{"id":509,"date":"2014-03-09T22:19:51","date_gmt":"2014-03-09T20:19:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=509"},"modified":"2021-07-13T00:11:20","modified_gmt":"2021-07-12T22:11:20","slug":"musik-in-film-und-spiel-ein-einziges-paradoxon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=509","title":{"rendered":"Musik in Film und Spiel: Ein einziges Paradoxon"},"content":{"rendered":"<p>Die Oscars sind vorbei und der Hype rund um Film und Filmauszeichnungen ist von einem Tag auf den anderen auf den Nullpunkt gefallen. Was sagt ihr da? MTV Movie Awards? Ach, geht mir weg: Es wird endlich Zeit, das dritte Drittel von \u201cThe Awardian\u201c in Angriff zu nehmen. Denn da oben im Logo stehen nicht nur die W\u00f6rter \u201cGames\u201c und \u201cMovies\u201c, sondern auch das etwas kryptisch anmutende \u201cScores\u201c.<\/p>\n<p><!--more-->Die meisten w\u00fcrden den Begriff wohl mit \u201cPunkte\u201c \u00fcbersetzen, doch darum geht es mir nicht einmal im Entferntesten. \u201cScore\u201c hat f\u00fcr mich noch eine ganz andere Bedeutung, die den wenigsten in den Sinn kommt: Partitur. Erneut waren es die Oscars, weshalb ich auf diese ungew\u00f6hnliche Wortwahl gekommen bin. Dort wird schlie\u00dflich die beste Musik unter der \u00dcberschrift \u201cBest Original Score\u201c ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte das Thema weiter eingrenzen: S\u00e4mtliche Artikel, die hier auf <b>The Awardian<\/b> unter \u201cScores\u201c erscheinen, haben etwas mit Film- oder Videospielmusik zu tun. Die Wahl des Begriffes beruht haupts\u00e4chlich auf der L\u00e4nge und Melodie des Wortes, die den anderen \u00dcberschriften Games und Movies schlicht n\u00e4her ist, als beispielsweise das landl\u00e4ufig bekanntere \u201cSoundtracks\u201c.<\/p>\n<p>Es gibt jedenfalls zwei Gr\u00fcnde, warum ich Film- und Videospielmusik einen eigenen Bereich zugestehe, obwohl ich die von mir geplanten Artikel streng genommen auch unter die anderen beiden Themen quetschen k\u00f6nnte. Zum einen ist mir Musik, die speziell f\u00fcr Filme oder Spiele komponiert wurde, ungemein wichtig \u2013 wichtiger als alles andere, um genau zu sein. Ich sage immer: Wenn ich vor die Wahl gestellt w\u00e4re, mein Augenlicht oder mein H\u00f6rverm\u00f6gen zu opfern, w\u00fcrde ich mich ganz klar f\u00fcr ersteres entscheiden. Denn so gerne ich \u201csehe\u201c, so unverzichtbar ist f\u00fcr mich die Kraft, die mir ein Chris H\u00fclsbeck, ein John Barry oder ein Hitoshi Sakimoto geben.<\/p>\n<p>Der zweite Grund ist die Komplexit\u00e4t, die hinter diesem Thema steckt. Nicht ohne Grund gibt es von vielen Filmen und inzwischen auch den meisten Spielen separat erh\u00e4ltliche Alben, um die Musik abseits des eigentlich daf\u00fcr gedachten Zwecks genie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Wie kaum ein anderes Element kann sie \u201cf\u00fcr sich\u201c gesehen funktioniert, v\u00f6llig abgetrennt von den Bildern, den Szenen oder den Geschichten. Dar\u00fcber hinaus gibt es keinen anderen Teilaspekt, der bez\u00fcglich Awardshows f\u00fcr derart strittige Stimmen und Meinungen sorgt. Und genau darum geht es hier und jetzt.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren schaue ich bez\u00fcglich Filmmusik auf vier Auszeichnungen, die regelm\u00e4\u00dfig vergeben werden: den Golden Globe, den IFMCA Award, den Filmtracks Award und nat\u00fcrlich den Oscar. W\u00e4hrend ersterer und letzterer keine n\u00e4here Erl\u00e4uterung ben\u00f6tigen, muss ich die beiden anderen erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>IFMCA steht f\u00fcr International Film Music Critics Assocations. Dahinter stecken \u00fcber 50 Journalisten aus aller Welt, die sich ernsthaft mit dem Thema Filmmusik besch\u00e4ftigen. Einer der ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigsten Mitglieder dieser Vereinigung hei\u00dft Christian Clemmensen, der wiederum seit fast zwei Jahrzehnten die Webseite <a title=\"Filmtracks\" href=\"http:\/\/www.filmtracks.com\/\">Filmtracks<\/a> praktisch im Alleindurchgang betreibt und der f\u00fcr seine schonungslosen Analysen im Bereich der Filmmusik bekannt ist. Zwar beruhen demnach \u201cseine\u201c Auszeichnung allein auf seinen \u201cSturkopf\u201c (den Clemmensen definitiv hat, was sowohl positiv wie negativ gemeint ist), jedoch ist seine Wahl stets interessant, gut begr\u00fcndet und vor allem frei von der Qualit\u00e4t des eigentlichen Filmwerkes.<\/p>\n<p>Darin liegt n\u00e4mlich einer der gr\u00f6\u00dften Knackpunkte begraben, warum das Nominierungsfeld von Award zu Award stark variiert. Leute wie Christian Clemmensen leben regelrecht f\u00fcr das Thema \u201cSoundtracks\u201c, weshalb sie es komplett von allem anderen Abkapseln k\u00f6nnen. Individualisten wie er haben kein Problem damit, Original Scores zu <b>Die Legende von Aang<\/b> oder <b>Meine Frau, die Spartaner und ich<\/b> in den h\u00f6chsten T\u00f6nen zu loben, obwohl die dahinter stehenden Filmger\u00fcste bei jeder ehrlichen Kritik zu einem H\u00e4ufchen Asche zerfallen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite besteht Clemmensen auf ein Mindestma\u00df an Komplexit\u00e4t und Individualit\u00e4t. Regelm\u00e4\u00dfig zerrei\u00dft er den neuesten Hans Zimmer oder schreibt bitterb\u00f6se Kritiken zu Trent Reznors und Atticus Ross&#8216; <b>The Social Network<\/b>, weil ihm das stetige Kopieren bereits ver\u00f6ffentlichter Werke, minimalistische T\u00f6ne oder simple Melodievariationen ein Dorn im Auge&#8230; \u00e4h&#8230; Ohr sind. Auch bei Experimenten scheint Clemmensen von Haus aus zusammenzuzucken, weshalb solch selten gesehenen wie warmen Worte gegen\u00fcber Daft Punks <b>TRON: Legacy<\/b> umso beeindruckender wirken.<\/p>\n<p>Die Meinung von Christan Clemmensen und der IFMCA decken sich oft, was sicherlich an der \u00e4hnlich gearteten Agenda beider liegt. Clemmensen bewertet Musik aus zweierlei Gesichtspunkten: Wie sie im Film und wie sie auf dem offiziellem Album wirkt. Und auch die IFMCA erkl\u00e4rt auf ihrer offiziellen Webseite ganz eindeutig, dass ihre ausgezeichneten Filme in beiderlei Hinsicht hervorstechen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dies ist ein fundamentaler Unterschied zu den Academy Awards und den Golden Globes. Deren jeweilige Mitglieder konzentrieren sich sichtlich auf die Wirkung w\u00e4hrend des Filmes. Nur so ist zu erkl\u00e4ren, dass solch umstrittene Werke wie Marco Beltramis und Buck Sanders&#8216; <b>The Hurt Locker<\/b> oder Gustavo Santaolallas <b>Brokeback Mountain<\/b> Ber\u00fccksichtigung finden. Wohlgemerkt: Ich z\u00e4hle zu den Fans beider Soundtracks, speziell was Ang Lees Liebesdrama anbelangt \u2013 auch ich h\u00e4tte dem Ding allein f\u00fcr <b>The Wings<\/b> den Oscar dreimal gegeben. Aber ich w\u00e4re glaube ich kaum auf die Idee einer Nominierung oder gar einer Auszeichnung gekommen, wenn ich nur oder prim\u00e4r die Soundtrack-Alben geh\u00f6rt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Im Umkehrschluss wird der gro\u00dfe Vorteil der Philosophie von Clemmensen und der IFMCA, n\u00e4mlich die Musik f\u00fcr sich und unabh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t des Filmes zu beurteilen, zum riesigen Nachteil der Academy of Motion Picture Arts and Sciences sowie der Hollywood Foreign Press Association (die den Golden Globe verteilt). Denn wenn ein schlechter Film \u00fcber die Leinwand flimmert, dann ist es schwierig, einzelne Aspekte unabh\u00e4ngig von allem anderen zu beurteilen \u2013 egal wie stark eine Einzelleistung auch sein mag. Und gerade die Musik verschmilzt oft mit dem Gesamtkunstwerk und geht schnell unter, wenn der zugeh\u00f6rige Film schlicht und ergreifend schlecht ist.<\/p>\n<p>Genau das Ph\u00e4nomen ist letztes Jahr bei der neuesten <b>Romeo &amp; Julia<\/b> Verfilmung von Carlo Carlei passiert: Ohne jeden Zweifel ist diese x-te Version des Shakespearedramas eine grandiose Fehlz\u00fcndung, die vor allem unter den neu geschriebenen Dialogen und der damit unglaubw\u00fcrdigen Darstellung der Ereignisse leidet. Doch, bei Gott: Abel Korzeniowskis Musik ist atemberaubend sch\u00f6n. Ich selbst h\u00f6rte sie erstmals via YouTube, bevor ich den eigentlichen Film sah. S\u00e4mtliche Themen werden der Epoche gerecht, erklingen tr\u00e4umerisch und doch alles andere als ausgelutscht. Korzeniowski ist auch dank anderer Werke wie <b>A Single Man<\/b> oder <b>W.E.<\/b> der neue Score-Meister der Violine und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig f\u00fcr eine Academy-Award-Nominierung \u2013 das nur nebenbei.<\/p>\n<p>Als ich jedoch im Nachhinein Carleis <b>Romeo &amp; Julia<\/b> sah, war ich zwiegespalten: Einerseits ist der majest\u00e4tische Soundtrack ohne Kompromisse enthalten und bereichert ganz klar die Atmosph\u00e4re. Andererseits wird die Musik gerne in den Hintergrund gedr\u00e4ngt und von dem \u201cMachwerk\u201c, der in Bild- und Dialogform die Oberhand gewinnt, \u00fcberschattet. Ich bin mir sicher: H\u00e4tte ich das Album nicht bereits geh\u00f6rt, dann w\u00e4re es selbst mir, der seinen Fokus stark auf Film- und Videospielmusik legt, schwer gefallen, Abel Korzeniowskis Leistung in seiner wahren St\u00e4rke zu registrieren.<\/p>\n<p>Gestern habe ich mir erstmals Brian Tylers Musik zu <b>Die Unfassbaren \u2013 Now You See Me<\/b> angeh\u00f6rt, allein aufgrund der Empfehlung von Christian Clemmensen, der den Soundtrack zu den f\u00fcnf besten des Jahrgangs 2013 nominiert hat \u2013 als einziger der vier oben genannten Institutionen, wohlgemerkt. Entsprechend schnell flitzte ich heute zur Videothek, um mir die zugeh\u00f6rige Mischung aus <b>Ocean&#8217;s Eleven<\/b> und <b>Prestige<\/b> anzusehen \u2013 man k\u00f6nnte auch sagen, ich war spontan schwer beeindruckt.<\/p>\n<p>Jetzt wei\u00df ich zumindest, wie ich den Scores-Bereich auf The Awardian zumindest f\u00fcr den Anfang f\u00fcllen kann: Mit einer Analyse \u00fcber all diese nominierten Filme der vier genannten Awardbl\u00f6cke. Vielleicht schaffe ich es so, die Unterschiede zwischen den Geschm\u00e4ckern und den Philosophien all dieser eigenwilligen Gruppierungen genauso heraus zu kristallisieren, wie die wenigen Gemeinsamkeiten.<\/p>\n<p>Und dann \u2013 dann gibt es basierend darauf meine Top Five des Jahres 2013. Stay tuned.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Oscars sind vorbei und der Hype rund um Film und Filmauszeichnungen ist von einem Tag auf den anderen auf den Nullpunkt gefallen. Was sagt ihr da? MTV Movie Awards? 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Denn da oben im Logo stehen nicht nur die W\u00f6rter \u201cGames\u201c und \u201cMovies\u201c, sondern auch das etwas kryptisch anmutende \u201cScores\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-509","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-score"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=509"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6984,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509\/revisions\/6984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theawardian.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}