{"id":350,"date":"2014-01-20T09:11:51","date_gmt":"2014-01-20T07:11:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=350"},"modified":"2014-01-20T17:23:57","modified_gmt":"2014-01-20T15:23:57","slug":"oscar-201314-die-ohn-macht-der-gilden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=350","title":{"rendered":"Oscar 2013\/14: Die Ohn-Macht der Gilden"},"content":{"rendered":"<p>Jeder Oscar-Experte wei\u00df es und ich hab es auch schon oft geschrieben: Es sind nicht die Golden Globes sondern die Gilden, auf die man beim Oscarrennen achten muss. Besonders das Triple DGA (der Director Guild Award f\u00fcr Regisseure), SAG (der Screen Actor f\u00fcr Schauspieler) und PGA (der Producer Guild Award f\u00fcr Produzenten) haben ein ernstes W\u00f6rtchen dar\u00fcber zu sagen, wer am 2. M\u00e4rz welchen Oscar gewinnt.<\/p>\n<p><!--more-->Seit ein paar Jahren liegt gro\u00dfes Augenmerk auf dem PGA: Dort werden zehn Kinoproduktionen nominiert und ein paar Wochen sp\u00e4ter ein Gewinner gew\u00e4hlt. Dabei gewinnt nicht der Film, der die meisten ersten Stimmen hat. Stattdessen wird genau wie bei den Oscars ein etwas komplizierteres Verfahren angewandt (was ihr ganz unten nachlesen k\u00f6nnt, falls es wen interessiert). Jedenfalls betrachten viele \u201cExperten\u201c diesen speziellen Wahlvorgang als mit-entscheidend, warum der PGA seit der Aufstockung der \u201cBest-Picture\u201c-Riege von f\u00fcnf auf (bis zu) zehn potenzielle Kandidaten stets den gleichen Sieger wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ermittelt habe.<\/p>\n<p>Sprich: Der PGA mache das gesamte Rennen kaputt. Auch in einem Jahr wie diesem, wo mit <b>American Hustle<\/b>, <b>Gravity<\/b> sowie <b>12 Years a Slave<\/b> drei gleichwertig starke Konkurrenten ein hei\u00dfes Gefecht abliefern, meinen viele Oscarwatcher, dass der PGA den Oscar vorher bestimme. Und jetzt ist der Knaller \u00fcberhaupt passiert \u2013 das Szenario, mit dem keiner gerechnet hat:<\/p>\n<p><b>Die Producer Guild of America hat nicht einen sondern ZWEI Filme gek\u00fcrt &#8211; Gravity und 12 Years a Slave.<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr die meisten Menschen ist das wenig von Belang \u2013 aber f\u00fcr jemand, der wie ich mit voller Leidenschaft das Oscarrennen verfolgt, ist es wie ein Sechser im Lotto. Ich gebe auch zu, dass meine Freunde mit daran liegt, dass mein leicht absackender Favorit (<b>Gravity<\/b>) mit dieser faustdicken \u00dcberraschung richtig viel Aufwind erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte ebenfalls gleich sagen, dass ich diese Theorie mit dem identischen Wahlverfahren und der damit st\u00e4rkeren N\u00e4he zur Oscar-Verleihung f\u00fcr uns\u00e4glichen Schwachsinn halte. Der PGA war schon immer ein relativ zuverl\u00e4ssiger Indikator, der lange Zeit drei von vier Filmen korrekt \u201cvorhersagte\u201c und dann f\u00fcr ein paar Jahre am St\u00fcck eben nicht. Letztlich gibt es zwar eine Schnittmenge in der W\u00e4hlergemeinschaft, aber der PGA wird eben nur von Produzenten und der Oscar von verschiedenen Hollywood-Berufsgruppen bestimmt. Kein Wunder also, wenn es viele jedoch nicht nur Gemeinsamkeiten gibt.<\/p>\n<p>Der SAG f\u00fcr das beste Ensemble in einem Kinofilm wurde nebenbei erw\u00e4hnt am Vortag an <b>American Hustle<\/b> vergeben, was aber bei dem Cast (Amy Adams, Christan Bale, Jeremy Renner, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence) und den unz\u00e4hligen Oscar-Nominierungen bei den Darstellern kaum anders zu erwarten war. Wenn einer der Filme ein klassisches Ensemble abliefert, das einfach wunderbar miteinander harmoniert, dann sicherlich David O&#8217;Russells neuestes Werk (mutma\u00dfe ich, denn sehen werde ich es erst Anfang Februar).<\/p>\n<p>Insofern bleibt das Rennen zwischen den drei Favoriten ungewohnt spannend. <b>Amerian Hustle<\/b> mag den PGA verloren haben, jedoch sind die meisten W\u00e4hler innerhalb der Academy Awards nach wie vor Schauspieler. Und auch der DGA, der n\u00e4chste Woche den besten Regisseur bestimmt, wird vermutlich keine Klarheit schaffen. Denn dort wird Alfonso Cuaron als nahezu sicherer Sieger gesehen, weil <b>Gravity<\/b> \u00fcber allem aufgrund der au\u00dferordentlichen Regieleistung so grandios funktioniert. Andersherum: Sollte er das nicht schaffen, dann sieht es schwer f\u00fcr <b>Gravity<\/b> aus.<\/p>\n<p>Der DGA ist in meinen Augen die einzig bemerkenswerte Statistikgr\u00f6\u00dfe im Vorfeld der Oscarverleihung. Es gibt ihn seit den 1950er Jahren und seither gab es bis auf sieben magere Male den gleichen Regie-Sieger wie bei den Academy Awards. Das ist enorm wenig \u2013 zudem in drei F\u00e4llen der betreffende Regisseur bei den Oscars aufgrund einer jeweils \u00fcberraschenden Nicht-Nominierung jede Chance im Vorfeld verloren hatte (wie z.B. letztes Jahr Ben Affleck).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus h\u00e4ngen Best Picture und Best Director sehr eng zusammen. Viele begreifen den Unterschied nicht und setzen ihr Kreuzchen automatisch in beiden F\u00e4llen neben dem gleichen Film \u2013 ergo ist der DGA-Gewinner in der Regel nicht nur ein Oscar-Preistr\u00e4ger, sondern oft auch der zugeh\u00f6rige Film selbst. Doch Cuarons <b>Gravity<\/b> ist eine seltene Anomalie, wo selbst der Laie, der dem Film an sich wenig abgewinnen konnte, bemerkt: Da hat der Regisseur verdammt viel Leistung vollbracht.<\/p>\n<p>Ich selbst tippe weiterhin auf einen so genannten Split, d.h. Best Picture und Best Director gehen an unterschiedliche Filme. Die eine Troph\u00e4e geht an Cuaron, da bin ich mir nahezu sicher. Bei der anderen hingegen traue ich mir derzeit noch keine Prognose zu, bis ich selbst <b>American Hustle<\/b> und <b>12 Years a Slave<\/b> gesehen habe. Aufgrund der Tatsache, dass letzterer Film bei vielen Academy-W\u00e4hlern aufgrund des unangenehmen Sklaverei-Themas eher Respekt anstatt Liebe geerntet hat, tendierte ich aus dem Bauch heraus leicht in Richtung <b>Hustle<\/b>.<\/p>\n<p>Nur um das klar zu stellen: Ich will, das <b>Gravity<\/b> gewinnt. Ohne die Konkurrenten gesehen zu haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass mich noch mal ein Film aus dem gleichen Jahrgang derart begeistert. Im Laufe der n\u00e4chsten Woche stelle ich jedenfalls alle neun Best-Picture-Kandidaten hier auf The Awardian vor. Deshalb: Stay tuned&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Abschlie\u00dfend, f\u00fcr alle, die es interessiert: Sowohl bei den Oscars als auch beim PGA w\u00e4hlen die Mitglieder nicht einfach einen Lieblingsfilm, sondern listen alle gesichteten Werke in einer Reihenfolge von \u201cbester\u201c zu \u201cschlechtester\u201c auf. Danach werden die Zettel nach den jeweiligen Erstplatzierungen sortiert und das Schlusslicht heraus genommen. Der betreffende Titel wird durchgestrichen und die Zettel in Abh\u00e4ngigkeit vom Film, der auf dem zweiten Platz steht, neu sortiert. Danach wird wieder der Kandidat mit dem kleinsten Stapel gekickt und dir Prozedur beginnt von vorne, nur eben dass jetzt der dritte Platz zum Zuge kommt. Das Spielchen wird so lange wiederholt, bis ein Film die H\u00e4lfte aller Zettel gesammelt hat.<\/i><\/p>\n<p><i>Im Klartext: <b>Es gewinnt nicht der Film mit den meisten Erststimmen, sondern es gewinnt der Film, der im direkten Vergleich zu allen anderen Filmen am besten abgeschnitten hat<\/b><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Oscar-Experte wei\u00df es und ich hab es auch schon oft geschrieben: Es sind nicht die Golden Globes sondern die Gilden, auf die man beim Oscarrennen achten muss. 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