{"id":3706,"date":"2015-10-17T21:05:16","date_gmt":"2015-10-17T19:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=3706"},"modified":"2021-07-12T23:39:34","modified_gmt":"2021-07-12T21:39:34","slug":"alles-steht-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=3706","title":{"rendered":"Alles steht Kopf"},"content":{"rendered":"<p>Lange Zeit galt Pixar als eine feste Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr grandiose Unterhaltung. Egal ob <b>Toy Story<\/b>, <b>Findet Nemo<\/b> oder <b>The Incredibles<\/b>: Kein anderes Studio versteht es so gut, intelligente Animationsfilme zu gestalten, die gleichzeitig gewitzt, originell und kindgerecht sind. Doch in j\u00fcngster Zeit machte sich der verw\u00f6hnte Filmfan Sorgen: <b>Die Monster Uni<\/b> war eine allenfalls nette Fortsetzung, <b>Merida<\/b> wirkte trotz guter Pr\u00e4misse unausgegoren in der Ausf\u00fchrung und \u00fcber <b>Cars 2<\/b> m\u00f6chte man besser gar nichts verlauten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Riley ist ein ganz normales, zw\u00f6lfj\u00e4hriges M\u00e4dchen. Sie pflegt ihre Freundschaften, spielt liebend gerne Eishockey und ist sehr Familienverbunden. Doch durch einen Umzug in eine andere Gegend bricht ihre heile Welt nach und nach auseinander. Vom Pech verfolgt verliert sie immer mehr ihre nat\u00fcrliche Freude, bricht unkontrolliert in Tr\u00e4nen aus und zeigt sich auch daheim ihren Eltern gegen\u00fcber ungewohnt verunsichert.<\/p>\n<p>Was sich wie ein leidlich spannender europ\u00e4ischer Artfilm anh\u00f6rt, ist in Wahrheit der Plot zum neuesten Pixar-Streich <b>Alles steht Kopf<\/b> (beziehungsweise <b>Inside Out<\/b> im englischen Original). Der m\u00f6chte uns erkl\u00e4ren, dass jeder Mensch von f\u00fcnf Emotionen gesteuert wird. Diese befinden sich in eurem Kopf und lenken eure Aktionen mittels einer Schaltzentrale. Im Gegenzug werden Ereignisse, die euch widerfahren, in kleinen Kugeln gespeichert. Die meisten davon landen im Langzeitged\u00e4chtnis, das Pixar in Form einer riesigen Bibliothek mit unz\u00e4hligen F\u00e4chern und Regalen darstellt. Nur wenige Kugeln werden direkt ins Zentrum geschickt und bilden eure hervorstechende Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Rileys Emotionen lauten Freude, Kummer, Wut, Ekel und Angst. Freude ist lange Zeit die treibende und bestimmende Kraft, weshalb Riley von klein auf sehr fr\u00f6hlich ist. Kummer hingegen scheint vollkommen nutzlos zu sein, denn weshalb sollte Trauer \u00fcberhaupt Sinn machen? Schlimmer noch, so verursacht Kummer ganz unbewusst Schaden, in dem es fr\u00f6hliche Erinnerungen allein durch ihre Ber\u00fchrung in traurige verwandelt.<\/p>\n<p>Das besagte Pech, das Riley nach dem Umzug widerf\u00e4hrt, sorgt selbst bei Freude f\u00fcr Ratlosigkeit. Nichts scheint zu funktionieren, jeder Versuch der Aufmunterung resultiert in einer weiteren Entt\u00e4uschung. Beispielsweise schl\u00e4gt sie der Mutter vor, den Pizzaladen um die Ecke zu besuchen \u2013 nur um dort angewidert festzustellen, dass s\u00e4mtliche seiner Waren mit ekeligem Brokkoli \u201everunschandelt\u201c sind.<\/p>\n<p>Letztlich kommt es zu einem Missgeschick, aufgrund dessen Freude und Kummer versehentlich aus der Schaltzentrale fliegen. Und jeder kann sich gut vorstellen, dass auch das harmloseste M\u00e4dchen keine gute Gesellschaft mehr darstellt, wenn es rein von Wut, Angst und Ekel gesteuert wird&#8230;<\/p>\n<p><b>Alles steht Kopf<\/b> ist ein in jeder Hinsicht brillant durchdachter Film, der gekonnt und vor allem gewitzt die menschliche Psyche aufs Korn nimmt. Allein die Idee, den Emotionen ihre eigene Pers\u00f6nlichkeit zu verpassen, ist genial. Zwar hat Regisseur Pete Doctor hier bei einer alten wie in Vergessenheit geratenen Fernsehserie namens <b>Herman&#8217;s Head<\/b> geklaut, jedoch gelingt ihm die Umsetzung bedeutend besser.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Elemente greifen hervorragend ineinander \u00fcber. Sowohl die Geschichte, die Riley durchlebt, als auch das Abenteuer von Freude und Kummer, die verzweifelt einen Weg zur\u00fcck zur Schaltzentrale suchen, w\u00e4ren bereits f\u00fcr sich betrachtet ein guter Plot. Egal ob man sie parallel verlaufend oder untrennbar miteinander verbunden betrachtet: Das Drehbuch funktioniert auf nahezu allen Ebenen.<\/p>\n<p>Es gibt nur zwei Dinge, die mich an <b>Alles steht Kopf<\/b> st\u00f6ren: W\u00e4hrend ich als Erwachsener gro\u00dfen Spa\u00df mit der Pr\u00e4misse hatte, k\u00f6nnte ich mir vorstellen, dass die Welt und die relativ komplexe Darstellung der Psyche Kinder \u00fcberfordern k\u00f6nnte. Zum anderen ist die deutsche Synchronisation eher mittelm\u00e4\u00dfig, was ein Vergleich mit den auf YouTube ver\u00f6ffentlichten Clips der amerikanischen Originalfassung zeigt.<\/p>\n<p>Beide Gr\u00fcnde sind demnach f\u00fcr jemand wie mich vernachl\u00e4ssigbar. Ganz im Gegenteil m\u00f6chte ich Pete Doctor f\u00fcr ein kleines Meisterwerk gratulieren, das in fast jeder Hinsicht Sinn macht und gleichzeitig wunderbar lustig ist. Die Gags sind teilweise grandios geschrieben und die Charaktere bereiten dank ihrer liebenswerten Art durch die Bank weg viel Freude \u2013 was paradoxerweise auch f\u00fcr Kummer gilt.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, wenn ich es ernsthaft in Erw\u00e4gung ziehe und <b>Alles steht Kopf<\/b> die Krone f\u00fcr den bislang besten Pixarfilm \u00fcberreichen m\u00f6chte. In jedem Fall ist es die R\u00fcckkehr zur alten Form, die wir alle nach <b>WALL E<\/b>, <b>Oben<\/b> und <b>Toy Story 3<\/b> schmerzlich vermisst haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange Zeit galt Pixar als eine feste Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr grandiose Unterhaltung. Egal ob Toy Story, Findet Nemo oder The Incredibles: Kein anderes Studio versteht es so gut, intelligente Animationsfilme zu gestalten, die gleichzeitig gewitzt, originell und kindgerecht sind. 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