u00dft aufgrund ihrer planlosen Inszenierung zahlreiche Plotl\u00f6cher ins Drehbuch, strahlt weniger Romantik aus als ein Softporno und wirkt aufgrund ihrer Kulisse wie aus einem v\u00f6llig anderen Film, der nicht minder mies ist.<\/p>\n<p>Allgemein erinnert die Ausstattung an eine mittelm\u00e4\u00dfige Direct-to-DVD-Produktion. Ungelogen habe ich noch nie einen solch unrealistisch und farblich v\u00f6llig verhunzten CGI-Wolkenhimmel im Kino gesehen, wie in <b>The Legend of Hercules<\/b>. Und f\u00fcr den Sandboden einer Kampfarena, der mehrmals von Weitem gezeigt wird, geht mir das Vokabular aus. Mein Kumpel meinte zwischendurch, ihn w\u00fcrden die Kampfszenen an <b>God of War<\/b> erinnern. Als er den Satz brachte, fing ich innerlich an zu weinen \u2013 denn der neun Jahre alte Klassiker f\u00fcr die PlayStation 2 zeigt in Wahrheit eine glaubw\u00fcrdigere wie detailliertere Kulisse, als was Regisseur Renny Harlin hier f\u00fcr 70 Millionen Dollar verbraten hat. Selbst die Musik haben sie kr\u00e4ftig versaut: Die einzige Szene, in der sie mir auffiel, war eine kurze Bootsfahrt, bei der nichts passiert und trotzdem der Chor m\u00e4chtig heroisch wie epochal klingt.<\/p>\n<p>Ich will fair sein: Ich habe schlechtere Filme als <b>The Legend of Hercules<\/b> gesehen &#8211; allerdings reden wir von solch Machwerken wie <b>Gigli<\/b> oder <b>Daniel, der Zauberer<\/b>. Die Sage von Hercules bietet durchaus Stoff f\u00fcr einen feschen Abenteuerfilm oder eine gut inszenierte Geschichtsstunde, weshalb es mir nicht in den Kopf will, wieso Renny Harlin auf eine solch plumpe Kopie von <b>Gladiator<\/b> und <b>300<\/b> setzt. Und Kellan Lutz sage ich eine Nominierung f\u00fcr einen <a href=\"http:\/\/www.razzies.com\/\">ehrf\u00fcrchtigen Preis<\/a> voraus \u2013 er ist klein, \u00e4hnelt einem St\u00fcck Obst und ist mit Goldfarbe \u00fcberzogen. Gratulation.<\/p>\n<p><b><em>The Legend of Hercules startet offiziell am 1. Mai in den hiesigen Kinos &#8211; falls es tats\u00e4chlich noch jemanden interessieren sollte&#8230;<\/em><\/b><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_87784\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/fE_On3LKqqo?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit das Kinopolis Ende letzten Jahres in Gie\u00dfen er\u00f6ffnet wurde, gehe ich fast jede Woche mit ein bis zwei Freunden in die Sneak-Preview. F\u00fcr all jene, die nicht wissen, was das ist: Dort wird ein Film vor dem \u00f6ffentlichen, deutschen Starttermin gezeigt \u2013 ohne das man wei\u00df, was auf einen zukommt. Bislang muss ich n\u00fcchtern festhalten, dass die Auswahl der gezeigten Filme nicht so wirklich meinem Geschmack entspricht \u2013 speziell was s\u00e4mtliche US-Produktionen anbelangt, aufgrund dessen ich solch \u201cPerlen\u201c wie Ride Along, Die Pute von Panem oder Man of Tai Chi (Keanu Reeves Regiedeb\u00fct!) sehen \u201cdurfte\u201c. Und weil ich so langsam ein Ventil ben\u00f6tige, um den Frust \u00fcber das Gezeigte los zu werden, dachte ich mir: \u201cHey, du hast &#8217;nen Blog \u2013 also schreib doch was dar\u00fcber!\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,1,14],"tags":[],"class_list":["post-548","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-movie","category-allgemein","category-kritik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/548","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=548"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/548\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6933,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/548\/revisions\/6933"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=548"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=548"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=548"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}