{"id":219,"date":"2014-01-08T07:00:52","date_gmt":"2014-01-08T05:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theawardian.de\/?p=219"},"modified":"2021-07-12T23:20:12","modified_gmt":"2021-07-12T21:20:12","slug":"oscar-20132014-vorgeplaenkel-ohne-glaskugel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theawardian.de\/?p=219","title":{"rendered":"Oscar 2013\/2014: Vorgepl\u00e4nkel ohne Glaskugel"},"content":{"rendered":"<p>N\u00e4chste Woche beginnt er wieder: der vermeintlich gr\u00f6\u00dfte Zirkus der Filmindustrie. Oder besser gesagt: Die \u201cAcademy of Motion Picture Arts and Sciences\u201c gibt am folgenden Dienstag ihre Oscar-Nominierungen f\u00fcr den Jahrgang 2013 bekannt. Dann hei\u00dft es wieder Spannung und N\u00e4gelkauen, wer denn auch wirklich am 2.M\u00e4rz gewinnt&#8230;<\/p>\n<p><!--more-->Obwohl&#8230; so wirklich spannend ist es eigentlich nicht. Wir reden hier schlie\u00dflich \u00fcber die Oscars, eine der berechenbarsten Preisverleihungen auf unserem Planeten. Und es liegt nicht an irgendwelchen Klischees \u00fcber den \u201ctypischen\u201c Academy-Movie, weil ein solcher angeblich \u201cimmer\u201c gewinnt &#8211; die Zeiten, in denen das melodramatische Epos automatisch siegt, sind seit <b>The English Patient<\/b> vorbei. Der wahre Grund f\u00fcr die Berechenbarkeit sind die unz\u00e4hligen \u201cPrecursors\u201c, sprich Auszeichnungen, die im Vorfeld verliehen werden und rein statistisch gesehen den Academy-Award-Sieger in vielen F\u00e4llen voraussagen.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Die Macht der Gilden<\/span><\/h2>\n<p>Die Golden Globes? Nein, von denen rede ich nicht. Diese Veranstaltung hat sich zwar trotz kleiner \u201cSkandale\u201c als eigener Event etabliert und wird immer mal gerne von der Presse als Oscar-Vorhersage betituliert. Jedoch haben die Entscheidungen bei genauerer Betrachtung wenig Relevanz. Es gibt zwar einige Gemeinsamkeiten bei den Siegern, deren Zuverl\u00e4ssigkeit jedoch gerade bei \u201cBest Picture\u201c und \u201cBest Director\u201c streng in Richtung 50:50 schielt. Allerdings sind die Golden Globes durchaus ein gutes Stimmungsbarometer: Als 2009\/2010 James Camerons <b>Avatar<\/b> abr\u00e4umte, da konnte man in den Gesichtern der anwesenden Schauspielerelite gut ablesen, dass diese Entscheidung eher mit gemischten Gef\u00fchlen applaudiert wurde.<\/p>\n<p>Wenn die Golden Globes wirklich so exakt den Sieger vorher bestimmen k\u00f6nnten, dann w\u00e4re die Oscar-Verleihung bereits seit Jahrzehnten \u201cunspannend\u201c. Die wahren \u201cSchuldigen\u201c f\u00fcr die inzwischen herrschende Langeweile sind die Gilden, von denen die meisten seit Mitte der 1990er Jahre ihr eigenes Award-S\u00fcppchen kochen.<\/p>\n<p>Egal ob Schauspieler, Drehbuchautoren, Regisseure oder Produzenten: Jeder dieser Berufsfelder feiert gut ein bis zwei Monate vor den Academy Awards ihre eigene Statuettenvergabe. Weil nun auch die Oscars von ausgesuchten Mitarbeitern der Hollywood-Maschinerie vergeben werden, gibt es naturgem\u00e4\u00df eine Schnittmenge innerhalb der besagten W\u00e4hlergemeinschaften. Zudem reden wir hier von der gleichen Klientel, die nat\u00fcrlich einen gemeinsamen Geschmack besitzt.<\/p>\n<p>Nehmen wir alleine den \u201cScreen Actor Award\u201c, wo die Schauspieler seit 1994\/95 ihre eigene Zunft honorieren: 70% aller Gewinner in den Kategorien Hauptdarsteller\/-in und Nebendarsteller\/-in haben anschlie\u00dfend auch den Oscar gewonnen. Noch krasser sieht es beim \u201cDirector Guild Award\u201c aus, der extra f\u00fcr die Regisseure gedacht ist: Der wird bereits seit 1949 vergeben, gleichwohl gerade mal bei sieben Preistr\u00e4gern kein passender Academy Award folgte . Und bei dreien davon lag das eigentlich \u201cnur\u201c daran, dass aus mysteri\u00f6sen Gr\u00fcnden der mit dem DGA-ausgezeichnete Auteur erst gar nicht f\u00fcr den Oscar nominiert und somit bereits im Vorfeld um jegliche Siegchancen beraubt war.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte \u00e4hnliche Statistiken f\u00fcr die Ausstatter, die Kameraleute, die Kost\u00fcmjunkies oder die Tonk\u00fcnstler heraus kramen. Abseits der \u201ckleinen\u201c Kurzfilm-Kategorien gibt es wirklich nur einen einzigen Oscar, der relativ schwer vorherzubestimmen ist: den f\u00fcr die beste Musik. Und warum? Eben weil es keinen entsprechenden Gildenpreis gibt, der im Vorfeld verliehen wird.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Von Woody bis Scorsese<\/span><\/h2>\n<p>Geht es nach dem \u201cProducer Guild Award\u201c, so lauten die zehn besten Filme des Jahres 2013: <b>12 Years a Slave, Gravity, American Hustle, The Wolf of Wall Street, Dallas Buyers Club, Blue Jasmine, Captain Phillips, Her, Saving Mr. Banks<\/b> und <b>Nebraska<\/b>. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wiederum nominiert in der Kategorie \u201cBest Picture\u201c f\u00fcnf bis zehn Werke, wobei die genaue Anzahl durch ein recht kompliziertes Ausz\u00e4hlungsverfahren bestimmt wird. Doch l\u00e4uft es \u00e4hnlich wie in den letzten Jahren ab, dann werden acht der genannten Filme in der Tat ihre Chancen f\u00fcr den Filmpreis aller Filmpreise erhalten. &#8211; so sagt es jedenfalls die Statistik.<\/p>\n<p>Der \u201cDirector Guild Award\u201c gilt als ein noch zuverl\u00e4ssiger Indikator, was die Oscar-Nominierungen anbelangt, weshalb wir uns auch deren Wahl \u00fcber die f\u00fcnf Top-Regiek\u00fcnstler genauer anschauen: Alfonso Cuar\u00f3n (<b>Gravity<\/b>), Steve McQueen (<b>12 Years a Slave<\/b>), David O. Russell (<b>American Hustle<\/b>), Paul Greengrass (<b>Captain Phillips<\/b>) und Martin Scorsese (<b>The Wolf of Wall Street<\/b>). Ihr k\u00f6nnt bereits jetzt all euer Geld darauf wetten, dass die Filme der ersten drei M\u00e4nner im \u201cBest-Picture\u201c-Feld unterkommen. Auch Abseits das DGA-Indikators sind laut Insidern die jeweiligen Beliebtheitsgrade innerhalb der Academy immens, weshalb nach dem jetzigen Stand der Dinge glaubhafte Siegszenarien f\u00fcr jeden dieser Kandidaten existieren.<\/p>\n<p><b>Captain Phillips<\/b> wird wohl ebenfalls mit dabei sein, w\u00e4hrend <b>The Wolf of Wall Street<\/b> leicht auf der Kippe steht. Warum? Weil es im Anschluss einer exklusiv f\u00fcr Academy-Mitglieder bestimmten Vorf\u00fchrung zu einem kleinen Eklat kam, woraufhin Martin Scorsese w\u00fcst f\u00fcr sein neuestes Werk beschimpft wurde. Man darf nicht vergessen: Der gemeine Oscar-W\u00e4hler ist m\u00e4nnlich, wei\u00df und \u00fcber 60. Im Gegensatz zu vielen beliebten Schauspielern gibt es doch einige schwer konservative Exemplare, die mit Sex, Drugs &amp; Rock&#8217;n&#8217;Roll so ihre Probleme haben. Und <b>The Wolf of Wall Street<\/b> sei ein Film, dem von einigen Zynikern nachgesagt wird, er glorifiziere das Verbrechen \u2013 etwas, was bei den Oscars selten zu sehen ist.<\/p>\n<p>Der Vorteil f\u00fcr <b>The Wolf of Wall Street<\/b>: Dank des wirklich komplizierten Nominierungsverfahrens (das ich bei Gelegenheit genauer erl\u00e4utern werde) haben eher die Filme eine Chance, die von wenigen \u201cgeliebt\u201c als von vielen \u201cgemocht\u201c werden. Genau genommen ben\u00f6tigt ein potenzieller Kandidat \u201cnur\u201c eine Handvoll Erststimmen \u2013 dar\u00fcber hinaus ist es v\u00f6llig schnuppe, ob er von allen anderen Oscar-W\u00e4hlern ebenfalls gemocht oder ganz im Gegenteil zutiefst verabscheut wird.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #80bfff;\">Die Vorhersage<\/span><\/h2>\n<p>Unterm Strich sehe ich folgende Filme n\u00e4chsten Dienstag auf der Best-Picture-Nominierungsleinwand:<\/p>\n<p>Absolut sicher:<\/p>\n<ol>\n<li><b>12 Years a Slave<\/b><\/li>\n<li><b>Gravity<\/b><\/li>\n<li><b>American Hustle<\/b><\/li>\n<\/ol>\n<p>Sieht gut aus:<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><b>Captain Phillips <\/b>(Breite Zustimmung bei den Gilden, auch wenn einige Kritikervereinigungen den Film vergessen zu haben scheinen. Aber die bestimmten keinen Oscarpreistr\u00e4ger&#8230;)<\/li>\n<li><b>Nebraska<\/b> (Die Filme von Alexander Payne sind sehr beliebt bei der Academy und auf ihre Weise einzigartig.)<\/li>\n<li><b>Her<\/b> (Von der Thematik her kein Oscar-Lieblingskind, aber \u00e4hnlich wie Sofia Coppolas <b>Lost in Translation<\/b> ein Film, der sehr enthusiastische Fans besitzt und somit gen\u00fcgend Erststimmen zusammen kriegen sollte. W\u00e4re Regisseur Spike Jonze beim \u201cDirector Guild Award\u201c dabei, dann w\u00e4re sein Film bereits \u201csicher\u201c drin. So muss er noch etwas zittern.)<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Realistische Chancen:<\/span><\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li><b>Dallas Buyers Club<\/b> (Vor der Nominierungsbekanntgabe diverser Gilden hat kaum einer den Film mit \u201cBest Picture\u201c in Zusammenhang gebracht. Doch die sichtlich breite Zustimmung bei Schauspielern, Drehbuchautoren und Produzenten spricht eine eigene Sprache.)<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"8\">\n<li><b>The Wolf of Wall Street <\/b>(Statistisch gesehen sieht es super aus, allein dank der DGA-Nominierung. Aber die Ger\u00fcchtek\u00fcche bez\u00fcglich der Abneigung seitens einiger Academy-Mitglieder schwebt wie ein Damokles-Schwert \u00fcber Scorseses Kopf.)<\/li>\n<li><b>Saving Mr. Banks<\/b> (Insider haben sich im Vorfeld mehr von dieser leichten Kom\u00f6die rund um Walt Disney und P.L. Travers, der Autorin von Mary Poppins, versprochen. Doch das Thema ist und bleibt sehr Academy-freundlich.)<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Nur mit Gl\u00fcck:<\/span><\/p>\n<ol start=\"10\">\n<li><b>Blue Jasmine <\/b>(Jedes Jahr f\u00e4llt mindestens einer der \u201cProducer Guild Award\u201c-nominierten Kandidaten \u00fcber Bord und weil es sich hierbei eher um eine Cate-Blanchett-Show anstatt einen neuen Woody-Allen-Klassiker handelt, scheint es dieses Jahr <b>Blue Jasmine<\/b> zu treffen.)<\/li>\n<li><b>Inside Llewyn Davis<\/b> (Der neue Film der Coen-Br\u00fcder war bis vor einer Woche noch ganz dick im Gespr\u00e4ch f\u00fcr eine \u201cBest-Picture\u201c-Nominierung, doch der komplette Ausschluss bei s\u00e4mtlichen relevanten Gilden (insbesondere die der Drehbuchautoren) ist ein sehr bedrohliches Ausrufezeichen.)<\/li>\n<li><b>Lee Daniel&#8217;s The Butler<\/b> (Hat bei der \u201cScreen Actor Award\u201c noch gut abger\u00e4umt, aber ansonsten gab es praktisch nichts und der Film gilt allgemein als eher mittelm\u00e4\u00dfig.)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mein Tipp, was die Anzahl der nominierten \u201cBest-Picture\u201c-Filme anbelangt: acht &#8211; rein aus dem Bauch heraus.<\/p>\n<p>Ansonsten m\u00f6chte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Allgemein sollte man weniger mit \u00dcberraschungen bez\u00fcglich unerwarteter Nominierungen rechnen, als sich vielmehr auf die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigen Snubs einstellen. Sprich: Im Vorfeld als sicher geglaubte Namen, die bei der Bekanntgabe pl\u00f6tzlich fehlen \u2013 fragt mal bei Ben Affleck und Kathryn Bigelow nach&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00e4chste Woche beginnt er wieder: der vermeintlich gr\u00f6\u00dfte Zirkus der Filmindustrie. Oder besser gesagt: Die \u201cAcademy of Motion Picture Arts and Sciences\u201c gibt am folgenden Dienstag ihre Oscar-Nominierungen f\u00fcr den Jahrgang 2013 bekannt. 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