{"id":5114,"date":"2016-02-09T23:56:04","date_gmt":"2016-02-09T22:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=5114"},"modified":"2021-07-12T23:40:08","modified_gmt":"2021-07-12T21:40:08","slug":"der-marsianer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=5114","title":{"rendered":"Der Marsianer"},"content":{"rendered":"<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Unterschiede zwischen den Oscars und den Golden Globes betrifft die Vergabe der Best-Picture-Auszeichnungen. Die Hollywood Foreign Press Association pr\u00e4miert seit eh und je das beste Drama und die\/das beste Kom\u00f6die\/Musical. W\u00e4hrend die Idee an sich reizvoll klingt, birgt sie stets die Sorge der eindeutigen Zuordnung \u2013 eben wenn der Film sowohl dramatische als auch lustige Elemente besitzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><!--more--><\/p>\n<p>Mark Watney (gespielt von Matt Damon) hat ein echtes Problem: W\u00e4hrend einer Mission auf dem Mars kommt es zu einem Sturm, der die Crew zum Verlassen des Planeten und zur R\u00fcckkehr zur Erde zwingt. Watney wird bei der Evakuierung von einem Tr\u00fcmmerteil getroffen und von seinen Leuten getrennt. Die gehen davon aus, die Kollision habe seinen Raumanzug zu sehr besch\u00e4digt und de facto sein Leben beendet. Geschockt \u00fcbernimmt Kommandantin Lewis (Jessica Chastian) die Verantwortung und entscheidet ohne ihn abzuheben.<\/p>\n<p>Doch wie durch ein Wunder hat Mark \u00fcberlebt und versauert nun ganz alleine auf dem Mars. Er kann mit niemanden auf der Erde kommunizieren und m\u00fcsste selbst bei einer sofort einsetzenden Rettungsmission Monate warten, bis er wieder eingesammelt werden kann. Doch zum Gl\u00fcck ist der gute Mann Botaniker, weshalb er einen Plan zur Produktion von Wasser und Nahrung entwickelt. Um Zuge der Ver\u00e4nderungen auf dem Planeten registriert die NASA, dass Watney in der Tat noch lebt. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck \u00fcberwinden beide Parteien s\u00e4mtliche H\u00fcrden, um alles auf ein Ziel zu setzen: Mark Watney zur\u00fcck zur Erde zu holen.<\/p>\n<p><b>Der Marsianer<\/b> erinnerte nach der ersten Ank\u00fcndigung an einen typischen Science-Fiction-Film, so wie sie jedes Jahr zu Blockbuster-Zeiten produziert werden. Basierend auf dem Buch von Andy Weir dachte niemand so recht an Oscars &amp; Co., mutma\u00dflich auch nicht die Produzenten, die Schauspieler oder Regisseur Ridley Scott. Zudem gilt letzterer als sehr unstetig, was die Qualit\u00e4ten seine Werke anbelangt. Schlie\u00dflich hat der Mann neben <b>Alien, Blade Runner<\/b> oder <b>Gladiator<\/b> auch solch weniger ruhmreiche Werke wie <b>1492, Robin Hood<\/b> oder <b>Die Akte Jane<\/b> auf dem Kerbholz.<\/p>\n<p>Und doch ist <b>Der Marsianer<\/b> nun einer von acht Filmen, die f\u00fcr einen Best Picture Oscar nominiert sind. Daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde: Zum einen ist die Buchvorlage kein gew\u00f6hnlicher Science-Fiction-Roman sondern eine bemerkenswert glaubhafte Geschichte, die in \u00e4hnlicher Form tats\u00e4chlich einmal Realit\u00e4t werden k\u00f6nnte \u2013 wohlgemerkt vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren. Zwar spielt oft Meister Zufall eine Rolle und freilich hat Watney verdammt viel Gl\u00fcck &#8211; aber theoretisch k\u00f6nnte vieles genau so ablaufen, sofern der Mars irgendwann vom Menschen bemannt wird.<\/p>\n<p>Drehbuchautor Drew Goddard (ein ehemaliger Z\u00f6gling von Joss Whedon) hat es hervorragend verstanden, den Stoff auf ein zweist\u00fcndiges Filmformat zu pressen. Nat\u00fcrlich l\u00e4sst er das eine oder andere Detail aus und k\u00fcrzt diese oder jene Begebenheit, doch ansonsten h\u00e4lt er sich erfreulich nahe an der Originalvorlage und gibt dem Zuschauer das Gef\u00fchl, einen relativ komplexen Vorgang auf relativ simple Weise zu verstehen.<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes geb\u00fchrt Ridley Scott ein Lob f\u00fcr seine Regieleistung, auch wenn sie im Vergleich zu anderen Kalibern wie George Millers <b>Mad Max: Fury Road<\/b> oder Alejandro Gonzalez Inarritus <b>The Revenant<\/b> bei Weitem weniger Showwert besitzt. Scott sorgt daf\u00fcr, dass sich die Geschichte von Anfang bis Ende nach etwas Besonderem anf\u00fchlt. Er schafft eine nahezu perfekte Gratwanderung zwischen dramatischen Ereignissen und kom\u00f6diantischen Elementen. Allen voran vermittelt er mir als Zuschauer Spannung und l\u00e4sst mich zu keinem Zeitpunkt los, obwohl der ganze Film ohne einen Antagonisten auskommt. <b>Der Marsianer<\/b> ist einer der ganz seltenen F\u00e4lle, in denen wirklich jeder Charakter sein bestes versucht und nach gutem Gewissen handelt, ohne das es kitschig oder unnat\u00fcrlich r\u00fcberkommt.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt ist es Matt Damon, der eine sagenhafte Performance abliefert und meiner Meinung nach die bislang beste Rolle seiner Karriere abliefert. Seine Art und sein Charakter passt perfekt zum unfreiwilligen Helden, den Mark Watney darstellt. Wobei \u201eHeld\u201c auch nicht das richtige Wort ist, schlie\u00dflich rettet er sich am Ende nur selbst. Doch auch das ist eine gewisse Kunst, n\u00e4mlich diese Errungenschaft in der Tat als etwas Gro\u00dfes zu verkaufen und nicht wie einen Egotrip aussehen zu lassen.<\/p>\n<p>Allgemein f\u00e4llt es mir schwer, irgendetwas Negatives \u00fcber <b>Der Marsianer<\/b> zu sagen. S\u00e4mtliche weiteren Rollen sind sehr gut besetzt, Kulisse, Kamera und visuelle Effekte geben sich keine Bl\u00f6\u00dfe und die Musik von Harry Gregson-Williams funktioniert ebenso. Demnach sollte es eigentlich kein Problem sein, Sir Ridley Scott f\u00fcr diese rundherum gelungene Arbeit mit einem Oscar zu w\u00fcrdigen, nicht zuletzt weil der Mann bislang noch nie gewonnen hat&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;und dann bringt die Academy den Traum fr\u00fchzeitig zum Platzen und verweigert Scott eine Nominierung f\u00fcr die beste Regie. Es war der gr\u00f6\u00dfte Schocker am Nominierungsnachmittag, zudem obendrauf auch noch die Leistung des Filmschnitts gnadenlos ignoriert wurden. Es gleich fast schon einem Wunder, dass trotzdem sieben Nominierungen zustanden gekommen sind, darunter eine f\u00fcr Matt Damon als Hauptdarsteller. Doch in allen Kategorien ist die Konkurrenz deutlich st\u00e4rker, weshalb schwer davon auszugehen ist, dass <b>Der Marsianer<\/b> am 28. Februar leer ausgeht.<\/p>\n<p>Die Golden Globes haben das Problem auf h\u00f6chst umstrittene Weise umschifft und den Film tats\u00e4chlich als Kom\u00f6die eingestuft, wo er den Preis f\u00fcr den besten Film und den besten Hauptdarsteller gewinnen konnte. Ob das wirklich fair f\u00fcr die wirklich lustigen Werke ist, sei dahin gestellt \u2013 aber immerhin durfte Ridley Scott so zumindest eine Dankesrede halten. Hoffen wir einfach, dass es nicht seine letzte sein wird und in ihm irgendwo ein weiteres <b>Alien, Blade Runner<\/b> oder eben <b>Marsianer<\/b> steckt.<\/p>\n<p><b style=\"line-height: 1.5;\"><i> Oscar-Nominierungen: Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Matt Damon), Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Produktionsdesign, Beste Visuellen Effekte, Beste Tonabmischung, Beste Toneffekte.<\/i><\/b><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_15432\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ej3ioOneTy8?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Unterschiede zwischen den Oscars und den Golden Globes betrifft die Vergabe der Best-Picture-Auszeichnungen. Die Hollywood Foreign Press Association pr\u00e4miert seit eh und je das beste Drama und die\/das beste Kom\u00f6die\/Musical. W\u00e4hrend die Idee an sich reizvoll klingt, birgt sie stets die Sorge der eindeutigen Zuordnung \u2013 eben wenn der Film sowohl dramatische als auch lustige Elemente besitzt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,12,14],"tags":[],"class_list":["post-5114","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-movie","category-movie-awards","category-kritik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5114","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5114"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5114\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6954,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5114\/revisions\/6954"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}