{"id":428,"date":"2014-02-25T14:50:22","date_gmt":"2014-02-25T12:50:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=428"},"modified":"2021-07-12T23:20:58","modified_gmt":"2021-07-12T21:20:58","slug":"kritik-captain-phillips","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=428","title":{"rendered":"Kritik: Captain Phillips"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Tom Hanks, ein Superstar, der jeden Oscar kriegt, den er haben mag: Was hat sich dieser Mann seit den 1980er Jahren ver\u00e4ndert, als er von einer leichten Kom\u00f6die zur anderen stolperte (<\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Splash, Geschenkt ist noch zu teuer, Scott &amp; Huutsch<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">) und selbst bei seiner ersten Best-Actor-Nominierung ein Kind im K\u00f6rper eines erwachsenen Mannes spielte (<\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">The Big<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">). Es folgten mit <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Philadelphia<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> sowie <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Forrest Gump <\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">zwei direkt aufeinanderfolgende Siege, seine letzte Oscar-Nominierung heimste er anno 2000 mit <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Castaway<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> ein. Danach stapfte er in die Fu\u00dfstapfen von Steven Spielberg und widmete sich als Produzent plus Regisseur episch angelegter TV-Miniserien (<\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Band of Brothers, The Pacific<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">).<\/span><\/p>\n<p><!--more-->2013 sollte sein Comeback-Jahr als seri\u00f6ser Schauspieler werden: Zuerst bei den Tonys f\u00fcr das Theaterst\u00fcck Lucky Guy registriert, waren sich alle Experten einig, dass Tom Hanks dank <b>Captain Phillips<\/b> und <b>Saving Mr. Banks<\/b> auch mal wieder zu den Academy Awards gehen darf. Doch dann kam am 16. Januar alles anders: Hanks wurde komplett ignoriert und auch dar\u00fcber hinaus erhielten \u201cseine\u201c beiden betreffenden Filme einige D\u00e4mpfer, was ihre Oscar-Chancen anbelangten.<\/p>\n<p><b>Captain Phillips<\/b> erz\u00e4hlt die wahre Geschichte von Captain Richard Phillips (eben gespielt von Tom Hanks) \u2013 oder besser gesagt jene, die der besagte Mann gemeinsam mit Autor Stephan Talty zu Papier brachte und Drehbuchautor Billy Ray f\u00fcr die Kinoleinwand adaptierte. Demnach war Phillips Kapit\u00e4n der MV Maersk Alabama, einem Containerschiff, das im April 2009 von vier somalischen Piraten geentert wurde. Trotz diverser Abwehrma\u00dfnahmen gelangt das Quartett an Bord und h\u00e4lt die Crew mit Waffengewalt in Schach. Anf\u00fchrer Muse (Barkhad Abdi) lehnt ein Angebot seitens Phillips ab, mit 30.000 Dollar Bargeld einfach zu verschwinden. Er spekuliert vielmehr damit, die Crew als Geiseln zu halten und mehrere Millionen L\u00f6segeld zu erpressen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nicht dar\u00fcber diskutieren, ob all das Gesehene wirklich so passiert ist, wie es der Film schildert \u2013 das ist nicht meine Aufgabe als Kritiker, der das Kino prim\u00e4r als Unterhaltung und weniger als Geschichtsstunde betrachtet. Fakt ist: Regisseur Paul Greengrass nutzt den durchaus interessanten Stoff f\u00fcr einen packenden Action-Thriller, der euch das Geschehen auf eine halbwegs glaubw\u00fcrdige Art vermittelt. Besonders gelungen sind der Anfang und das Ende: Sowohl die Entwicklung, wie die Piraten auf die MV Maersk Alabama gelangen konnten, als auch die finale Rettungsaktion zeigen Greengrass K\u00f6nnen, Ereignisse dieser Art perfekt zu timen. Er erh\u00e4lt dabei Hilfe von seinem Stammcutter Chistropher Rouse, der wie in <b>Flug 93<\/b> oder <b>Das Bourne Ultimatum<\/b> hunderte sekundenlanger Schnipsel zu einem flott geschnittenen Werk vereint.<\/p>\n<p>Keine Frage: Handwerklich betrachtet macht <b>Captain Phillips<\/b> wenig falsch, doch trotzdem droht er phasenweise im Mittelma\u00df zu versickern. Die Szenen gegen Ende ziehen sich ungeachtet der schnellen Schnitte wie Kaugummi und so mancher Einzeiler kriecht aus der untersten Phrasendrescherkiste. In meinen Augen liegt die Schuld vornehmlich an Billy Rays Drehbuch, der es nicht schafft, die Spannung von Anfang bis Ende aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>Wie oben angedeutet geh\u00f6rte <b>Captain Phillips<\/b> zu den Verlieren am Oscar-Nominierungsmorgen. Zwar gab es Erw\u00e4hnungen in den Kategorien f\u00fcr den besten Film, den besten Schnitt oder Barkhad Abdi als besten Nebendarsteller, aber sowohl Greengrass als Regisseur als auch Hanks als Hauptdarsteller wurden eben nicht genannt. Ersteres kommt meines Erachtens wenig \u00fcberraschend, denn die Regie ist zwar gut, aber nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich. Der inhaltlich z\u00e4he Mittelteil geht letztlich auch auf Greengrass Konto, weil er mir keinen Ausgleich f\u00fcr die dr\u00f6gen Drehbuchpassagen bietet, der mich bei der Stange halten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Tom Hanks wiederum ist eine andere Geschichte: Auch er liefert \u00fcber weite Strecken eine eher solide Leistung ab, gewinnt jedoch in den letzten f\u00fcnf Minuten immens an Kraft. Allein in der finalen Schl\u00fcsselszene des Filmes zeigt Hanks innerhalb eines simplen Dialogs, warum er zur Elite Hollywoods geh\u00f6rt. Offensichtlich war das den Academy-W\u00e4hlern zu wenig, gerade im Vergleich zur diesj\u00e4hrigen, unbarmherzigen Konkurrenz, nach der eben irgendein sicher geglaubter nominierter Schauspieler \u00fcber Bord fallen w\u00fcrde. Frei nach dem Motto: Wo nur f\u00fcnf Platze frei sind, da passen keine sechs M\u00e4nner rein&#8230; und z\u00e4hlt man noch Robert Redfords One-Man-Show <b>All is Lost<\/b> hinzu, dann waren es sogar sieben Top-Kandidaten, die allesamt in einem schw\u00e4cheren Jahrgang Chancen auf einen Sieg gehabt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Das vielleicht gr\u00f6\u00dfte Problem von <b>Captain Phillips<\/b> ist die Austauschbarkeit: Im Gegensatz zu den anderen Best-Picture-Kandidaten gibt es kaum etwas, was irgendwie frisch oder gar innovativ wirkt. Selbst Dallas Buyers Club hat mich mehr \u201c\u00fcberrascht\u201c und sei es nur deshalb, weil ich von den dort dominierenden Schauspielern niemals eine Leistung auf dem Niveau erwartet h\u00e4tte. Paul Greengrass wiederum hat ein solides bis sehr gutes Drama gedreht, aber so gut wie kein Neuland gewagt. Selbst der fabelhafte Filmschnitt, der mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit den Oscar gewinnen wird, stellt streng genommen keine au\u00dfergew\u00f6hnliche Besonderheit dar, einfach weil Christopher Rouse altbekannten Mechanismen folgt.<\/p>\n<p>Auf lange Sicht wird der Film mutma\u00dflich nur in einer Hinsicht in Erinnerung bleiben und zwar wegen Barkhad Abdi. Es ist die typische \u201cvom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r\u201c Nummer, nur das hier ein Somali, der bereits seit geraumer Zeit in den USA lebte, seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer verdiente, pl\u00f6tzlich einen der markantesten Antagonisten der Saison spielt und folgerichtig bei den Oscars mit dabei sein darf. Die eigentliche \u00dcberraschung hierbei ist: Viele \u201cExperten\u201c mutma\u00dften, Abdi w\u00fcrde aufgrund des allgemeinen Beliebtheitsgrades von <b>Captain Phillips<\/b> mit auf das Award-Boot gezogen. Doch nun sitzt er da \u201calleine\u201c, ohne die zugkr\u00e4ftigen Namen Hanks sowie Greengrass, und zeigt ganz unabh\u00e4ngig von seiner Rolle als Geiselnehmer, dass er dem gro\u00dfen, versierten Tom Paroli bieten kann. Sein eindringliches \u201cLook at me&#8230; I&#8217;m the captain now!\u201c gewinnt damit eine (wenn auch ungewollte) Mehrdeutung, die Abdi hoffentlich eine erfolgreiche Karriere bescheren wird.<\/p>\n<p><em>Anmerkung: <strong>Captain Phillips<\/strong> lief bereits vor einigen Monaten in den hiesigen Kinos, diese Kritik dient demnach der Vollst\u00e4ndigkeit in Anbetracht der kommenden Oscarverleihung. Wer jedoch den Film trotzdem hier und heute sehen m\u00f6chte, der kann seine Kreditkarte z\u00fccken und das Werk \u00fcber diverse englische H\u00e4ndler importieren.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Oscar nominiert f\u00fcr: Bester Film, Bester Nebendarsteller (Barkhad Abdi), Bestes Drehbuch (adaptiert), Bester Filmschnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt.<\/strong><\/em><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_31654\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/n8evZjn7IxM?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tom Hanks, ein Superstar, der jeden Oscar kriegt, den er haben mag: Was hat sich dieser Mann seit den 1980er Jahren ver\u00e4ndert, als er von einer leichten Kom\u00f6die zur anderen stolperte (Splash, Geschenkt ist noch zu teuer, Scott &amp; Huutsch) und selbst bei seiner ersten Best-Actor-Nominierung ein Kind im K\u00f6rper eines erwachsenen Mannes spielte (The Big). 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