Oscar-Tippschein 2016/2017

Bester Film

Das Rennen um den besten Film des Jahres 2016 war eigentlich bereits nach dem ersten Trailer von La La Land gelaufen: Der Film ist thematisch genau das „Ding“ der Academy, wundervoll in Szene gesetzt und mit einem absolut fantastischen Ende gekrönt. Vieles erinnert vom Erfolgsrezept her an The Artist, ebenfalls ein Film mit vielen Hommagen an alte Klassiker und trotzdem genügend Eigenständigkeit.

Statistisch gesehen sieht es dank der 14 Nominierungen auch mehr als exzellent aus und nur die fehlende Ensemblenominierung beim SAG Award lässt den einen oder anderen Oscar-Experten zweifeln. Das Problem ist jedoch, dass es keinen klaren Konkurrenten gibt. Schließlich wurden Moonlight, Manchester by the Sea, Hidden Figures und Lion allesamt als glaubwürdige Herausforderer benannt. Zudem hilft das Preferential Voting System, weshalb in dieser Kategorie kein einzelner Gewinner getippt sondern von jedem Wähler eine Rangliste verlangt wird. Wer beispielsweise den Golden-Globe-Rekordgewinn bemängelt, den La La Land vor über einem Monat eingefahren hat, der wird sicherlich nicht deswegen den Film auf den letzten Platz setzen….

Front-runner: La La Land
Runner-up: Moonlight
My vote: La La Land
Missing: The Salesman

Personal Ranking

1. La La Land
2. Arrival
3. Lion
4. Moonlight
5. Manchester by the Sea
6. Hacksaw Ridge
7. Fences
8. Hell or High Water
9. Hidden Figures

Beste Regie

Er hat den DGA gewinnen und er wird auch den Oscar kassieren: Damien Chazelle ist drauf und dran, der jüngste „Best Director“-Gewinner in der Geschichte der Academy Awards zu werden. Und das auch völlig zurecht, denn es ist seine Vision und seine Liebe zur Filmkunst, die La La Land so stark machen. Nahezu jede Szene wirkt perfekt und der stetig dynamische Tempowechsel ist wegweisend wie atemberaubend.

Sollte es einen Schocker geben, dann einzig und allein in Form von Barry Jenkins – als potenziell erster schwarzer Preisträger dieser Kategorie.

Front-runner: Damien Chazelle (La La Land)
Runner-up: Barry Jenkins (Moonlight)
My vote: Damien Chazelle (La La Land)
Missing: Gareth Davis (Lion)

Personal Ranking

1. Damien Chazelle (La La Land)
2. Barry Jenkins (Moonlight)
3. Denis Villeneuve (Arrival)
4. Mel Gibson (Hacksaw Ridge)
5. Kenneth Lonergan (Manchster by the Sea)

Bester Hauptdarsteller

Dieses Rennen ist derart eng, dass ich selbst mit meiner persönlichen Rangliste fürchterliche Probleme hatte. Casey Affleck ist dem Rest einen Hauch überlegen, eine Nuance authentischer, als der ganz klar auf die Theaterbühne, aber dafür umso emotionaler abgestimmte Denzel Washington.

Affleck hat zahlreiche Preise und den Golden Globe kassiert, jedoch sich aufgrund eines aufkeimenden Vorwurfs der sexuellen Nötigung keinen Gefallen getan. Washington hingegen gewann halb überraschend den Screen Actor Award – die Frage ist nur: Rein wegen der Performance oder mehr weil ihm dieser Preis noch in seiner Sammlung fehlte? Bei den Oscars wäre es jedenfalls sein dritter, was sehr selten ist.

Doch passt mir auf Ryan Gosling auf: Wenn sich Affleck und Washington gegenseitig die Stimmen stehlen und genügend La-La-Land-Fanboys den Film überall ankreuzen, wo er vertreten ist, dann könnte dies die Überraschung des Abends sein.

Front-runner: Denzel Washington (Fences)
Runner-up: Casey Affleck (Manchester by the Sea)
My vote: Casey Affleck (Manchester by the Sea)
Missing: Sunny Pawar (Lion)

Personal Ranking

1. Casey Affleck (Manchester by the Sea)
2. Denzel Washington (Fences)
3. Ryan Gosling (La La Land)
4. Andrew Garfield (Hacksaw Ridge)
5. Viggo Mortenson (Captain Fantastic)

Beste Hauptdarstellerin

Warum zum Geier hat die Academy ausgerechnet Amy Adams in ihrer besten Rolle ihres Lebens nicht nominiert? Sie hätte zwar keine Chance gegen den La-La-Land-Zug gehabt, aber meine Stimme sicher gehabt.

So mancher Oscarwatcher möchte jedenfalls Isabelle Huppert gewinnen sehen, deren Leistung für mich jedoch zu sehr „Hit or Miss“ riecht – was bei einem Film von Paul Verhoeven auch nicht verwundern sollte. Und die gute Natalie Portman wirkt zwar einerseits „perfekt“, aber andererseits „gezwungen“. Deshalb ist mein persönlicher Underog Meryl Streep, zum einen wegen ihrer furiosen Golden-Globe-Rede (ja, das kann ein Zünglein an der Waage sein) und zum anderen weil niemand absichtlich so scheiße singen kann, wie sie.

Doch seien wir ehrlich: Gegen Emma Stones brillantes Minenspiel hat dieses Jahr keiner eine Chance. Ihre Rolle ist auch genau von dem Kaliber, den die Academy in jüngster Zeit am liebsten ausgezeichnet hat.

Front-runner: Emma Stone (La La Land)
Runner-up: Meryl Streep (Florence Foster Jenkins)
My vote: Emma Stone (La La Land)
Missing: Amy Adams (Arrival)

Personal Ranking

1. Emma Stone (La La Land)
2. Meryl Streep (Florence Foster Jenkins)
3. Natalie Portman (Jackie)
4. Isabelle Huppert (Elle)
5. Ruth Negga (Loving)

Bester Nebendarsteller

Für das Protokoll: Liebend gerne hätte ich unter „Missing“ Hugh Grant für seine grenzgeniale Vorstellung in Florence Foster Jenkins erwähnt. Aber seien wir ehrlich: Er ist der Hauptdarsteller, durch und durch.

Das könnte man auch über Dev Patel sagen, aber seine Rolle in Lion betrachte ich als Grenzfall. Schließlich erscheint er erst in der zweiten Hälfte des Filmes und dominiert die Leinwand. Was mich überaus freut, denn bereits bei Slumdog Millionär wusste ich, dass der Junge mehr als nur naiv gucken kann.

Doch aus irgendwelchen Gründen gilt Mahershala Ali als der Frontrunner unter den Oscar-Experten… und in der Tat hat er auch den wichtigsten Preis, nämlich den Screen Actor, eingeheimst. Mir selbst ist seine Leistung etwas zu gewöhnlich – doch tippe ich bewusst auf ihn anstatt auf Patel, weil mir sonst meine lieben Leser ein „Wishful Thinking“ vorwerfen…

Front-runner: Mahershala Ali (Moonlight)
Runner-up: Dev Patel (Lion)
My vote: Dev Patel (Lion)
Missing: Trevante Rhodes (Moonlight)

Personal Ranking

1. Dev Patel (Lion)
2. Jeff Bridges (Hell or High Water)
3. Mahershala Ali (Moonlight)
4. Nocturnal Animals (Nocturnal Animals)
5. Lucas Hedges (Manchester by the Sea)

Beste Nebendarstellerin

Viola Davis ist ebenfalls ein Grenzfall, ein noch härterer als Dev Patel um genau zu sein. Aber soll ich ehrlich sein? Alicia Vikander für The Danish Girl oder Rooney Mara für Carol waren im letzten noch viel mehr Haupt- anstatt Nebendarsteller. In der Tat kann Davis Entscheidung nachvollziehen, warum sie sich in Fences als Supporting betrachtet – denn im Grunde ist das Stück von August Wilson eine One-Man-Show für Denzel Washington.

Das macht sie in dieser Kategorie zur haushohen Favoritin, zudem die gute Frau bereits vor fünf Jahren für The Help gewinnen sollte.

Front-runner: Viola Davis
Runner-up: -
My vote: Viola Davis

Personal Ranking

1. Viola Davis (Fences)
2. Nicole Kidman (Lion)
3. Michelle Williams (Manchester by the Sea)
4. Naomie Harris (Moonlight)
5. Octavia Spencer (Hidden Figures)

Bester Filmschnitt

Der Filmschnitt von La La Land ist zwar nicht so stark wie jener in Chazelles Erstlingswerk Whiplash, der vom gleichen Cutter stammt – aber dafür ist die Konkurrenz in diesem Jahr auch deutlich schwächer. Abseits von Arrival, dessen Schnitt mehr aufgrund der Erzählstruktur auffällt, konnte ich keine weitere, besonders starke Leistung in diesem Jahr entdecken. Einzig das nicht nominierte Fences ist mir aus nicht ganz erklärbaren Gründen positiv aufgefallen.

Front-runner: La La Land
Runner-up: Arrival
My vote: La La Land
Missing: Fences

Personal Ranking

1. La La Land
2. Arrival
3. Hacksaw Ridge
4. Hell or High water
5. Moonlight

Bestes Originaldrehbuch

Ja, ich mag das Drehbuch von La La Land lieber als das von Manchester by the Sea. Dies ist ein klassischer Fall von „geile Idee“ versus „tiefgründig-glaubwürdige Dialoge“. Während La La LandManchester by the Sea eine bemerkenswerte Charaktertiefe.

Front-runner: Manchester by the Sea
Runner-up: La La Land
My vote: La La Land
Missing: The Salesman

Personal Ranking

1. La La Land
2. Manchester by the Sea
3. The Lobster
4. Hell or High Water
Not Seen: 20th Century Women

Bestes adaptiertes Drehbuch

Es ist die Chance des Abends, Barry Jenkins für sein fabelhaftes Moonlight zu honorieren – auch wenn ich als Sci-Fi-Fan die Cleverness von Arrival bevorzuge. Interessanterweise haben BEIDE Filme den Writer Guild Award abgeräumt – weil dort Moonlight unter „Original Screenplay“ zählte. Allein aus diesem Grunde sind beide Drehbuchoscars alles ander als in Stein gemeiselt.

Front-runner: Moonlight
Runner-up: Arrival
My vote: Arrival
Missing: Nocturnal Animals

Personal Ranking

1. Arrival
2. Moonlight (*)
3. Fences
4. Lion
5. Hidden Figures

Beste Kamera

Bis zuletzt war ich mir sicher, dass in dieser Kategorie niemand La La Land schlagen könnte – und dann hab ich Lion gesehen und verstanden, wieso die ASC-Gilde ihren Preis an Greig Fraser anstatt Linus Sandgren vergeben haben. Die Szenen in Indien sehen jedenfalls verboten schön aus, egal ob aus direkter Nähe oder per weit entferner Hubschrauberperspektive.

Trotzdem sehe ich La La Land weiterhin als den Gewinner bei den Oscars. Die Academy tendiert mehr dazu, den episch wirkenden Film auszuzeichnen und hier hat Chazelles Werk allein dank der grandiosen Anfangsszene die Nase vorne.

Front-runner: La La Land
Runner-up: Lion
My vote: Lion
Missing: Hell or High Water

Personal Ranking

1. Lion
2. La La Land
3. Arrival
4. Moonlight
Not Seen: Silence

Bestes Produktionsdesign

So sehr ich La La Land auch mag: Das Produktionsdesign beziehungsweise die Ausstattung sollte in meinen Augen keinen Oscar kriegen. Dafür wäre dies eigentlich die Chance der Academy, wahlweise das tolle Sci-Fi-Epos Arrival oder endlich mal das Harry-Potter-Universum mit Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden auszuzeichnen. Weil jedoch ein klarer Favorit fehlt, tippe ich dann doch auf einen Durchmarsch seitens La La Land

Front-runner: La La Land
Runner-up: Arrival
My vote: Arrival
Missing: Hidden Figures

Personal Ranking

1. Arrival
2. Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden
3. Passengers
4. La La Land
5. Hail Caesar

Beste Kostüme

Hier sieht es für anders herum aus als in Punkto Kamera und Produktionsdesign: Eigentlcih würde ich ohne zu zögern auf La La Land tippen, schlicht weil sich mir die satten Farben der Kostüme tief in mein Gedächtnis eingraben haben. Aber rein statistisch schaut es für die sehr authentisch gestaltete Kleidung in Jackie deutlich besser aus, dank einem Sieg bei den BAFTAs sowie dem Critics Choice Award und einer Academy, die in Punkto Kostüme eher Historienfilme anstatt „moderne Werke“ würdigt.

Es sei gleich hinterher gesagt, dass Jackie den zugehörigen Gildenpreis überraschend verloren hat – obwohl es dort dank mehrere Kategorien gar nicht erst mit La La Land konkurrieren musste. Nein, die Gilden haben lieber Hidden Figures honoriert – das wiederum bei den Oscars fehlt.

Front-runner: Jackie
Runner-up: La La Land
My vote: La La Land
Missing: Hidden Figures

Personal Ranking

1. La La Land
2. Jackie
3. Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden
4. Allied
5. Florence Foster Jenkins

Bestes Make-up und Haarstyling

Was für eine Mischung… man könnte auch sagen: Was letztes Jahr das Quintett für „Best Original Song“ war, ist diesmal dieses Trio für „Best Makeup & Hairstyling“. Jedenfalls fühlt sich keiner der Kandidaten wie ein potenzieller „Sieger“ an: Suicide Squad hat das aufwändigste Makeup, ist aber mit Abstand der schlechteste und unbeliebteste Film. Ein Mann namens Ove hat das realistisches Makeup, doch wie viele Academy-Wähler haben das schwedische Dramedy gesehen? Und Star Trek Beyond? Nun, ich weiß nicht… die Stärken des Makeups wurden hier eigentlich schon mit dem ersten Revival von J.J. Abrams genug gewürdigt… Hier hätte man wirklich Jackie den Vorrang geben sollen.

Front-runner: Suicide Squad
Runner-up: Star Trek Beyond
My vote: Suicide Squad
Missing: Jackie

Personal Ranking

1. Suicide Squad
2. Ein Mann namens Ove
3. Star Trek Beyond

Beste visuellen Effekte

Wisst ihr eigentlich, dass die Bohrinsel in Deepwater Horizon ein reales Set ist? Und von der Größe her bis auf Dreiviertel einer realen gleicht? Und das die ganzen Explosionen „echt“ sind? Nein? Tja, die Academy wohl auch nicht … weshalb mein persönlicher Favorit keine Chance hat.

Dafür tippt die ganze Welt auf Jon Favreaus The Jungle Book, was ich wiederum nur schwer verstehen kann – denn der Film trieft nur so vor CGI und viel zu grellen Farben.

Front-runner: The Jungle Book
Runner-up: Kubo and the Two Strings
My vote: Deepwater Horizon
Missing: Arrival

Personal Ranking

1. Deepwater Horizon
2. Kubo – Der Tapfere Samurai
3. Doctor Strange
4. The Jungle Book
5. Rogue One

Beste Tonabmischung

Gebt Kevin O’Connell endlich seinen Oscar! 21 mal ist er nun nominiert, auf einen Sieg wartet er immer noch – und eigentlich hätte er ihn auch für das einwandfrei abgemischte Hacksaw Ridge verdient. Schließlich sind die Explosionen knackig laut und die Dialoge trotzdem einwandfrei zu verstehen. Aber: Tippe bei einer Oscar-Verliehung niemals gegen ads Musical – erst recht nicht, wenn es beim Best-Picture-Rennen dabei ist.

O’Connells Hoffnungen sind zweierlei: Zum einen könnte La La Land ähnlich wie vor sechzehn Jahren Moulin Rouge dann doch ausnahmsweise gegen einen Kriegsfilm verlieren. Und zum anderen gibt es erstaunlich viele Kritiker, die La La Land trotz seiner hohen Qualitäten gerade in der Tonabmischung kritisieren. Zumindest scheint es Probleme bei so manchem Kinoequipment zu geben… Die Frage ist nur: Weiß das die Academy, die sich ihr Zeugs inzwischen am heimischen Bildschirm und auf DVD-Screenern anschaut?

Front-runner: La La Land
Runner-up: Hacksaw Ridge
My vote: Hacksaw Ridge
Missing: Deepwater Horizon

Personal Ranking

1. Hacksaw Ridge
2. La La Land
3. Rogue One
4. 13 Hours
5. Arrival

Beste Toneffekte

Das ist mein Ernst: Die Sound-Editing-Nominierung für La La Land ist der deutlichste Beweis dafür, dass der Film Best Picture sicher hat. Denn während die Tonabmischung von Musicals mit einem Fingeschnippsen nominiert werden, ist so etwas in Punkto Toneffekte eine Premiere (!). Klar: Während einer Musicalnummer gibt es eher wenige, künstliche hinzugügte Geräusche. Das gilt eigentlich auch für La La Land und trotzdem hat die Gruppe der Sound Editor einen ungehörten Tabubruch begangen.

Gewinnen dürfte La La Land in diesem Fall allerdings nicht – und wenn doch, dann kriegt auch Ryan Gosling seinen Oscar. Im Ernst: Dieses Rennen läuft zwischen den tollen Aliensounds aus Arrival und dem klassischen Krachbumm eines Hacksaw Ridge. Die Frage ist: Welchen Film möchte die Academy lieber auszeichnen? Das konservative Lager ist sicherlich geschlossen für letzteren…

Front-runner: Hacksaw Ridge
Runner-up: Arrival
My vote: Arrival

Personal Ranking

1. Arrival
2. Hacksaw Ridge
3. Deepwater Horizon
4. Sully
5. La La Land

Beste Musik

Hu hu, ha ha, ja, äh, viel Glück beim nächsten Mal? Dies ist der sicherste (!) Oscar für La La Land, schlicht weil die Musik herrlich verspielt und ungeschlagen eingängig ist. Selbst wenn das ebenfalls überall hochgelobte Arrival hätte nominiert werden dürfen, dann hätte Johann Johannson ein drittes Mal auf seinem Platz sitzend zuschauen dürfen.

Während die fünf nominierten Soundtracks allesamt Nominierungswürdig sind, frage ich mich ernsthaft: Was zum Geier muss Abel Korzeniowski noch machen, damit er sich endlich Academy-Award-Nominee nennen darf? Sein Thema zu Nocturnal Animals ist mal wieder traumhaft und der gebürtige Pole beweist erneut, dass er derzeit der Meister der Streichinstrumente ist.

Front-runner: La La Land
Runner-up: -
My vote: La La Land
Missing: Nocturnal Animals & Arrival

Personal Ranking

1. La La Land
2. Lion
3. Passengers
4. Moonlight
5. Jackie

Bester Song

Fun Fact: Wäre La La Land vor zehn Jahren erschienen, dann hätte der Film vermutlich 15 Nominierung erreicht und somit Titanic & All About Eve hinter sich gelassen. Denn damals waren mehr als zwei Song-Nominierungen pro Film erlaubt und die brillante Anfangsnummer hätte ebenfalls einen Platz gefunden – in jedem Fall vor Trolls.

Das Jim: The James Foley Story hier nominiert ist, überrascht übrigens keinen Oscar-Experten mehr. Der Songschreiber J. Ralph hatte bereits zuvor zwei Oscarnominierung für völlig unbekannte Dokumentarfilm-Songs abgestaubt. Deshalb tippe ich darauf, dass diese dritte hier nicht seine letzte sein wird – irgendetwas scheint der Academy jedenfalls an den seichten Melodien und den zum Nachdenken angeregten Texten zu gefallen.

Front-runner: City of Stars (La La Land)
Runner-up: Audition (The Fools Who Dream) (La La Land)
My vote: City of Stars (La La Land)
Missing: Never Give Up (Lion)

Personal Ranking

1. City of Stars (La La Land)
2. Audition (The Fools Who Dream) (La La Land)
3. How Far I’ll Go (Vaiana)
4. Can’t Stop the feeling (Trolls)
5. The Empty Chair (Jim: The James Foley Story)

Bester Dokumentarfilm

Ist es fair, dass O.J. Made in America für einen Oscar nominiert ist? Oder ist das 8 Stunden-Monster nicht eher eine Mini-Serie, die bei den Emmys Platz finden sollte? Ja und nein: Denn gleichwohl die Dokumentation in fünf Teile aufgespalten ist, wirkt sie wie aus einem Guss und wurde zurecht als ein zusammenhängender Film eingereicht.

Lässt man mögliche Bedenken bezüglich der Regeln außen vor, dann ist das hier eine ganz klare Kiste: O.J.: Made in America MUSS diesen Oscar gewinnen. Ezra Edelman hat nicht einfach den Fall von O.J. Simpson aufgerollt, sondern erklärt auf fabelhafte wie ausschweifende Weise, wie es überhaupt zu dem spektakulären Freispruch kommen konnte. In den acht Stunden steckt einfach verdammt viel drin, weshalb die Konkurrenz keine Chance hat – außer die Academy möchte Trump einen Stinkefinger mehr geben und schießt sich mit Fire at Sea voll auf die Flüchtlingsproblematik ein.

Front-runner: O.J: Made in America
Runner-up: Fire at Sea
My vote: O.J: Made in America

Personal Ranking

1. O.J.: Made in America
2. 13th
3. Fire at Sea
4. Life, Animated
Not Seen: I Am Not Your Negro

Bester fremdsprachiger Film

Das hier ist eines der stärksten Quintetts, das ich je unter den nominierten Foreign-Language-Filmen gsehen habe. Abseits von Tanna (ebenfalls ein gutes, aber nicht ganz so grandioses Werk) hätte jedes Werk den Oscar verdient und entsprechend unklar ist es, wer letztlich siegen wird.

Die meisten tippen auf den deuschen Beitrag Toni Erdmann – aber da glaub ich nicht so wirklich dran. Dazu ist der Film zu lang und die starken Szenen kommen viel zu spät. Nicht vergessen: Der gestresste Academy-Wähler schaltet gnadenlos nach einer Viertelstunde ab, wenn er sich gelangweilt fühlt. Zudem sind die Highlights von einem bizarren Humor getränkt, der nicht wirklich zum Oscar-Juroren passt.

Nein, ich tippe auf einen politischen Sieg: Mit The Salesman würde Asghar Farhadi zum zweiten Mal gewinnen und das zu einer Zeit, wo der Predator-in-Chief den gebürtigen Iraner gar nicht erst ins Land einreisen lassen würde. Ganz davon abgesehen ist es The Salesman der in meinen Augen beste Film, der genau wie Nader und Simin: Eine Trennung von einer starken Charakterentwicklung lebt.

Front-runner: The Salesman
Runner-up: Alles außer Tanna
My vote: The Salesman
Missing: Elle

Personal Ranking

1. The Salesman
2. Toni Erdmann
3. Ein Mann namens Ove
4. Land of Mine
5. Tanna

Bester animierter Film

Auch diese Gruppe ist richtig stark, weshalb ich den Sieg erneut den ersten vier Kandidaten meines eigenen Rangliste gönnen würde. Ich tippe hier auch ausnahmsweise gegen die Strömung und behaupte, dass die Thematik von Vaiana eher dem Geschmack der Academy trifft.

Front-runner: Vaiana
Runner-up: Zootopia
My vote: Mein Leben als Zucchini
Missing: Finding Dory

Personal Ranking

1. Mein Leben als Zucchini
2. Vaiana
3. Die rote Schildkröte
4. Zootopia
5. Kubo – Der Tapfere Samurai

Bester Kurzfilm

Au weh… normalerweise habe ich große Freude daran, mir die fünf nominierten Kurzfilme anzuschauen. Aber dieses Jahr ist hier echt der Wurm drin. Sowohl La Femme et le TGV als auch Silent Nights sind beinah Totalausfälle, was Originalität und Drehbuch anbelangt.

Timecode ist irgendwie putzig, aber dürfte auch keine realen Chancen für einen Sieg haben. Am Ende bleiben das düstere Ennemis Intérieurs und Mindenki, der einzige Kandidat mit einem greifbaren „Happy-End“. Und normalerweise gewinnt in dieser Kategorie immer ein eher fröhlich-positiver Beitrag…

Front-runner: Sing (Mindenki)
Runner-up: Ennemis Intérieurs
My vote: Sing (Mindenki)

Personal Ranking

1. Sing (Mindenki)
2. Timecode
3. Ennemis Intérieurs
4. La Femme et le TGV
5. Silent Nights

Beser Kurzdokumentarfilm

Nicht nur, dass ich diesmal alle fünf Kurzdokumentarifilme zu Gesicht bekomme: Die sind auch durch die Bank weg gelungen. Selbst der etwas dröge 4.1 Miles lebt von einer tollen Idee, während ihr bei Extremis mit den trauernden Krankenhausbesuchern fühlt, wenn sie die Lebenserhaltungsgeräte ihrer sterbenden Verwandten abschalten lassen.

Drei Beiträge behandeln mehr oder weniger die Flüchtlichgsproblematik: Das Schicksal der Kinder von Aleppo dokumentiert eine syrisch stämmige Familie, die inzwischen in Deutschland residiert, Die Weißhelme würdigt die Arbeiten der freiwilligen Helfer in Syrien, die in zerbombten Häusern nach Überlebenden suchen, und das bereits erwähnte 4.1 Miles zeigt das Drama der Rettung von Flüchtlingen auf hoher See. Deshalb könnten sie sich gegenseitig aushebeln und das ebenfalls starke Joe’s Violin zum Sieg verhelfen, bei dem ein Überlebender des Holcoust seine alte Violine an eine Musikschule spendet und sichtlich ergriffen der Schülerin begegnet, die sie während ihrer Ausbildungszeit spielen darf.

Front-runner: Joe’s Violin
Runner-up: Die Weißhelme
My vote: Das Schicksal der Kinder von Aleppo

Personal Ranking

1. Das Schicksal der Kinder von Aleppo
2. Die Weißhelme
3. Joe’s Violin
4. Extremis
5. 4.1 Miles

Bester animierter Kurzfilm

Die fünf animierten Kurzfilme liegen qualitätstechnisch ziemlich genau in der Mitte zwischen den anderen „Shorts“. Sprich: Wirklich schlechte ist keiner, aber es fehlt jedem das gewisse „etwas“. Letztlich fallen Piper und Pearl einen Tacken mehr auf: Ersteres ist nahezu dran am Fotorealismus und letzteres… tja, wie erklär ich das bloß?

Wer Pearl im Kino, auf iTunes oder via Vimeo schaut, der wird kaum etwas besonderes an der Zeitrafferstory zwischen einem Vater und seiner immer älter werdenden Tochter erkennen. Doch wer sich die Originalversion anschaut, der versteht die Nominierung: Pearl ist der erste VR-Film, der für einen Oscar nominiert ist. In der YouTube-Version dürft ihr die Sicht immerhin beliebig um 360 Grad drehen, weshalb es sich durchaus lohnt, das kleine Kunstwerk mehrfach anzuschauen.

Front-runner: Piper
Runner-up: Pearl
My vote: Pearl

Personal Ranking

1. Pearl
2. Piper
3. Borrowed Time
4. Pear Cider and Cigarettes
5. Blind Vaysha