{"id":387,"date":"2014-01-29T06:05:57","date_gmt":"2014-01-29T04:05:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=387"},"modified":"2021-07-12T23:20:38","modified_gmt":"2021-07-12T21:20:38","slug":"kritik-12-years-a-slave","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=387","title":{"rendered":"Kritik: 12 Years a Slave"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Kennt ihr Steve McQueen? Den George Clooney der 1960er Jahre? Ein Sch\u00f6nling Hollywoods, der mit solch Action-Klassikern wie <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Gesprengte Ketten<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">, <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Bullitt<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> oder <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Getaway<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> ber\u00fchmt wurde und bereits mit 50 dank eines fiesen Krebsleiden gestorben ist. Ich staunte jedenfalls nicht schlecht, als ich vor ungef\u00e4hr f\u00fcnf Jahren zum ersten Mal von dem Film <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">Hunger<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> h\u00f6rte und McQueens Name als Regisseur auftauchte. Das kann ja nicht sein \u2013 und in der Tat folgte gleich die n\u00e4chste \u00dcberraschung, als ich mir auf IMDB das Portrait dieses Steve McQueens ansah, der rein optisch wirklich gar nichts mit seinem Namensvetter gemeinsam hat.<\/span><\/p>\n<p><!--more-->Der \u201cneue\u201c Steve McQueen ist 44 Jahre alt, hat eine bullige Figur und er ist&#8230; schwarz. Die Hautfarbe sollte niemals von Belang sein, doch sie k\u00f6nnte daf\u00fcr sorgen, dass der Mann am 2. M\u00e4rz 2014 Filmgeschichte schreibt: n\u00e4mlich als erster Farbiger, der einen Oscar f\u00fcr die beste Filmregie erh\u00e4lt. Es w\u00e4re ein Jammer \u2013 und zwar weil McQueen mit seiner Arbeit f\u00fcr <b>12 Years a Slave<\/b> mehr verdient, als ein politisch motiviertes Novum f\u00fcr eine prestigetr\u00e4chtige Preisveranstaltung zu sein.<\/p>\n<p>Solomon Northrup (Chiwetel Ejiofor) ist ein freier, gelehrter und relativ wohlhabender Mann, der im Jahre 1841 friedlich mit seiner Familie in New York lebt. Soweit nichts besonderes&#8230; wenn er nicht schwarz w\u00e4re. Als seine Frau und seine beiden Kinder verreisen, freundet er sich mit zwei K\u00fcnstlern an, die ihn als Violinspieler engagieren wollen. Doch hinter dem Angebot steckt eine Falle: Die \u201cK\u00fcnstler\u201c setzen Northrup unter Drogen und verschleppen ihn, um ihn als Sklaven zu verkaufen.<\/p>\n<p>Von den Papieren beraubt, die sein Recht auf Freiheit best\u00e4tigen, landet er zun\u00e4chst bei einem recht gutherzigen Plantagenbesitzer namens William Ford (Benedict Cumberbatch). Dort begeht Northrup einen folgenschweren \u201cFehler\u201c: Er arbeitet zu gut und bringt sinnvolle Verbesserungsvorschl\u00e4ge ein, die den rassistischen Schreiner Tidbeats (Paul Dano) im schlechten Licht stehen lassen. Nach einem Handgemenge wird Northrup fast gelyncht, wonach sich Ford gezwungen sieht, ihn an den unbarmherzigen Edward Epps (Michael Fassbender) zu verkaufen. Von da an wartet nicht mehr als der konzentrierte Horror der Sklaverei auf ihn&#8230;<\/p>\n<p>Steve McQueen ist kein Kind von Traurigkeit \u2013 das wusste ich bereits nach <b>Hunger<\/b> und <b>Shame<\/b>. Wenn er etwas zeigt, dann schonungslos, ehrlich wie brutal. Diese Agenda wird zur gro\u00dfen St\u00e4rke von <b>12 Years a Slave<\/b>, ein Film, der den Zuschauer alles andere als in Watte packt. Nein: Man soll das Leid und diese schreiende Ungerechtigkeit mit all ihrer H\u00e4rte sp\u00fcren. Es ist nicht nur die Gewalt der Peitschenhiebe, sondern auch der sture, unverr\u00fcckbare Tonfall dieser ekelhaften Rassisten (entschuldigt bitte), die Schwarze gar nicht erst als Menschen sehen sondern mit Vieh vergleichen. Wohlgemerkt mit \u201cVieh\u201c, das ebenfalls kein Recht auf ein w\u00fcrdevolles Leben habe.<\/p>\n<p>Die Sklaven seien \u201cBesitz\u201c &#8211; es ist das Mantra von Edward Epps. Er spricht es ohne Reue und handelt danach. Was die Filmfigur Solomon Northrup erleidet, macht euch rasend, weil es gleichzeitig unbegreiflich und doch real erscheint. Einen ebenfalls gewichtigen Anteil des Filmes nimmt Patsy (Lupita Nyong&#8217;o) ein: Die junge Sklavin ist jung, h\u00fcbsch und wird von Epps zugleich begehrt wie verachtet. Sie wird von ihm vergewaltigt und daf\u00fcr von seiner Frau nicht bemitleidet, sondern gerade deshalb (!) gehasst. Noch mehr als im Falle Northrups sp\u00fcrt ihr die Verzweiflung und die Hilflosigkeit bei allem, was Patsy macht oder ihr geschieht.<\/p>\n<p>Steve McQueens Kunst besteht darin, mit dem Finger auf etwas zu zeigen und zu sagen: \u201cEs war so, wieso sollte ich es weich reden!\u201c. Gleichzeitig habt ihr nie das Gef\u00fchl, mit einer Moralkeule erschlagen zu werden. In <b>12 Years a Slave<\/b> gibt es keine Klischees, keinen Kitsch, keinen Pathos. Der Film ist intensiv und aufw\u00fchlend, wenn eben auch schwer. Hier von \u201cUnterhaltung\u201c zu reden w\u00e4re zynisch \u2013 genau das wird den einen oder anderen abschrecken. Zudem McQueen ein wenig mit der Geduld seiner Zuschauer spielt und die eine oder andere Szene bewusst l\u00e4nger ausspielen l\u00e4sst. Man k\u00f6nnte es als Schw\u00e4che auslegen oder als legitimes Mittel daf\u00fcr bezeichnen, das wir die Taten in diesen Momenten auch richtig reflektieren. Das so etwas unangenehm ist, liegt in der Natur der Sache.<\/p>\n<p>Nur in einer Hinsicht h\u00e4lt sich meine Begeisterung im Vergleich zu anderen <b>12-Years-a-Slave<\/b>-\u201cFans\u201c (keine Ahnung, ob das Wort in diesem Falle gerechtfertigt ist) etwas in Grenzen: bei der schauspielerischen Leistung von Ejiofor und Nyong&#8217;o. Die beiden sind stark, keine Frage \u2013 aber es sind eben die Gr\u00e4ueltaten, die mich mitleiden lassen, und nicht ihre Reaktionen darauf. Wirklich den Boden unter meinen F\u00fc\u00dfen weggezogen hat Michael Fassbender \u2013 aber ich hab auch ein perverses Faible f\u00fcr solch menschenverachtende Filmfiguren, sofern sie mir distanziert auf der Leinwand begegnen.<\/p>\n<p>Als gro\u00dfer Oscar-Fan m\u00f6chte ich wenigstens in diesem Jahr meine Award-Sucht verfluchen: Mit <b>Gravity<\/b> und <b>12 Years a Slave<\/b> sind zwei derart unterschiedliche und in meinen Augen unumstrittene Kunstst\u00fccke im Rennen, weshalb sich ein Vergleich zu anderen grandiosen Showdowns wie <b>Star Wars<\/b> versus <b>Der Stadtneurotiker<\/b> oder <b>Forrest Gump<\/b> versus <b>Pulp Fiction<\/b> versus (!) <b>Die Verurteilten<\/b> aufdr\u00e4ngt. Das mathematisch eigentlich nahezu unm\u00f6gliche Unentschieden beim Producer Guild Award sehe ich entsprechend als Segen, d\u00fcrfte sich aber kaum bei den Oscars wiederholen.<\/p>\n<p>Wenn ich selbst w\u00e4hlen d\u00fcrfte, ich w\u00fcrde mich nach wie vor f\u00fcr <b>Gravity<\/b> entscheiden \u2013 aber das hat sehr pers\u00f6nliche und egoistische Gr\u00fcnde, weil ich diesen Film mit jeder Faser meines Herzens verehre. Sollte <b>12 Years a Slave<\/b> gewinnen, ich k\u00f6nnte nicht ernsthaft b\u00f6se drum sein \u2013 sowohl der Film als auch Regisseur Steve McQueen h\u00e4tten es verdient. Und bei einem so genannten Split, bei dem die beiden wichtigsten Preise an zwei verschiedene Werke gehen, w\u00e4re mir ein Alfonso Cuar\u00f3n als \u201cBest Director\u201c und ein <b>12 Years a Slave<\/b> als \u201cBest Picture\u201c sogar lieber, einfach weil es sich richtiger anf\u00fchlt. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass beide Auteure auch als Produzenten ausgezeichnet w\u00fcrden. Es zeigt jedenfalls, dass diese Bezeichnung \u201cBest Picture\u201c eigentlich v\u00f6llig idiotisch ist und eine Rangfolge erzwingt, \u00fcber die beide Filme locker stehen sollten.<\/p>\n<p><b><i>Oscar nominiert f\u00fcr: Bester Film, Beste Regie (Steve McQueen), Bester Hauptdarsteller (Chiwetel Ejiofor), Bester Nebendarsteller (Michael Fassbender) Beste Nebendarstellerin (Lupita Nyong&#8217;o<\/i><\/b><b><i>), Bestes Drehbuch (adaptiert), Bester Filmschnitt, Beste Kost\u00fcme, Bestes Produktionsdesign<\/i><\/b><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_61832\"  width=\"576\" height=\"324\"  data-origwidth=\"576\" data-origheight=\"324\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/vcAJAX6GQH8?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennt ihr Steve McQueen? 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