{"id":4917,"date":"2016-01-23T13:49:50","date_gmt":"2016-01-23T12:49:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=4917"},"modified":"2021-07-12T23:39:56","modified_gmt":"2021-07-12T21:39:56","slug":"the-revenant-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=4917","title":{"rendered":"The Revenant"},"content":{"rendered":"<p>Ist Leonardo DiCaprios \u00fcberf\u00e4llig f\u00fcr einen Oscar? Wer das denkt, der kennt sich nicht wirklich mit der Verleihung und der Prozedur dahinter aus. Zugegeben: Mit f\u00fcnf Nominierungen f\u00fcr schauspielerische Leistungen und eine als Produzent k\u00f6nnte man mal dr\u00fcber nachdenken. Aber mit zarten 41 Jahren w\u00fcrde er trotzdem zur \u201ej\u00fcngeren\u201c Garde geh\u00f6ren, die einer solchen Ehre zuteil werden. Fragt mal Al Pacino \u2013 der musste warten bis er 52 war.<\/p>\n<p><b><!--more-->The Revenant<\/b> ist ein Film, der pures Leid ausstrahlt: Hugh Glass (gespielt von eben dem DiCaprio) ist ein Trapper, der gemeinsam mit seinem Sohn Hawk (Forrest Goodluck) zu Beginn des 19. Jahrhunderts einer Expedition angeh\u00f6rt und durch die eisige Wildness von Nordamerika zieht. Die Truppe wird jedoch urpl\u00f6tzlich von Eingeborenen angegriffen und bis auf zehn Mann get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Glass geh\u00f6rt zu den gl\u00fccklichen \u00dcberlebenden und wird sogar daf\u00fcr gefeiert, dass aufgrund seiner Anweisungen zumindest ein paar der Expeditionsmitglieder es geschafft haben. Doch kurz darauf folgt das n\u00e4chste Ungl\u00fcck: Glass ger\u00e4t in die F\u00e4nge eines ausgewachsenen Grizzlyb\u00e4ren Er wird sehr schwer verletzt und kann das Tier nur mit allerletzter Kraft bew\u00e4ltigen. Als der Rest der Expedition ihn unter dem toten B\u00e4ren begraben findet, gehen sie sogleich vom Schlimmsten aus. Glass Verletzungen seien derart schwerwiegend, weshalb er nicht mehr lange zu leben habe.<\/p>\n<p>Die Expedition beschlie\u00dft sich aufzuteilen: Drei Mann sollen bei Glass bleiben und ihn so lange versorgen, bis er stirbt. Darunter geh\u00f6rt sein eigener Sohn und der Pelzh\u00e4ndler John Fitzgerald (Tom Hardy). Dem ist jedoch Glass Leben v\u00f6llig egal, weshalb er sich nur aufgrund der extra ausgeschriebenen Belohnung als freiwilliger Aufpasser meldet.<\/p>\n<p>Es kommt, wie es kommen muss: Fitzgerald verliert die Geduld und will Glass unbemerkt ersticken. Dessen Sohn ger\u00e4t dazwischen und wird im Kampfget\u00fcmmel von Fitzgerald erstochen &#8211; wohlgermekt w\u00e4hrend Glass kraftlos sowie bewegungsunf\u00e4hig zuschauen muss. Danach wird der Trapper in ein vorgeschaufeltes Grab geworfen und mit einer kleinen Feldflasche voller Wasser zum Sterben zur\u00fcckgelassen. Fitzgerald ist sich sicher, dass Glass keinen weiteren Tag mehr \u00fcbersteht. Doch dabei hat er nicht mit dem unb\u00e4ndigen \u00dcberlebenswillen und dem unendlichen Durst nach Vergeltung seitens des Trappers gerechnet&#8230;<\/p>\n<p>Wie gesagt: <b>The Revenant<\/b> ist pures Leid \u2013 und ein gro\u00dfe Portion Rache obendrauf. Was DiCaprios Charakter hier f\u00fcr Qualen durchmacht, sei es k\u00f6rperliche wie seelische, ist phasenweise einfach nur niederschmetternd. Doch auch die erste Szene, in der die Expedition niedergemetzelt wird, ist in ihrer Darstellung schonungslos und ungesch\u00f6nt. Mein erster Gedanke war: \u201e<b>The Revenant<\/b> ist Inarritus <b>Der Soldat James Ryan<\/b>\u201c.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Alejandro Gonzalez Inarritu! Sechs Filme hat der Mexikaner gedreht, allesamt sind sie in irgendeiner Form Oscar nominiert \u2013 darunter zwei als fremdsprachiger Film, drei als Best Picture und f\u00fcnf in mindestens einer Schauspielerkategorie. DAS ist eine Statistik, die so manchen Filmemache vor Neid erblassen lassen sollte.<\/p>\n<p>Das Interessante hierbei ist, dass Inarritu bislang in Punkto Gewaltdarstellung nicht wirklich aufgefallen ist. Speziell <b>Birdman<\/b>, mit dem er letztes Jahr mehrere Oscars gewann, ist vom Tonfall und teilweise von der Darstellung her ein v\u00f6llig anderes Biest. Einzig diverse Kamerschwenks und Szenenbilder lassen direkte Vergleiche zu, was man wiederum dem Kameramann Emanuel Lubezski anrechnen k\u00f6nnte. Der wiederum k\u00f6nnte allen ernstes Geschichte schreiben und in der Kategorie \u201eBeste Kamera\u201c als erster \u00fcberhaupt drei Oscars in drei aufeinander folgenden Jahren abr\u00e4umen. Er gilt zumindest als Mitfavorit und wahrlich ist seine Leistung, die er fast vollst\u00e4ndig ohne k\u00fcnstliche Lichtquellen erbracht hat, atemberaubend.<\/p>\n<p>Die Art, wie hier die Natur in ihrer Sch\u00f6nheit und Gewalt dargestellt wird, ist unvergleichlich. Inarritu und Lubezski fangen Bilder und Momente ein, die tief beeindrucken und das perfekte Grundger\u00fcst f\u00fcr die Rohheit hinter all den Ereignissen bilden. <b>The Revenant<\/b> ist dreckig, gemein und ungerecht \u2013 was umso ironischer klingt, wenn DiCaprio wirklich hierf\u00fcr den Oscar erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Und die Chancen daf\u00fcr stehen mehr als gut, denn jeder wei\u00df: Es ist SEIN Jahr. Keiner der Konkurrenten kann mit seiner Leistung mithalten, niemand von ihnen wirkt \u00e4hnlich \u201e\u00fcberf\u00e4llig\u201c. DiCaprio redet zwar nicht viel, aber daf\u00fcr haut er einen Kraftakt raus, den man dem unschuldigen B\u00fcbchen aus <b>Titanic<\/b> vor zwanzig Jahren niemals zugetraut h\u00e4tte. Nebenbei kommuniziert er mit seinem Sohn in Pawnee, einer alten Indianersprache, was jetzt auch nicht jeder aus Hollywood &amp; Co. derart glaubw\u00fcrdig hinbekommt.<\/p>\n<p>Nein, da besteht kein Zweifel: Leonardo DiCaprio kriegt diesen Oscar f\u00fcr <b>The Revenant<\/b>. Es ist mehr die Frage, wie weit der Film und vor allem Inarritu als Regisseur kommen. Schafft er das Double, speziell nachdem <b>Birdman<\/b> von vielen als Anti-<b>Boyhood<\/b>-Wahl interprertiert wird? Ich wei\u00df es nicht. Aber rein seine Leistung in diesem Jahr betrachtet, ist er in meinen Augen ein sehr ernstzunehmender Kandidat f\u00fcr die beste Regie.<\/p>\n<p>Manche betrachten das Drehbuch als Schw\u00e4che, das interessanterweise auch nicht zu den satten zw\u00f6lf Oscar-Nominierungen geh\u00f6rt. Doch auch hier m\u00f6chte ich den Film verteidigen: Die Geschichte ist glaubw\u00fcrdig, der Plotverlauf stimmig. Wenn ich ein Manko auflisten k\u00f6nnte, dann das eher ungute Gef\u00fchl, das einem beim Zusehen beschleicht. <b>The Revenant<\/b> ist wahrlich kein &#8222;Feel-Good-Movie&#8220; &#8211; aber genau darauf wollte Inarritu auch hinaus&#8230;<\/p>\n<p><b style=\"line-height: 1.5;\"><i> Oscar-Nominierungen: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Leonardo DiCaprio), Bester Nebendarsteller (Tom Hardy), Bester Ton, Bester Tonschnitt, Bester Filmschnitt, Beste Kamera, Bestes Produktionsdesign, Beste Kost\u00fcme, Bestes Make-up, Beste Visuelle Effekte.<\/i><\/b><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_24877\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/LoebZZ8K5N0?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist Leonardo DiCaprios \u00fcberf\u00e4llig f\u00fcr einen Oscar? 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