{"id":4644,"date":"2016-01-04T20:09:24","date_gmt":"2016-01-04T19:09:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=4644"},"modified":"2021-07-12T23:39:45","modified_gmt":"2021-07-12T21:39:45","slug":"star-wars-das-erwachen-der-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=4644","title":{"rendered":"Star Wars: Das Erwachen der Macht"},"content":{"rendered":"<p><b>Spoiler-Warnung:<\/b> Der Text ist nur f\u00fcr Leute gedacht, die den Film bereits gesehen haben. Aber mal ernsthaft: Wer hat das denn jetzt noch nicht getan?<\/p>\n<p><b>Das Erwachen der Macht<\/b> ist keine drei Wochen alt und hat trotzdem bereits alle Phasen durchgemacht, die ein hochgez\u00fcchteter Hype durchleben kann. Von unb\u00e4ndiger Erwartungen, \u00fcber hochjauchzendem Jubel \u00e1 la \u201eEs ist so viel besser als die Prequels\u201c bis zu niederschmetternden Entt\u00e4uschungen der Marke \u201eNicht mehr als ein Harry Potter im Weltraum\u201c \u00fcberschlagt sich das Internet mit positiver wie negativer Meinungsmache, die fast schon an festgefahrene Politlager erinnert. Frei nach dem Motto: Hauptsache man ist gegen die anderen.<\/p>\n<p><!--more-->N\u00fcchtern betrachtet ist der neue <b>Star Wars<\/b> exakt das, was man mit einem rein rationalen Sachverstand im Vorfeld h\u00e4tte erwarten m\u00fcssen: ein typischer Film von J.J. Abrams. Ich mag den Mann, keine Frage \u2013 er schafft es mich zu unterhalten und wohlige Erinnerungen aus alten Tagen zu reanimieren. Mir gef\u00e4llt sowohl sein Spielberg&#8217;eskes <b>Super 8<\/b> als auch seine Neuinterpretation von <b>Star Trek<\/b>. Im Falle von <b>Mission Impossible 3<\/b> konnte er gar der leicht ausgelutschten Pr\u00e4misse neue Impulse geben, ohne die vielleicht nie die folgenden sowie bisweilen allesamt \u00fcberraschend guten Fortsetzungen zustande gekommen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Aber (und das ist ein gro\u00dfes aber): J.J. Abrams ist keiner f\u00fcr bahnbrechende Innovationen. Er ist kein Auteur im klassischen Sinne, der seine eigene Vision auf die Leinwand bannt. Nein: Er versucht vielmehr das umzusetzen, von dem er glaubt, dass es sein Publikum m\u00f6gen k\u00f6nne. Wohlgemerkt geht es hier nicht um irgendwelches Marktanalysen-Ged\u00f6ns, sondern um \u201edas Herz der Fans\u201c. Deshalb ist Abrams auch erstaunlich erfolgreich, aber eben auch kalkulierbar.<\/p>\n<p><b>Star Wars: Das Erwachen der Macht<\/b> ist ein wirklich guter Film und ohne jeden Zweifel besser als die Prequels. Er l\u00e4sst mich seit Tagen nicht mehr los, weil einzelne Szenen wieder und wieder durch meinen Kopf geistern. Aber die gro\u00dfe St\u00e4rke ist gleichzeitig seine un\u00fcbersehbare Schw\u00e4che, n\u00e4mlich die Parallelen zu den alten, beliebten Filmen. J.J. Abrams dr\u00fcckt genau auf die Kn\u00f6pfe, die unsere Synapsen ansprechen: matte Farben, pfeilschnelle X-Wings, explodierende Planeten, der Kontrast zwischen der hellen und der dunklen Seite der Macht. Es ist alles da und es ist gr\u00f6\u00dftenteils gekonnt inszeniert.<\/p>\n<p>Nahezu alle ber\u00fchmten Szenen aus <b>A New Hope<\/b> finden hier ihren Counterpart, nur dass Abrams ein wenig die Charaktere kreuzt. So verliert Han Solo sein Leben im Kampf gegen die dunkle Seite und nicht Luke Skyalker, der sichtlich die Nachfolge von Obi-Wan Kenobi antritt und nur einen sehr kurzen (wenn auch perfekten) Cameo-Auftritt hat. Aber im Grunde ist es das gleiche, inklusive all der Unzul\u00e4nglichkeiten, die man schon dem alten Klassiker von 1977 h\u00e4tte ankreiden k\u00f6nnen. Allen voran die Frage, warum die B\u00f6sewichter erneut eine derart m\u00e4chtige Waffe wie den Starkiller bauen konnten und wieder nicht in der Lage sind, dessen offensichtliche Schwachstelle ordentlich zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Gerade der letztgenannte Punkt zeigt mir, wie \u00e4ngstlich Abrams und Disney gewesen sein m\u00fcssen. Ich bin mir sicher, dass sie sich gedacht haben: \u201eHm, eigentlich ist es total unlogisch \u2013 aber genau so war das im ersten Star Wars Film auch und genau danach sehnen sich doch die Fans!\u201c. All die Vorsichtsma\u00dfnahmen sorgen dann auch f\u00fcr die einzige handwerkliche Schw\u00e4che, n\u00e4mlich das eine oder andere \u00fcberhastete Ereignis. Man sp\u00fcrt regelrecht, wie gegen Ende immer mehr Szenen eigentlich nur deshalb Teil des Gesamten sind, damit auch ja keine lieb gewonnene Anekdote aus <b>A New Hope<\/b> verloren geht.<\/p>\n<p>Als The Awardian muss ich mich zwangsl\u00e4ufig mit der Frage besch\u00e4ftigen, ob <b>Das Erwachen der Macht<\/b> ernsthafte Oscar-Chancen hat. Der sehr sp\u00e4te Release, der jegliche M\u00f6glichkeiten auf eine SAG oder Golden-Globe-Nominierung verhinderte, sprechen eindeutig dagegen. Das Science-Fiction-Szenario und die unz\u00e4hligen Parallelen zu den alten Filmen senken die Wahrscheinlichkeit umso mehr. Insgesamt tendiere ich eher zu einem \u201eNein\u201c &#8211; aber ich kann und will es nicht komplett ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Denn als vor sieben Jahren <b>The Dark Knight<\/b> mutma\u00dflich nur ganz knapp den Sprung in die Best-Picture-Riege verpasste, da reagierte die Academy mit einer Regelung, die genau f\u00fcr solch Filme wie <b>Fluch der Karibik<\/b>, <b>Harry Potter und der Stein der Weisen<\/b> oder eben <b>Star Wars: Das Erwachen der Macht<\/b> gedacht war: Die M\u00f6glichkeit mehr als f\u00fcnf Filme zu nominieren, damit eben die beliebten wie gleichzeitig kompetenten Blockbuster ihren Platz neben <b>Spotlight<\/b>, <b>The Big Short<\/b> oder <b>The Revenant<\/b> finden.<\/p>\n<p>In gewisser Weise w\u00fcrde ich es dem Film sogar w\u00fcnschen. Alle Copycat-Vorw\u00fcrfe mal beiseite gelassen, muss man Abrams &amp; Co. neidlos anerkennen, dass sie es geschafft haben die alten Gef\u00fchle entgegen aller Prequel-Nachwehen neu zu beleben. Die Einf\u00fchrung der neuen Charaktere (insbesondere Rey und Finn) ist durch die Bank weg gelungen und macht Lust auf die beiden bereits fest eingeplanten Fortsetzungen. Zudem gehe ich schwer davon aus, dass Episode VIII viel mutiger sein wird, allein dank des dort herrschenden Regisseures Rian Johnson. Der Mann ist alles andere als ein Kopierer und dank des intelligenten <b>Looper<\/b> sowie der praktisch perfekten Ozymandias-Folge aus <b>Breaking Bad<\/b> die cleverste Waahl, die Disney h\u00e4tte treffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Doch wer wei\u00df, ob Johnsons Vision Anklang gefunden h\u00e4tte, wenn sie direkt nach den Prequels entstanden w\u00e4re. Was <b>Star Wars<\/b> dringend ben\u00f6tigte, war die R\u00fcckkehr des Vertrauens und der Beweis, dass diese Saga auch heute noch funktionieren kann. Und genau das hat J.J. Abrams in meinen Augen erreicht und exakt dieser Aspekt k\u00f6nnte dem Film tats\u00e4chlich zu einer elit\u00e4ren Best-Picture-Nominierung verhelfen. Sofern die Academy neben <b>Mad Max: Fury Road<\/b> und <b>Der Marsianer<\/b> noch gen\u00fcgend Sci-Fi-Liebe \u00fcber hat, versteht sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spoiler-Warnung: Der Text ist nur f\u00fcr Leute gedacht, die den Film bereits gesehen haben. Aber mal ernsthaft: Wer hat das denn jetzt noch nicht getan? Das Erwachen der Macht ist keine drei Wochen alt und hat trotzdem bereits alle Phasen durchgemacht, die ein hochgez\u00fcchteter Hype durchleben kann. Von unb\u00e4ndiger Erwartungen, \u00fcber hochjauchzendem Jubel \u00e1 la \u201eEs ist so viel besser als die Prequels\u201c bis zu niederschmetternden Entt\u00e4uschungen der Marke \u201eNicht mehr als ein Harry Potter im Weltraum\u201c \u00fcberschlagt sich das Internet mit positiver wie negativer Meinungsmache, die fast schon an festgefahrene Politlager erinnert. 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